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Maßnahmen der Mitarbeiterentwicklung→ A 2.3.1

01. Wie kann der Meister die berufliche Entwicklung der Mitarbeiter fördern?

Zum überwiegenden Teil wurde diese Frage bereits in den oben dargestellten Passagen beantwortet (Überschneidung im Rahmenplan). Zusammenfassend lassen sich folgende Anforderungen an den Meister formulieren: Er sollte im Rahmen der Mitarbeiterförderungs-Prozesse

  • ein persönliches Interesse an der Entwicklung seiner Mitarbeiter haben: „Förderung ist Chefsache!“

  • die Sozialkompetenz des Mitarbeiters entwickeln helfen – insbesondere im Hinblick auf die Bewältigung schwieriger Arbeitssituationen (Hilfe zur Selbsthilfe)

  • Auswahl- und Lernprozesse bei sich selbst und beim Mitarbeiter verknüpfen, Eigen- und Fremdbild bei der Mitarbeiterbeurteilung transparent gegenüberstellen und daraus Erkenntnisse für die Zukunft ableiten

  • den Mitarbeiter als individuelle Persönlichkeit begreifen und dessen berechtigte Motiv- und Wertestruktur respektieren

  • beim Mitarbeiter Entwicklungsenergien freilegen

  • arbeitsbegleitende, individuelle Förderprogramme für und mit dem Mitarbeiter erstellen

  • turnusmäßig bzw. bei auftretender Notwendigkeit Personalentwicklungs-Gespräche führen.

02. Welche generellen Möglichkeiten der Mitarbeiterförderung kann der Meister einsetzen und welche unternehmensbezogen Wirkungen lassen sich dadurch anstreben?

Möglichkeiten der Mitarbeiterförderung (genereller Überblick)Angestrebte, potenzielle und unternehmensbezogene Wirkung
Beispiele:
  • Ansprechen der Mitarbeitermotive und Eingehen auf die Bedürfnisse des Mitarbeiters (vgl.: Maslow, Herzberg).
  • Verbesserung von Selbstorganisation, Lernfähigkeit, Stressstabilität u. Ä.
  • Vermittlung der Fähigkeit, mit Konflikten angemessen umzugehen.
  • Dem Mitarbeiter die eigene Stärken bewusst machen und helfen, diese erfolgreich einzusetzen (persönliche Schwächen mildern).
  • Delegation höherwertiger Aufgaben und Übertragung von erweiterter Kompetenzen.
Beispiele:
  • Motivation der Mitarbeiter und Verbesserung eines flexiblen Einsatzes.
  • Reduzierung von Fluktuation und Fehlzeiten.
  • Langfristig und nachhaltig:
    Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und Identifikation der Mitarbeiter mit den Unternehmenszielen.

Anhang zum Kapitel 8. Personalentwicklung

Nachfolgend finden Sie zur Vertiefung zwei Personalentwicklungs-Konzepte, die von Lehrgangsteilnehmern in unseren Seminaren für die Praxis ihres Betriebes erarbeitet wurden; sie zeigen am konkreten Fall die Systematik der Planung, Durchführung und Evaluierung von PE-Maßnahmen:

(1)

PE-Konzept – CNC-Maschine

Die Z-GmbH ist auf dem Gebiet der Metallbearbeitung tätig. Eine CNC-Maschine (Zerspanung) ist der Engpass in der Fertigung und kann derzeit nur von einem Mitarbeiter, Herrn Huber und dem Inhaber selbst bedient werden. Der Inhaber ist häufig mit neuen Akquisitionsvorhaben beschäftigt. In der Vergangenheit konnte die CNC-Maschine an fünf Tagen nicht gefahren werden, weil der Inhaber auf Geschäftsreise und Herr Huber erkrankt war. Zwei Aufträge konnten erst verspätet ausgeliefert werden. Einer der Kunden drohte damit, zukünftige Aufträge zu stornieren. Die Analyse des Sachverhalts zeigt folgenden Ist-Zustand:

  • Eine wichtige Maschine ist der Engpass in der Fertigung.

