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Produktions-/Fertigungsprogrammplanung→ A 2.2.4, A 2.2.9, 5.2.2

01. Welchen Inhalt hat die Produktionsprogrammplanung (Fertigungsprogrammplanung)?

Im Rahmen der Absatzplanung ermittelt das Unternehmen, welche Produkte in welchen Mengen zu welchen Terminen am Markt abgesetzt werden sollen. Aus dem Absatzprogramm wird das Produktionsprogramm abgeleitet. Dabei sind externe und interne Rahmenbedingungen zu berücksichtigen:

  • Externe Rahmenbedingungen, z. B.:

    • Entwicklung der Absatzmärkte: Kundennachfrage, Wettbewerb, Konjunktur usw.

    • Entwicklung der Beschaffungsmärkte: Beschaffungspreise, Verfügbarkeit usw.

    • Entwicklung der Finanzmärkte: Zinsniveau, Möglichkeiten der Kreditbeschaffung usw.

    • Entwicklung des Arbeitsmarktes: Verfügbarkeit der Arbeitskräfte (quantitativ, qualitativ).

  • Interne Rahmenbedingungen, z. B.:

    • Produktion, z. B.: Fertigungstechnik/-verfahren, Kapazitätsauslastung, Betriebsmittel

    • Absatz, z. B.: Kunden, Märkte, Produktvielfalt

    • Finanzen, z. B.: Kapitalausstattung, Liquidität

    • Arbeitskräfte, z. B.: Qualifikation der Mitarbeiter.

Das Produktionsprogramm ist also im Spannungsfeld zwischen Absatz (= Nachfrage der Produktionsfaktoren; Produktionserfordernisse) und Produktion (Kapazitäten; Angebot an Produktionsfaktoren) zu entwickeln. Dabei sind die oben beschriebenen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Dieser Abgleich von „Absetzbarkeit der Produkte“ und „verfügbaren Produktionsmöglichkeiten“ erfordert eine laufende Aktualisierung der Programmplanung.

02. Welche Teilpläne müssen im Rahmen der Produktionsprogrammplanung bearbeitet werden?

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03. Wie lässt sich die Entwicklung eines Erzeugnisses darstellen?

Beispiel

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Ein deutscher Automobilhersteller plant sein Pkw-Programm um ein Cabrio-Modell zu erweitern, das er bisher nicht in seiner Programmpalette hatte. Der Auslöser für diese Überlegung ist vielfältig: Programmpalette des Wettbewerbs, eigene Umsatz-/Ergebnisplanung, Marktanteils-/Wachstumsziele, Lebenszyklus der übrigen Pkw-Typen.

  1. Am Anfang steht also die Analyse der Ist-Situation:

    Umsatz, Ergebnis usw.

  2. Zielsetzung (strategisch/operativ):

    Im nächsten Schritt muss überlegt werden, welche Zielsetzung mit der Einführung des Cabrio-Modells verbunden werden soll:

    • strategisch, z. B.: Neuentwicklung, Image, neue Käuferschichten

    • operativ, z. B.: Gewinnsteigerung, Nutzung vorhandener Kapazitäten, Umsatzbeitrag

  3. Erzeugnisideen:

    Im weiteren Schritt sind Erzeugnisideen zu sammeln, zu selektieren und zu bewerten:

    • Welches Preissegment?

    • Welche Käuferschicht?

    • Wer sind die relevanten Wettbewerber?

    • Welche Leistungsmerkmale (z. B. cw-Wert, Verbrauch, PS/kw, Abmessungen usw.)

    Die relevanten Ergebnisse dazu ergeben sich aus der Marktforschung

    • beim Verbraucher

    • beim Wettbewerb

    • bei den Absatzmittlern.

    Die Erzeugnisideen werden außerdem begrenzt durch die internen Rahmenbedingungen: Kapazitäten, Betriebsmittel, Finanzkraft, Vertriebsorganisation usw.

    Beispiel

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    Es wird angenommen, dass die Überlegungen zur Produktidee des neuen Cabrio-Modells u. a. zu folgenden Entscheidungen geführt haben:

    Angesprochen werden soll die Zielgruppe der „gutverdienenden Ein- und Zweipersonenhaushalte“ im hochpreisigen Marktsegment (Gewinnspanne!). Ausstattung und Motorisierung sind exklusiv, modern und unter Unterschreitung der EU-Umweltschutznormen: Leder (naturbehandelt); Turbobenzinerantrieb (geringer Verbrauch, geräuscharme Laufkultur); geringes Gewicht der Karosserie, recycelfähige/wiederverwertbare Materialien, hohe Lebensdauer, lange Garantiezeiten u. Ä.

    Anschließend kann mit der Produktentwicklung begonnen werden: Ein Prototyp wird konstruiert.

  4. Entwicklungsphase

    Entwurf, Kalkulation, Kosten, Pflichtenheft, Preisgestaltung usw.

  5. Herstellung eines Prototyps

    Herstellung und Erprobung (Verbrauch, Testfahrten, Fahreigenschaften usw.)

