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Produktions-/Fertigungsplanung und -steuerung als Teilsystem→ A 2.2, 2.1.2

01. Welcher Unterschied besteht zwischen Produktion und Fertigung?

  • Produktion umfasst alle Arten der betrieblichen Leistungserstellung. Produktion erstreckt sich somit auf die betriebliche Erstellung von materiellen (Sachgüter/Energie) und immateriellen Gütern (Dienstleistungen/Rechte).

  • Fertigung meint nur die Seite der industriellen Leistungserstellung, d. h. der materiellen, absatzreifen Güter und Eigenerzeugnisse.

Hinweis

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Der Unterschied zwischen diesen Begriffen muss hier vernachlässigt werden, da er im Rahmenplan ebenfalls keine Berücksichtigung findet (zum Teil synonyme Verwendung).

02. Welche Hauptaufgaben bearbeitet die Produktionswirtschaft? Welche „Nebenaufgaben“ muss sie dabei berücksichtigen?

Die Hauptaufgaben der Produktionswirtschaft sind – entsprechend dem Management-Regelkreis:

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03. Wie wird der Produktionsplan (das Produktvolumen) im Rahmen der Unternehmens-Gesamtplanung abgeleitet?

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04. Welche betriebliche Kernfunktion erfüllt die industrielle Produktion?

Die Produktion ist das Bindeglied zwischen den betrieblichen Funktionen „Beschaffung“ (Input) und „Absatz“ (Output). Im Prozess der betrieblichen Leistungserstellung erfüllt sie die Funktion der „Transformation“ (Throughput): Der zu beschaffende Input wird transformiert in den am Markt anzubietenden Output.

05. Welche Bedeutung hat die Produktion/Fertigung für einen Industriebetrieb?

Die Produktion/Fertigung ist in Industriebetrieben die Funktion, mit der der Hauptbeitrag zur Wertschöpfung realisiert wird. Als betriebliche Wertschöpfung bezeichnet man den wertmäßigen Unterschied zwischen den Vorleistungen anderer Wirtschaftseinheiten (z. B. Materialaufwand), die der Betrieb zur Erzeugung/Veredlung seiner Leistungen braucht und den vom Betrieb erzeugten und abgesetzten Leistungen:

Beispiel

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 Erlöse4.000 GeldeinheitenGüterwerte nach außen →
-Vorleistungen2.500 Geldeinheiten← Güterwerte von außen
=Wertschöpfung1.500 Geldeinheiten 

06. Welche Aufgabenstellung hat die Produktionsplanung und -steuerung?

Die Produktionsplanung und -steuerung umfasst die mengen- und terminbezogene:

  • Planung

  • Veranlassung

  • Überwachung

der Produktionsdurchführung (in Anlehnung an: Ebel, B., a. a. O., S. 241). In der Literatur werden ähnliche Begriffe meist synonym verwendet, z. B.: Arbeitsvorbereitung, Produktionsvorbereitung, Produktionssteuerung.

Weiterhin wird der Begriff „Produktionsplanung und -steuerung“ (PPS) integrierter PPS-Systeme verwendet. Man bezeichnet damit rechnergestützte integrierte Systeme, die möglichst alle relevanten Daten der Produktionsplanung und -steuerung zusammenfassen und vernetzen (z. B. CIM-Konzepte).

07. Welche Aufgaben umfasst die Produktionsplanung im engeren Sinn?

Die Produktionsplanung wird im Allgemeinen als ein geschlossenes System gesehen. Betrachtet man die Produktionsplanung isoliert, so ergeben sich folgende Aufgaben:

  1. Aufgaben der Produktionsplanung – nach Fristigkeiten:

    Die Aufgaben der Produktionsplanung können nach Planungshorizonten unterschieden werden:

    • kurzfristige Produktionsplanung:

      ca. 1 – 12 Monate z. B. unmittelbare Vorbereitung der Produktion: Materialbereitstellung, Personaleinsatzplanung

    • mittelfristige Produktionsplanung:

      ca. 1 – 4 Jahre z. B. mittelfristige Investitions- und Personalplanung

    • langfristige Produktionsplanung:

      > 4 Jahre z. B. langfristige Planung der Fertigungstechnologie, der Produktprogramme.

    Bei der Verwendung des Begriffes „Produktions-/Fertigungsplanung und -steuerung“ wird in der Regel der kurzfristige Planungszeitraum betrachtet.