  • Die Maschine kann nur von einem Mitarbeiter bedient werden, da der Inhaber neue Projekte bearbeitet.

  • Fällt der Mitarbeiter Huber aus, sind die vertraglich zugesicherten Liefertermine und damit die Existenz des Unternehmens gefährdet.

  • In der betrieblichen Funktion „Fertigung“ gibt es die Erfolgsposition Zerspanung. Sie ist von strategischer Bedeutung. Aufgabe des Meisters bzw. des Inhabers ist es, diese kritische Situation zu beheben. Nachfolgend wird eine mögliche Lösungsvariante dargestellt:

  1. Ermittlung des PE-Bedarfs:

    • Es wird für die Bedienung der CNC-Maschine eine Aufgabenbeschreibung erstellt.

    • Aus der Aufgabenbeschreibung wird das Anforderungsprofil abgeleitet; dabei wird zwischen fachlichen und persönlichen Anforderungen unterschieden.

    • Da das Unternehmen keine Ausbildung im gewerblichen Bereich durchführt, soll ein Mitarbeiter extern beschafft und eingearbeitet werden; aufgrund des hohen Einarbeitungsaufwandes und wegen der Bedeutung der Erfolgsposition ist eine Kündigungsfrist von drei Monaten vorzusehen.

  2. Zielsetzung:

    In der nächsten Periode ist ein geeigneter Mitarbeiter innerhalb von drei Monaten extern zu beschaffen und einzuarbeiten.

  3. Planung der PE-Maßnahmen:

    Die Einarbeitung wird von Herrn Huber und dem Inhaber vorgenommen. Der Inhaber hat sich verpflichtet, dafür entsprechende Zeiträume zu planen. Die Einarbeitung soll innerhalb von drei Monaten abgeschlossen sein.

    Die PE-Maßnahmen orientieren sich an der Defizitanalyse, d. h. der Differenz zwischen dem Anforderungsprofil der Stelle „CNC-Maschine“ und dem Eignungsprofil des externen Kandidaten. Ein Einarbeitsplan ist zu erstellen: Einzelmaßnahmen, Zeiten, Inhalte, Orte, Verantwortlichkeiten, detaillierte Lernziele.

  4. Durchführung der PE-Maßnahmen:

    Auswahl und Einarbeitung des neuen Mitarbeiters werden vom Inhaber und Herrn Huber durchgeführt. Herr Huber wird sich bei Abweichungen vom PE-Plan mit dem Inhaber über geeignete Korrekturmaßnahmen verständigen.

    Die Einarbeitung wird zum Teil beim Hersteller der CNC-Fräsmaschine und zum Teil vor Ort im Betrieb durchgeführt.

  5. Evaluierung (Kontrolle) der PE-Maßnahmen:

    • Kontrolle des Lernerfolges beim Lieferanten (Theorie und Praxis; Prüfung mit Zertifikat)

    • Kontrolle des Anwendungserfolges vor Ort durch den Inhaber und Herrn Huber (Erreichung der vorher definierten Lernziele)

(2)

PE-Konzept – Schaltberechtigung für 110 KV-Anlagen

  1. PE-Bedarf:

    In einem Unternehmen der Energieversorgung ist ein Mitarbeiter für die genannte Berechtigung zu qualifizieren.

  2. PE-Ziel:

    Der Mitarbeiter soll nach Durchführung in der Lage sein, die genannten Schaltungen fehlerfrei und selbstständig durchführen zu können.

  3. PE-Maßnahmen/Methoden:

    Die Schulung soll 14-tägig in der Kraftwerksschule in Essen mit anschließender Zertifikatsprüfung durchgeführt werden.

  4. PE-Durchführung: wie geplant

  5. Evaluierung:

    Lernerfolg:Bestehen der Zertifikatsprüfung
    Anwendungserfolg:Der Mitarbeiter muss in der Praxis mehrfach unter Aufsicht des vorgesetzten Meisters die Schaltungen fehlerfrei und sicher durchführen.