  6. Planungsphase:

    • Fertigungsplanung (Verfahren, Betriebsmittel, Investitionen usw.)

    • Beschaffungsplanung (Lieferanten, Bauteile, Ersatzteile usw.)

  7. Fertigung einer Nullserie

    (z. B. 50 Stück; Test, Erfahrungsberichte, ABE-Genehmigung usw.)

  8. Serienfertigung

    Herstellung in großen Stückzahlen; Optimierung der Fertigungssteuerung; laufende Fertigungsversorgung

  9. Markteinführungsphase und Produktpflege

    Beispiel

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    Es bleibt zu hoffen, dass es dem Automobilhersteller gelingt, ein Cabrio-Modell herzustellen, das die Gratwanderung zwischen Ökologie und Ökonomie meistert, vom Kunden angenommen wird und dem Hersteller einen Beitrag zur nachhaltigen Existenzsicherung bietet.

    Unser neues Cabrio aus dem Hause …:

    gering im Verbrauch dank neuester Motorentechnik, extrem geräuscharme Laufkultur, Sicherheits- und Sportpakete, Einhaltung der neuesten Abgas- und Umweltschutzbestimmungen und … und … Alles können wir nicht nennen, … Also: Vereinbaren Sie die erste Probefahrt!

Phasen der Produktentwicklung
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ProduktforschungEntwicklung der Produktidee.
ProduktentwicklungBefragung zukünftiger Nutzer.
ProduktgestaltungKonstruktion, Name, Design, Verpackung gestalten.
ProdukterprobungErprobung des Produkts im Feld.
ProduktionserprobungErmittlung der Fähigkeitsindizes (Prozess-FMEA).
ProduktkontrolleProdukt-FMEA.

04. Welche Entscheidungen sind bei der Festlegung der Programmbreite und Programmtiefe zu treffen?

  1. Produktkonzept:

    Die Aufgabe der mittelfristigen Produktionsprogrammplanung ist es, ein Produktkonzept, d. h. eine Gesamtplanung des Erzeugnisses und seiner Varianten festzusetzen. Dazu müssen die herzustellenden Produkte im Einzelnen entworfen (→ Konstruktion), die Zahl der unterschiedlichen Erzeugnisse oder Erzeugnisgruppen fixiert (→ Programmbreite) und die verschiedenen Abwandlungen eines Erzeugnisses festgelegt (→ Programmtiefe) werden.

  2. Fertigungstiefe:

    Außerdem wird entschieden, welche Bauteile selbst gefertigt und welche fremd bezogen werden (→ Entscheidung über die Fertigungstiefe = Anzahl der Fertigungsstufen):

    Beispiel

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    Automobilhersteller

    Programmbreite: → Kleinwagen, Mittelklassewagen, Wagen der gehobenen Klasse, Sportwagen, Geländewagen

    Programmtiefe: → Kleinwagen: Typ 310, 312, 315; Ausstattung: X, Y, Z; Farben: … usw.

  3. Lebenszyklus:

    Zur mittelfristigen Fertigungsprogrammplanung gehört ebenfalls die Einschätzung über den voraussichtlichen Lebenszyklus des Produktes: Zuerst muss das Produkt entwickelt und eingeführt werden. Anschließend folgt die Wachstums- und die Reifephase usw. (vgl. BCG-Matrix).

05. Welche Beschaffungsprogramme müssen als Voraussetzung für einen optimalen Leistungsprozess geplant werden?

Voraussetzung für einen optimalen Leistungsprozess ist die rechtzeitige sowie quantitativ und qualitativ richtige Bereitstellung aller benötigten Sachmittel (Betriebsmittel, Materialien), Arbeitskräfte, Finanzen und Informationen.

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Im Einzelnen müssen also folgende Beschaffungsprogramme (auch: Fertigungsversorgung) geplant werden:

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06. Welche Aufgaben umfasst die Betriebsmittelplanung?


>> 5.2.2

Vgl. S. 745

07. Was ist Gegenstand der Materialplanung?


>> 5.2.2
  • Aufgabe der Materialplanung ist insbesondere die Planung

    • des Materialbedarfs (z. B. Methoden der Bedarfsermittlung)

    • der Materialbeschaffung; vor allem:

      • Lieferantenauswahl

      • Beschaffungszeitpunkte

      • Bereitstellungsprinzipien (Bedarfsfall, Vorratshaltung, JIT usw.)

      • Bereitstellungssysteme/Logistik (Bring-/Holsysteme).

  • Welche Werkstoffe müssen geplant werden?

    • Rohstoffe: Hauptbestandteil der Fertigungserzeugnisse, z. B. Holz bei der Möbelherstellung,

    • Hilfsstoffe: Nebenbestandteile der Fertigerzeugnisse, z. B. Leim bei der Möbelherstellung,

    • Betriebsstoffe: gehen nicht in das Produkt ein, sondern werden bei der Fertigung verbraucht, z. B. Energie (Strom, Dampf, Luftdruck).

