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Kostenträgerrechnung

01. Welche Aufgabe erfüllt die Kostenträgerrechnung?

Die Kostenträgerrechnung hat die Aufgabe zu ermitteln, wofür die Kosten angefallen sind, d. h. für welche Kostenträger (= Produkte oder Aufträge). Sie wird in zwei Bereiche unterteilt:

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Die Kostenträgerrechnung übernimmt die Einzelkosten aus der Kostenartenrechnung und die Gemeinkosten aus der Kostenstellenrechnung. Außerdem werden die Leistungen erfasst, um dadurch den Erfolg der Unternehmensaktivität zu ermitteln.

Die Kostenträgerstückrechnung (Kalkulation) ermittelt die Kosten pro Leistungseinheit: Im nachfolgenden Text werden aus Vereinfachungsgründen folgende, gebräuchliche Abkürzungen verwendet (Darstellung im Schema der differenzierten Zuschlagskalkulation, Kostenträgerstückrechnung, Gesamtkostenverfahren):

ZeileKostenartAbkürzungBeispiel
1 MaterialeinzelkostenMEK 100,00
2+MaterialgemeinkostenMGK20 %20,00
3=MaterialkostenMK 120,00
4 FertigungseinzelkostenFEK 80,00
5+FertigungsgemeinkostenFGK120 %96,00
6+Sondereinzelkosten der FertigungSEKF 40,00
7=FertigungskostenFK 216,00
8=Herstellkosten der Fertigung/ErzeugungHKF 336,00
9 Bestandsmehrung, fertige/unfertige ErzeugnisseBV– 0,00
10+Bestandsminderung, fertige/unfertige ErzeugnisseBV+ 60,00
11=Herstellkosten des UmsatzesHKU 396,00
12+VerwaltungsgemeinkostenVwGK30 %118,80
13+VertriebsgemeinkostenVtGK15 %59,40
14+Sondereinzelkosten des VertriebsSEKV 20,00
15=Selbstkosten des UmsatzesSKU 594,20

Die Selbstkosten des Umsatzes betragen also 594,00 €. Bei einem geplanten Listenverkaufspreis von 800,00 € sowie einem geplanten Kundenrabatt von 20 % und einem geplanten Kundenskonto von 3 % lässt sich der Gewinn ermitteln (Differenzkalkulation):

 Listenverkaufspreis 800,00 
 Kundenrabatt20 %– 160,00800 • 20 : 100
=Zielverkaufspreis 640,00 
 Kundenskonto3 %– 19,20640 • 3 : 100
=Barverkaufspreis 620,80 
 Selbstkosten des Umsatzes (SKU)
(vgl. oben: Beispiel)
 – 594,00 
=Gewinn 26,80≈ 4,52 % von SKU

02. Welche Aufgabe erfüllt die Kostenträgerzeitrechnung?

Die Kostenträgerzeitrechnung (= kurzfristige Ergebnisrechnung) überwacht laufend die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens:

Sie stellt die Kosten und Leistungen (Erlöse) einer Abrechnungsperiode (i. d. R. ein Monat) im Kostenträgerblatt (BAB II) gegenüber – insgesamt und getrennt nach Kostenträgern. Sie ist damit die Grundlage zur Berechnung der Herstellkosten, der Selbstkosten und des Umsatzergebnisses einer Abrechnungsperiode. Außerdem kann der Anteil der verschiedenen Erzeugnisgruppen an den Gesamtkosten und am Gesamtergebnis ermittelt werden. Die Kostenträgerzeitrechnung wird üblicherweise auf Basis der verrechneten Normalkosten erstellt und später mit den Istkosten verglichen.

Bei der Gegenüberstellung von Kosten und Erlösen tritt ein Problem auf: Die Erlöse beziehen sich auf die verkaufte Menge, während sich die Kosten auf die hergestellte Menge beziehen. Das heißt also, das Mengengerüst von hergestellter und verkaufterMenge ist nicht gleich (Stichwort: Bestandsveränderungen). Um dieses Problem zu lösen, gibt es zwei Verfahren zur Ermittlung des Betriebsergebnisses:

  1. Die Erlöse werden an das Mengengerüst der Kosten angepasst

    (Gesamtkostenverfahren).

  2. Die Kosten werden an das Mengengerüst der Erlöse angepasst

    (Umsatzkostenverfahren).

