Kursangebot | | Auswirkungen vernetzter Versorgungsformen auf die Geschäftsprozesse berücksichtigen

Auswirkungen vernetzter Versorgungsformen auf die Geschäftsprozesse berücksichtigen

01. Welche Auswirkung hat die sektorale Trennung im Gesundheits- und Sozialwesen auf deren Geschäftsprozesse?

Der Grundsatz „ambulant vor stationär“ findet sich u. a. in § 39 SGB V wieder. Diese Abgrenzung ist nicht prozessual und daher medizinisch oft nicht eindeutig. Negative Auswirkungen von Sektorengrenzen sind insbesondere:

  • die Schnittstellenprobleme in den sektoralen Übergängen der Behandlungsprozesse, z. B. Wartezeiten und Informationsverluste

  • die Konflikte zwischen den Beteiligten, z. B. hinsichtlich der Honorartöpfe und Entgeltverteilung

  • hohe Kosten durch übermäßige Diagnostik, z. B. möchte jeder Sektor seine Diagnostik selbst durchführen

  • die Vernachlässigung der Prävention, da ggf. der andere Sektor die Kosten für die Behandlung trägt

  • eine zu geringe Förderung der Selbsthilfe, da auch hier die Kosten ggf. durch einen anderen Sektor getragen werden

  • eine Unterversorgung chronisch Kranker, da deren Therapie ggf. regelmäßig zwischen den Sektoren wechseln kann.

Im Ergebnis wirkt sich das nachteilig auf die ganzheitliche Versorgung der Patienten aus. Eine prozessorientierte, sektorenübergreifende Versorgung kann für Verbesserungen sorgen.

02. Was sind vernetzte Versorgungsformen?

  • Integrierte Versorgung (IV) bzw. besondere Versorgung

  • Disease-Management-Programme (DMP)

  • Medizinische Versorgungszentren (MVZ)

  • Anlaufpraxen (AP).

03. Welche Vor- und Nachteile haben vernetzte Versorgungsformen?

Ziel dieser Versorgungsformen ist es, den Ablauf der nötigen Versorgung zu verbessern und die Kosten zu senken.

FormVorteileNachteile
IV
  • geringere Wartezeiten für Patienten
  • Vermeidung von Doppelfinanzierung für die Krankenkassen
  • Extrabudgetäre Einnahmen für Ärzte
  • Einschränkung der freien Arztwahl durch Vorgabe im Prozess oder bestehende Kooperationen
DMP
  • bessere Information und Aufklärung von Chronikern
  • Optimierung des Behandlungsverlaufs
  • weniger Krankenhauseinweisungen
  • Vermeidung von Doppelfinanzierung für die Krankenkassen
  • Reduktion von Komplikationen und Folgeschäden
  • Einschränkung der freien Arztwahl und Behandlungsfreiheit
  • hoher Dokumentationsaufwand für den behandelnden Arzt
  • Evaluationskosten
  • geringe finanzielle Anreize
MVZ
  • vielseitiges Leistungsangebot unter einem Dach
  • Synergien durch die Nutzung einer gemeinsamen Infrastruktur
  • Vermeidung von Doppelfinanzierung für die Krankenkassen
  • unterschiedliche Arbeitszeitmodelle
  • kein Investitionsrisiko im Angestelltenverhältnis für Leistungserbringer
  • Einschränkung der unternehmerischen Freiheit
  • hohe Gründungskosten
  • Einschränkung der freien Arztwahl durch feststehende Organisation innerhalb des MVZ
AP
  1. Entlastung der Notfallambulanzen im Krankenhaus und der niedergelassenen Ärzte
  2. Vermeidung einer unnötigen stationären Aufnahme
  • erweiterte Praxisöffnungszeiten und Bereitschaftsdienste

Krankenkassen müssen Patienten, die an der integrierten Versorgung oder am Disease-Management-Programmen teilnehmen, einen Wahltarif anbieten.

04. Was sind Geschäftsprozesse?

Prozesse in einem Unternehmen können in Managementprozesse, Geschäftsprozesse und Unterstützungsprozesse unterschieden werden. Unterstützungsprozesse sind solche, die nur interne Kunden haben, z. B. Personalverwaltung, Rechnungswesen. Managementprozesse sind die dispositven Leistungen, die die Prozesse organisieren.

Geschäftsprozesse sind die Prozesse, die die Leistungserbringung für externe Kunden darstellen. Es sind die Kernkompetenzen des Unternehmens, z. B. der Clinical Pathway im Krankenhaus, die Erbringung der stationären Pflege, die Behandlung des Hausarztes im DMP.

Unternehmen gestalten diese Geschäftsprozesse z. B. IT-gesteuert zum Workflow, um standardisierte Abläufe zu garantieren.

Die folgende Grafik stellt den Zusammenhang dar:

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