  2. Generelle Aufgaben der Produktionsplanung:

    Vernachlässigt man den Aspekt „Fristigkeiten“, so rechnet man insgesamt zu den Aufgaben der Produktionsplanung:

    Aufgaben der Produktionsplanung
    ProduktionsprogrammplanungStrategische Programmplanung, z. B.:
    • Planung der Produktfelder auf der Basis von Marktprognosen
    • Investitionsplanung
    • Planung der Fertigungstechnologie/-tiefe
    Taktische Programmplanung, z. B.:
    • Konkretisierung der Produktfelder
    • Grobplanung der Produktkapazitäten
    Operative Programmplanung, z. B.:
    • Feinplanung der Kapazitäten
    • Produktart
    • Menge
    • Termin usw.
    • Werkstattsteuerung
    Produktionsbedarfsplanung (auch Ressourcenplanung)
    • Personal-, Material,- Betriebsmittelbedarf
    • Planung der Eigen-/Fremdfertigung
    Produktionsablaufsplanung
    • Arbeits- und Zeitplanung
    • Planung der Fertigungsfolgen
    • Termin-, Mengen-, Transportplanung
    Kostenplanung
    • Vorkalkulation
    • mitlaufende Kalkulation
    • Nachkalkulation
    Fertigungsvorbereitung
    (auch: Arbeitsvorbereitung)
    • Auftragsumwandlung/-koordination
    • Losgrößenplanung
    • Erstellen der Stücklisten
    • Datenverwaltung
    • Arbeitspläne

08. Welche Zielsetzung hat die Produktionsplanung und -steuerung und welche Zielkonflikte können dabei auftreten?

  • Zielsetzungen, z. B.:

    • hohe Kapazitätsauslastung

    • Einhaltung der Termine

    • Einhaltung der Qualitätsstandards

    • Minimierung der Lagerbestände (Lagerkosten)

    • Optimierung des Materialflusses

  • Zielkonflikte, z. B.:

    • Lieferfähigkeit ↔ Kapazitätsauslastung

    • Vorratshaltung im Lager ↔ Minimierung der Herstellkosten.

09. Welche Aufgaben hat die Produktions-/Fertigungssteuerung?

Die Produktions-/Fertigungssteuerung hat operativen Charakter. Sie ist der Übergang von der Produktionsplanung zur Produktionsdurchführung. Im Gegensatz zur Produktions-/Fertigungsplanung befasst sich die Fertigungssteuerung unmittelbar mit der Lenkung und Überwachung der Fertigungsdurchführung.

Die Aufgaben der Fertigungssteuerung sind:

  • Strukturierung der Arbeitsvorgänge

  • Veranlassen der Fertigung

  • unmittelbares Bereitstellen der Produktionsfaktoren

  • Lenken der Fertigungsabläufe (Arbeits-, Transport- und Informationsplanung)

  • Überwachen/Sichern der Fertigung.

Die Fertigungssteuerung ist vom Charakter her ein geschlossener Regelkreis, der die Elemente Fertigungsplanung (das Soll) mit der Fertigungsdurchführung (das Ist) im Wege der Fertigungskontrolle (der Soll-Ist-Vergleich) miteinander verbindet.

Immer dann, wenn die Fertigungsdurchführung vom Plan abweicht (Termine, Qualitäten, Mengen usw.) – wenn also Störungen im Prozess erkennbar sind – müssen über Korrekturmaßnahmen/Maßnahmenbündel die Störungen beseitigt und (möglichst) zukünftig vermieden werden; mitunter kommt es aufgrund von Soll-Ist-Abweichungen auch zu Änderungen in der (ursprünglichen) Planung:

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10. Welche Ziele hat die Produktionsplanung und -steuerung?

Hinweis

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Wegen der Überschneidung der Prozesse innerhalb der Produktionsplanung und -steuerung (PPS) werden die Ziele der Produktionsplanung und die der Produktionssteuerung nicht isoliert betrachtet.

Die Ziele der Produktionsplanung und -steuerung leiten sich aus den Unternehmenszielen ab und sind auf ihre Vereinbarkeit mit diesen zu gestalten:

  • Minimierung der Fertigungskosten

  • kontinuierliche Auslastung der Kapazitäten

  • kurze Durchlaufzeiten

  • hoher Nutzungsgrad der Betriebsmittel

  • hohe Lieferbereitschaft

  • Einhaltung der Termine

  • optimale Lagerbestandsführung

  • Gewährleistung der Sicherheit am Arbeitsplatz

  • Ergonomie der Fertigung.

Die optimale Realisierung dieser Ziele verschafft Wettbewerbsvorteile am Absatzmarkt und gehört daher zu den Erfolgsfaktoren der industriellen Fertigung.

11. Welche Zielkonflikte können innerhalb des Zielbündels der Produktionsplanung und -steuerung (PPS) bestehen?

Die Ziele der PPS sind nicht immer indifferent oder komplementär; zum Teil gibt es konkurrierende Beziehungen (Zielkonflikte), z. B.:

► kurze Durchlaufzeitenkontinuierliche Auslastung der Kapazitäten
► kontinuierliche KapazitätsauslastungEinhaltung der Termine
► optimale Lagerbestandsführunghohe Lieferbereitschaft
► Minimierung der FertigungskostenErgonomie der Fertigung