Kostenträgerzeitrechnung – Verfahren
Gesamtkostenverfahren HGB § 275 Abs. 2Umsatzkostenverfahren HGB § 275 Abs. 3
 Umsatzerlöse Umsatzerlöse
+/–Bestandsveränderungen zu HerstellkostenHerstellkosten der zur Erziehlung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen
Kosten (gesamte primäre Kosten)Vertriebskosten und Verwaltungsgemeinkosten
=Betriebsergebnis=Betriebsergebnis

Beispiel

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Beispiel 1:

Ermittlung des Betriebsergebnisses nach dem Gesamtkostenverfahren bei zwei Produkten. Zu berücksichtigen sind Bestandsminderungen von 10.000 €. Die Abrechnungsperiode hat bei Produkt 1 Nettoerlöse in Höhe von 310.000 € und bei Produkt 2 in Höhe von 140.000 € ergeben.

Bearbeitungsschritte:

  1. Schema nach dem Gesamtkostenverfahren erstellen

  2. Verteilung der Kostensummen je Kostenart auf die Produkte (Kostenträger)

  3. Ermittlung des Umsatzergebnisses gesamt und je Produkt:

    $$Umsatzergebnis = Nettoerlöse – Selbstkosten\; des\; Umsatzes$$

  4. Analyse des Ergebnisses.

    Verrechnete Normalkosten
    BerechnungsschemaKostenartProdukt 1Produkt 2
    in EUR
     MEK50.00030.00020.000
    +MGK, 50 %25.00015.00010.000
    =MK75.00045.00030.000
     FEK120.00080.00040.000
    +FGK, 120 %144.00096.00048.000
    =FK264.000176.00088.000
    =HKF339.000221.000118.000
    +BV/Minderbestand10.0005.0005.000
    =HKU349.000226.000123.000
    +VwGK, 15 %52.35033.90018.450
    +VtGK, 5 %17.45011.3006.150
    =Selbstkosten des Umsatzes418.800271.200147.600
     Umsatzerlöse, netto450.000310.000140.000
    Umsatzergebnis

    31.200

    38.800

    –7.600

Analyse:

  1. Das Umsatzergebnis ist insgesamt positiv und beträgt 31.200 €.

  2. Das Produkt 1 erwirtschaftet ein positives und das Produkt 2 ein negatives Umsatzergebnis.

  3. Mögliche Maßnahmen, z. B.:

    • Senkung der Fertigungskosten für Produkt 2, z. B. Lohnkosten, Materialkosten, Überprüfung der Umlage Verwaltung/Vertrieb, Rationalisierung der Abläufe, Veränderung des Fertigungsverfahrens.

    • Reduzierung der Fertigungsmenge von Produkt 2 zugunsten von Produkt 1.

Beispiel 2:

Ermittlung des Betriebsergebnisses nach dem Gesamtkostenverfahren bei zwei Produkten. Neben der Ausgangslage von Beispiel 1 ist eine Kostenüberdeckung lt. BAB von 15.000 € zu berücksichtigen.

Bearbeitungsschritte:

  1. Schema nach dem Gesamtkostenverfahren erstellen und Kostensummen verteilen

  2. Umsatzergebnis = Nettoerlöse – Selbstkosten des Umsatzes

  3. $$Betriebsergebnis = Umsatzergebnis + Kostenüberdeckung$$

    Begründung:

    Kalkuliert wurde mit Normal-Zuschlagssätzen. Der BAB weist eine Kostenüberdeckung aus; das heißt, dass die Istkosten geringer sind als die Kalkulation auf Normalkostenbasis ausweist. Demzufolge müssen die Istkosten um den Betrag der Kostenüberdeckung reduziert bzw. das Umsatzergebnis um den Betrag erhöht werden. Analog ist eine Kostenunterdeckung zu subtrahieren.

  4. Analyse des Ergebnisses

    Verrechnete Normalkosten
    BerechnungsschemaKostenartProdukt 1Produkt 2
    in EUR
     
    =Selbstkosten des Umsatzes418.800271.200147.600
     Umsatzerlöse, netto450.000310.000140.000
    Umsatzergebnis31.20038.800–7.600
    +Überdeckung lt. BAB15.000 
     Betriebsergebnis46.200

03. Welche Aufgabe erfüllt die Kostenträgerstückrechnung?

Die Kostenträgerstückrechnung ermittelt die Selbstkosten je Kostenträgereinheit. Sie kann als Vor-, Zwischen- oder Nachkalkulation aufgestellt werden:

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Beispiel

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Beispiel 1: Vorkalkulation (Kalkulation des Angebotspreises)

Eine Sonderfertigung für einen Gewerbekunden ist zu kalkulieren mit 20 % Gewinnzuschlag, 2 % Skonto und 10 % Rabatt.

