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Arbeitsteilung als Bestandteil eines effizienten Managements

01. Was versteht man betriebswirtschaftlich unter „Wirtschaftlichkeit“?
→ A 2.5.8

Das ökonomische Prinzip erfordert, dass ein bestimmtes Produktionsergebnis mit einem möglichst geringen Einsatz von Material, Arbeitskräften und Maschinen erzielt wird oder umgekehrt der Einsatz einer bestimmten Menge ein möglichst hohes Ergebnis bringt. Die Wirtschaftlichkeit W ist daher eine Wertkennziffer und zeigt das Verhältnis von Ertrag zu Aufwand oder von Leistungen zu Kosten. Ist W 

$$Wirtschaftlichkeit = \frac{Ertrag}{Aufwand}$$

oder

$$Wirtschaftlichkeit = \frac{Leistungen}{Kosten}$$

02. Was besagt das Rentabilitätsprinzip?

Dem Rentabilitätsprinzip wird dann entsprochen, wenn das im Unternehmen investierte Kapital während einer Rechnungsperiode einen möglichst hohen Gewinn erbringt. Die Angabe einer absoluten Gewinngröße sagt aber noch nichts über den Unternehmenserfolg aus. Dieser wird erst dann erkennbar, wenn der Gewinn in Relation zum eingesetzten Kapital gestellt wird. Rentabilität ist daher eine Wertkennziffer und zeigt das Verhältnis von erzieltem Erfolg (Gewinn) zum eingesetzten Kapital.

Die Rentabilität lässt sich anhand unterschiedlicher Relationen definieren:

$$Umsatzrentabilität = \frac{Erfolg}{Umsatz} * 100$$

$$Eigenkapitalrentabilität = \frac{Erfolg}{Eigenkapital} * 100$$

$$Gesamtkapitalrentabilität = \frac{Erfolg + Fremdkapitalzinsen}{Gesamtkapital} * 100$$

03. Welche Aussagekraft hat die Kennziffer „Produktivität“?

Die Produktivität ist eine Mengenkennziffer und gibt das Maß der Ergiebigkeit einer bestimmten Faktorkombination an:

$$Produktivität = \frac{Mengenergebnis\; der\; Faktorkombination}{Faktoreinsatzmengen}$$

In der Praxis sind folgende Teilproduktivitäten von Bedeutung:

$$Arbeitsproduktivität = \frac{Erzeugte\; Menge}{Arbeitsstunden}$$

$$Materialproduktivität = \frac{Erzeugte\; Menge}{Materialeinsatz}$$

$$Maschinenproduktivität = \frac{Erzeugte\; Menge}{Maschinenstunden}$$

Die einzeln errechnete Kennzahl Produktivität lässt keine Aussage zu: Ergibt z. B. die Arbeitsproduktivität pro Schicht in dem Funktionsfeld Montage im Juli den Wert 1,25 (= 200 Stück : 160 Std.), so ist dieser Wert für sich genommen weder „gut“ noch „schlecht“.

Die Größe Produktivität ist erst im innerbetrieblichen und im zwischenbetrieblichen Vergleich von Interesse:

  • Innerbetrieblicher Vergleich, z. B.:

    Wie hat sich die Produktivität im Zeitablauf Januar bis Juli im Funktionsfeld Montage entwickelt?

  • Zwischenbetrieblicher Vergleich, z. B.:

    Wie hat sich die Arbeitsproduktivität des eigenen Unternehmens im Vergleich zum Branchenführer entwickelt?

04. Welchen Einfluss hat die Arbeitsteilung auf die Verbesserung der Produktivität?

Eine der unternehmerischen Zielsetzungen ist die Gewinnmaximierung:

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Gewinn = Umsatz – Kosten → max!

Die Verbesserung der Produktivität ist eine der möglichen Ansätze zur Gewinnmaximierung.