Bei der Planung des Materialbedarfs stehen sich zwei grundsätzliche Prinzipien gegenüber:

Materialbedarfsermittlung
Stochastische BedarfsermittlungDeterministische Bedarfsermittlung
→ verbrauchsorientiert, auftragsunabhängig→ auftragsorientiert, auftragsabhängig
  • für lagermäßig geführte Materialien
  • anhand von Vergangenheitswerten
  • auf der Basis von Lagerstatistiken
  • bestellt wird bei Erreichen des Meldebestandes
Wird aufgrund des Bedarfs für bestimmte Aufträge jeweils neu ermittelt.
Methoden:
  • Mittelwertbildung
  • exponentielle Glättung
  • Regressionsanalyse
  • analytische Disposition:
    → Stücklisten
  • synthetische Disposition:
    → Teileverwendungsnachweis
  • ABC-Analyse:

    Mithilfe der ABC-Analyse können die zu beschaffenden Sachmittel entsprechend ihrer Wertigkeit in A-, B- und C-Güter klassifiziert werden; auf der Basis dieser Information kann dann z. B. eine Analyse des Verbrauchs nach Materialen oder nach Lieferanten erfolgen. Außerdem zeigt die Analyse, welche Materialen bei der Bedarfsplanung im Mittelpunkt stehen müssen bzw. welche Methode der Beschaffung wirtschaftlich ist.

  • XYZ-Analyse:

    Die XYZ-Analyse stellt nicht wie die ABC-Analyse den Wert der zu beschaffenden Güter in den Mittelpunkt, sondern klassifiziert nach dem Grad der Vorhersagbarkeit des Verbrauchs. Eine mögliche Einteilung kann z. B. in folgender Form erfolgen:

    MaterialartGrad der VorhersagegenauigkeitBeispiel
    X-Güterhochkonstanter Verbrauch; kaum Schwankungen
    Y-Gütermittelschwankender, dennoch planbarer Verbrauch
    Z-Güterniedrigsehr unregelmäßiger Verbrauch

08. Wie wird die Beschaffung der Arbeitsleistung geplant?


>> 7.1, 8.1

Die Personalbedarfsplanung ist das „Herzstück“ der Personalplanung. Sie ermittelt den quantitativen und qualitativen Bedarf für die Planungsperiode und stellt die Verbindung zwischen der Umsatz, Ergebnis- und Produktionsplanung einerseits und der Anpassungs- und Kostenplanung andererseits her. Der geplante Personalbedarf hat Zielcharakter für die anderen Felder der Personalplanung. Dabei

  • ermittelt die quantitative Personalplanung → Wie viele?

    das zahlenmäßige Mengengerüst (Anzahl der Mitarbeiter je Bereich, Vollzeit-/Teilzeit-“Köpfe“ usw.).

  • geht es bei der qualitativen Personalplanung → Mit welchen Qualifikationen?

    um die Qualifikationserfordernisse des festgestellten Mitarbeiterbedarfs (z. B. Angestellte/Arbeiter, angelernt/ungelernt, mit/ohne Ausbildungsabschluss, Fachrichtung Metall/Elektrotechnik/Mechatronik usw.)

Das Grundgerüst zur Ermittlung des Personalbedarfs wird ausführlich unter 7.1 behandelt:

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09. Welchen Inhalt hat die Planung der Finanzbeschaffung?

Die Bereitstellung der für das Produktionsprogramm erforderlichen Betriebsmittel kann zu Ersatz- oder Erweiterungsinvestitionen führen. Insbesondere wenn der Kapitalbedarf hoch ist, muss mittel- und langfristig sichergestellt werden, dass die benötigten Finanzmittel rechtzeitig und in der geplanten Höhe zur Verfügung stehen (Stichworte: Eigen-/Fremdfinanzierung, Innen-/Außenfinanzierung).

10. Welche Informationen müssen als Voraussetzung für einen optimalen Leistungsprozess vorliegen?


>> 5.1.5

Voraussetzung für einen optimalen Ablauf des Leistungsprozesses ist die Aktualität und Richtigkeit der Stammdaten sowie der Bewegungsdaten der Produktion. Weiterhin müssen alle Auftragsdaten und Identifikationsdaten angelegt werden (vgl. ausführlich unter Ziffer 5.1.5). Weitere Datenarten sind: Daten zur Kapazitätsplanung, zur Fertigungstechnologie, zur Instandhaltung, zum Qualitätsmanagement (vgl. ausführlich unter 5.1.6). Zur Bewältigung dieser Datenmengen werden heute fast ausschließlich DV-gestützte Programme der Produktionsplanung und -steuerung eingesetzt (z. B. SAP-R/3®, MAPICS, Navision, Oracle/MANUFACTORING).

11. Welchen Inhalt haben (kurzfristige) Fertigungsprogramme?

Die kurzfristige Fertigungsprogrammplanung wird aus der Produktionsplanung abgeleitet und bestimmt,

  • welche Produkte

  • in welchen Mengen

  • innerhalb der nächsten Zeit (z. B. innerhalb der nächsten sechs Monate).

im Unternehmen gefertigt werden. Die Planung richtet sich in erster Linie nach dem Absatz, muss aber auch vorhersehbare Engpasssituationen in der Fertigung berücksichtigen.