Berechnungsschritte:

  1. Auf der Basis der Selbstkosten des Umsatzes sind 20 % Gewinn zu kalkulieren („vom 100“) (zur Berechnung der Selbstkosten des Umsatzes vgl. Frage 02.).

  2. Kundenskonto-Berechnung: Berechnungsbasis ist der Zielverkaufspreis; Achtung: „vom verminderten Wert“/Barverkaufspreis („auf 100“);

    Beispiel:

    Gegeben:98 %= Barverkaufspreis= 9.600
     2 %= Skonto= x
    Gesucht:x= 9.600 • 2 : 98= 195,92
    Probe:2 % von 9.765,92= 195,92
  3. Kundenrabatt-Berechnung: „vom verminderten Wert“/Zielverkaufspreis; analog zu Kundenskonto:

    $$x = 9.795,92 * 10\; :\; 90 = 1.088,44$$

  4. Mehrwertsteuer:

    • Bei gewerblichen Kunden können Nettopreise (ohne MwSt) angeboten werden.

    • Bei Endverbrauchern müssen Bruttopreise (inkl. MwSt) angeboten werden.

Vorkalkulation: Kalkulation des Angebotspreises

 Selbstkosten des Umsatzes8.000,00
+Gewinn, 20 %1.600,00
=Barverkaufspreis9.600,00
+Kundenskonto, 2 %195,92
=Zielverkaufspreis9.795,92
+Kundenrabatt, 10 %1.088,44
=Nettoverkaufspreis10.884,36

Beispiel 2: Nachkalkulation

Nach Durchführung des Auftrags (vgl. Beispiel 1) liegen aus der Kostenstellenrechnung die tatsächlichen Kosten des Auftrags vor. Es soll ein Vergleich der Normalkosten aus der Vorkalkulation mit den Istkosten durchgeführt werden:

Berechnungsschritte:

  1. Für die Nachkalkulation werden die tatsächlichen Werte des Auftrags der Kostenrechnung entnommen und den Normalkosten der Vorkalkulation gegenübergestellt.

  2. Ist der Angebotspreis verbindlich, führt eine Kostenunterdeckung (Istkosten > Normalkosten) zu einer Gewinnschmälerung und umgekehrt.

KalkulationsschemaVorkalkulation
Normalkosten
Nachkalkulation
Istkosten
Abweichung
(+) Kostenüberdeckung
(–) Kostenunterdeckung
 MEK1.000,001.200,00–200,00
+MGK50 %500,00–41,67 %500,000,00
=MK1.500,001.700,00–200,00
 FEK2.000,002.200,00–200,00
+FGK120 %2.400,00–113,64 %2.500,00–100,00
=FK4.400,004.700,00–300,00
=Herstellkosten des Umsatzes5.900,006.400,00–500,00
+VwGK15 %885,0013,75 %880,005,00
+VtGK10 %590,00–9,38 %600,00–10,00
=Sondereinzelkosten des Vertriebs625,00700,00–75,00
=Selbstkosten des Umsatzes8.000,008.580,00–580,00
+Gewinn20 %1.600,00–11,89 %1.020,00–580,00
=Barverkaufspreis9.600,009.600,00 
+Kundenskonto, 2 %195,92 
=Zielverkaufspreis9.795,92
+Kundenrabatt, 10 %1.088,44
=Nettoverkaufspreis10.884,36

Analyse:

Gegenüber der Vorkalkulation führt die Kostenunterdeckung bei fast allen Kostenarten zu einer Gewinnschmälerung: Die Gewinnspanne sinkt von 20 % (kalkuliert) auf tatsächlich 11,89 %. Die Gewinneinbuße beträgt 580 €. Die Ursache(n) für die Kostenüberschreitungen ist/sind gründlich zu untersuchen. Lassen sich die Istkosten im vorliegenden Fall nicht verändern, müssen die Normal-Zuschlagssätze korrigiert werden. Erfolgt keine Korrektur, besteht die Gefahr, dass auch andere Angebotspreise „falsch“ kalkuliert sind und ggf. zu einer Gewinneinbuße führen – in der Praxis eine gefährliche Entwicklung.