  1. Maximierungsansatz:

    → Verbesserung der Produktivität durch Steigerung der Erzeugungsmenge bei konstantem Faktoreinsatz:

    Beispiel

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    Situation „alt“:

    $$Arbeitsproduktivität_{alt} = \frac{200\; St.}{160\; Std.} = 1,25\; St./Std.$$

    Situation „neu“:

    $$Arbeitsproduktivität_{neu} = \frac{240\; St.}{160\; Std.} = 1,5\; St./Std.$$

    Gelingt es, bei gleichem Faktoreinsatz die erzeugte Menge zu vergrößern (bei sonst gleichen Bedingungen), so steht einem bestimmten Aufwand eine höhere Leistung gegenüber. Dies führt zu einer Kostensenkung bzw. zu einer Gewinnverbesserung:

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  2. Minimierungsansatz:

    → Verbesserung der Produktivität durch Senkung der Faktoreinsatzmenge bei gleicher Erzeugnismenge:

    Situation „neu“:

    $$Arbeitsproduktivität_{neu} = \frac{200\; St.}{125\; Std.} = 1,6\; St./Std.$$

    Merke

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    Die Arbeitsteilung ist eine der Ansätze zur Verbesserung der Produktivität!

Die Arbeitsteilung ist die Zerlegung einer Gesamtaufgabe in Teilaufgaben. Sie kann als Mengenteilung oder Artteilung erfolgen.

Unter günstigen Bedingungen hat die Arbeitsteilung u. a. folgende Vorteile:

  • Steigerung der erzeugten Menge durch Spezialisierung

  • Verbesserung der Geschicklichkeit bei gleichen Handgriffen

  • Verbesserung der Auslastung der Maschinen

  • Einsatz angelernter Arbeiter (dadurch geringere Lohngruppe)

  • Gewöhnung, dadurch höhere Produktivität.

Schlussfolgerungen:

→ Der Gewinn kann durch eine Verbesserung der Produktivität gesteigert werden!

(unter sonst gleichen Bedingungen)

→ Die Produktivität kann durch Arbeitsteilung verbessert werden!

→ Vereinfacht: Arbeitsteilung ⇒ Produktivität ↑ ⇒ Gewinn ↑ 

05. Welchen Einfluss hat die Organisation auf die Verbesserung der Produktivität?

  1. Organisieren heißt, Regelungen treffen.

  2. Organisation ist die 3. Phase im Management-Regelkreis:

    Ziele setzen → Planen → Organisieren → Durchführen → Kontrollieren

  3. Die Organisation gehört zu den dispositiven Faktoren:

    Die Organisation eines Unternehmens regelt, wie die Faktoren Arbeitskräfte, Arbeitsmittel (Maschinen, Geräte) und Arbeitsstoffe (Zement, Bleche, Steine) so miteinander kombiniert werden, dass das Unternehmensziel (z. B. Gewinnmaximierung) erreicht wird.

    Zur Wiederholung:

    $$Produktivität = \frac{Mengenergebnis\; der\; Faktorkombination}{Faktoreinsatzmengen}$$

Die Organisation entscheidet nicht nur über den Grad der Arbeitsteilung und über die Aufbau- und Ablauforganisation eines Unternehmens sondern es gilt auch:

Die Organisation ist zentraler Bestandteil eines effizienten Managements und entscheidet mit über Produktivität und Wirtschaftlichkeit in einem Unternehmen.

Die Organisation muss

  • Arbeitsvorgänge so koordinieren, dass Leerlauf vermieden wird

  • muss die Faktorkombination wählen, die die Produktivität optimiert

  • wirtschaftlich sein (Aufwand und Nutzen müssen sich entsprechen)

  • eine Gratwanderung realisieren zwischen

    • Über- und Unterorganisation

    • Kontinuität und Flexibilität

    • Freiräumen für die Mitarbeiter und Kontrolle.

Beispiel

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Anhand der nachfolgenden Daten aus der Kostenrechnung ist für die Kostenstelle 4391, Anlasserritzel, ein Vergleich der Produktivität, der Wirtschaftlichkeit und des Gewinns durchzuführen; die Ergebnisse sind für den Betriebsleiter aufzubereiten und begründet zu interpretieren:

Kostenstelle 4391Jahr 01Jahr 02
Gefertigte und verkaufte Stück165.000180.000
Verkaufspreis je Stück50 €55 €
Ø Anzahl der Mitarbeiter pro Jahr1210
Ø Std.zahl je Mitarbeiter pro Jahr1.7251.610
Lohngesamtkosten je Stunde22 €23 €
Materialkosten je Stück20 €21 €
Fixe Gesamtkosten pro Jahr3.494.6004.249.700

Es wird folgende Arbeitstabelle angelegt:

Kostenstelle 4391Jahr 01Jahr 02
Gefertigte und verkaufte Stück165.000180.000
Verkaufspreis je Stück50 €55 €
Umsatz = Leistungen50 • 165.000 = 8.250.00055 • 180.000 = 9.900.000
Ø Anzahl der Mitarbeiter pro Jahr1210
Ø Std.zahl je Mitarbeiter pro Jahr1.7251.610
Stunden gesamt pro Jahr12 • 1.725 = 20.70010 • 1.610 = 16.100
Lohngesamtkosten je Stunde22 €23 €
Materialkosten je Stück20 €21 €
Fixe Gesamtkosten pro Jahr3.494.6004.249.700
Lohnkosten gesamt22 • 1.725 • 12 = 455.40023 • 1.610 • 10 = 370.300
Materialkosten gesamt20 • 165.000 = 3.300.00021 • 180.000 = 3.780.000
  Löhne455.400370.300
+ Material3.300.0003.780.000
+ Fixkosten3.494.6004.249.700
= Kosten insgesamt7.250.0008.400.000

Berechnungen:

$$Produktivität_{Jahr\; 01} = \frac{165.000}{12 * 1.725} = 7,97 St./Std.$$

$$Produktivität_{Jahr\; 02} = \frac{180.000}{10 * 1.610} = 11,18 St./Std.$$

$$Veränderung\; der\; Produktivität_{Jahr\; 02/01} = \frac{11,18 – 7,97}{7,97} * 100 = 40,28 \%$$

$$Wirtschaftlichkeit_{Jahr\; 01} = \frac{8.250.000}{7.250.000} = 1,138$$

$$Wirtschaftlichkeit_{Jahr\; 02} = \frac{9.900.000}{8.400.000} = 1,179$$

$$Veränderung\; der\; Wirtschaftlichkeit_{Jahr\; 02/01} = \frac{1,179 – 1,138}{1,138} * 100 = 3,6 \%$$

$$Gewinn_{Jahr\; 01} = 8.250.000 – 7.250.000 = 1.000.000$$

$$Gewinn_{Jahr\; 02} = 9.900.000 – 8.400.000 = 1.500.000$$

$$Veränderung\; der\; Gewinns_{Jahr\; 02/01} = \frac{1.500.000 – 1.000.000}{1.000.000} * 100 = 50 \%$$

Für den Betriebsleiter werden die Ergebnisse aufbereitet:

Als Tabelle:

Kostenstelle 4391Jahr 01Jahr 02Veränderung 02/01
Produktivität7,97 St./Std.11,18 St./Std.40,28 %
Wirtschaftlichkeit1,1381,1793,6 %
Gewinn1.000.0001.500.00050 %

Als Grafik:

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Interpretation der Ergebnisse:

  • Die Produktivität ist deutlich gestiegen: Trotz einer Reduzierung der Mitarbeiterzahl und sinkender Jahresstunden konnte die Stückzahl erhöht werden; dies deutet auf Rationalisierungseffekte hin.

  • Die Wirtschaftlichkeit ist annähernd konstant geblieben: Den gestiegenen Lohn-, Material- und Fixkosten stand ein ca. proportionaler Anstieg des Umsatzes (Mengen- und Preisanstieg) gegenüber. Der Mengeneffekt ergibt sich aus der Verbesserung der Produktivität; die Anhebung des Verkaufspreises lässt auf eine gute Akzeptanz beim Kunden schließen.

  • Gewinn: Bei annähernd konstanter Wirtschaftlichkeit und einer deutlich verbesserten Produktivität muss der Gewinn steigen.

06. Was bezeichnet man als die „4 M der Unternehmensorganisation“?

Mit dem „4 M der Unternehmensorganisation“ bezeichnet man die vier Themenbereiche, die jede Organisation eines Unternehmens wirtschaftlich gestalten muss (Ziele – Inhalte – Formen – Trends):

  1. Ziele der Organisation, z. B.:

    • Ziele des Unternehmens (vgl. oben), z. B.:

      • Produktivität

      • Wirtschaftlichkeit

      • Transparenz

      • Ergonomie/Humanität

    • Ziele der Kunden, z. B.:

      • hohe Qualität

      • angemessene Preise

      • flexible Anpassung auf Kundenwünsche

    • Ziele der Mitarbeiter, z. B.:

      • Übernahme von Verantwortung

      • klare Kompetenzen

      • Entwicklungsmöglichkeiten

  2. Inhalte der Organisation, z. B.:

    • Formelle, informelle Organisation

    • Aufbau-, Ablauf- (Prozess-), Projektorganisation

    • Neu-, Reorganisation

  3. Formen der Organisation z. B.:

    • Zentrale -, dezentrale Organisation

    • Leitungssysteme: Einlinien-, Mehrliniensysteme

    • Organisation in der Fertigung, z. B.: Gruppenfertigung, Fließfertigung

  4. Trends der Organisation, z. B.:

    • Organisation auf Zeit (z. B. Projektorganisation)

    • Vernetzung der (Kern)Prozesse (Prozessorganisation)

    • Tendenz zu Dezentralität, z. B. Profitcenterbildung

    • Verschlankung auf Kernprozesse:

      • Lean-Management (Hierarchieabbau)

      • Verkürzen der Entscheidungswege

      • Outsourcing

      • Make-or-Buy

    • Schlanke Lösungen statt perfekter Konzepte

    • Mitarbeiter im Zentrum:

      • Teambildung

      • autonome/teilautonome Gruppen.

07. Warum muss bei der Gestaltung von Produktionssystemen sowohl die Aufbau- als auch die Ablauforganisation betrachtet werden?

Umgangssprachlich wird nicht immer zwischen Produktion und Fertigung bzw. Produktionsorganisation und Fertigungsorganisation unterschieden. In der Theorie wird differenziert:

  • ProduktionDer Rahmenplan verwendet überwiegend den Begriff „Fertigung“. umfasst alle Arten der betrieblichen Leistungserstellung. Produktion erstreckt sich somit auf die betriebliche Erstellung von materiellen (Sachgüter/Energie) und immateriellen Gütern (Dienstleistungen/Rechte).

  • FertigungDer Rahmenplan verwendet überwiegend den Begriff „Fertigung“. meint nur die Seite der industriellen Leistungserstellung, d. h. der materiellen, absatzreifen Güter und Eigenerzeugnisse.

  • Die Aufbauorganisation ist der statische Teil der Organisation eines Unternehmens; sie legt die Struktur des Fertigungssystems sowie die räumlichen Anordnungen fest. Die Fertigungsorganisation ist u. a. abhängig

    • von Größe des Unternehmens

    • von der Art des Produktes

    • von den vorherrschenden Fertigungsverfahren.

    Demzufolge gibt es z. B. Unterschiede in

    • der Zahl der Hierarchiestufen

    • dem Grad der Arbeitsteilung

    • dem Grad der Zentralisierung/Dezentralisierung.

    Eine Sonderform der Aufbauorganisation ist die Matrixorganisation (= Zweiliniensystem). Die (übliche) Linienorganisation wird überlagert von einer weiteren Managementfunktion, z. B. der Wahrnehmung von Produktaufgaben (Produktmanagement) oder Projektaufgaben (Projektmanagement)
    → A 3.5

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  • Die Ablauforganisation (nach neuerem Verständnis auch: Prozessorganisation) ist der dynamische Teil der Organisation und regelt die Abläufe zwischen den Organisationseinheiten nach den Kriterien Ort, Zeit, Kosten und Funktion. Ablauforganisatorische Fragestellungen werden z. B. bearbeitet in der

    • Fertigungsprogrammplanung,

    • Planung der Fertigungsprozesse,

    • Fertigungssteuerung.

Aufgrund der Zielsetzung, den Besonderheiten der Leistungserstellung (z. B. Einzel- oder Massenfertigung) und anderen Faktoren (siehe Vorseite) erfolgt eine Entscheidung über die spezifische Aufbau- und Ablauforganisation des Unternehmens. Dabei sind heute Make-or-Buy-Entscheidungen zu berücksichtigen (→ Zwei- bzw. Dreiteilung der Fertigungsorganisation).

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Beispiel

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Die nachfolgende Abbildung stellt die Aufbauorganisation eines mittelgroßen Fertigungsunternehmens dar. Das Organigramm zeigt eine funktionsorientierte Stablinienorganisation. Die wichtigen Stabsstellen (Qualitätsmanagement, Controlling) sind der technischen bzw. der kaufmännischen Leitung zugeordnet. Die Arbeitsteilung im Ressort Fertigung ist mittelstark gegliedert (nach dem Funktionsprinzip). Die Funktion „Fertigung“ ist weiter untergliedert dargestellt:

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