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Kosten den Kostenstellen zuordnen

01. Was sind Kostenstellen?

Kostenstellen (KoSt) sind organisatorische Einheiten, die mehrere Stellen umfassen können. Im Allgemeinen werden Kostenstellen nach folgenden Kriterien bestimmt:

Verrichtungen, die unter einer einheitlichen Verantwortung (Organisation), in einer abgegrenzten Räumlichkeit eine gleichartige Leistung (Funktion) erbringen und denen Kosten verursachungsgerecht zugerechnet werden können, werden zu einer Kostenstelle zusammengefasst.

Beispiel

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Kostenstellen im Krankenhaus:

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02. Wie werden Kostenstellen unterschieden?

Hauptkostenstellen erbringen die Hauptleistungen, die als Endprodukte in Rechnung gestellt werden können. Nebenkostenstellen erstellen Nebenprodukte.

Die Leistungen der Haupt- und Nebenkostenstellen werden als Endkostenstellen nicht weiter verrechnet. Anders die Leistungen der Vorkostenstellen. Deren Leistungen werden den Endkostenstellen zugerechnet, da Vorkostenstellen keine absatzfähigen Produkte oder Dienstleistungen erstellen.

Kostenstellen
VorkostenstellenEndkostenstellen
allgemeine Hilfskostenstellenbereichsbezogene HilfskostenstellenNebenkostenstellenHauptkostenstellen
z. B.:
Personalabteilung, Hauswirtschaft, Rechnungswesen, Küche
z. B.:
PDL, Oberarzt Chirurgie, OP, Sterilisation
z. B.:
Ambulanz der Gynäkologie, Beratung
z. B.:
Station Chirurgie, Station HNO
werden verursachungsgerecht auf die Haupt- und Nebenkostenstellen verrechnet →+ Kostenanteil Vorkostenstellen+ Kostenanteil Vorkostenstellen
 Gesamtkosten der EndkostenstelleGesamtkosten der Endkostenstelle

Für die Kalkulation in Krankenhäusern ist die Abgrenzung der pflegesatzfähigen von den nicht pflegesatzfähigen Kosten relevant:

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Die nicht pflegesatzfähigen Kosten sind abzugrenzen.

03. Welche Vorgaben gibt es für die Kostenstellen?

Die Anlage 5 (s. Seite 626) der KHBV und die Anlage 5 der PBV schreiben die Bezeichnung und Nummerierung der Kostenstellen für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen vor. Im IKR und GKR sind die Kontenklassen 5 und 6 für Kostenstellen vorgesehen.

In der folgenden Tabelle ist die Gliederung für Krankenhäuser dargestellt:

Kostenstellenrahmen für die Kosten- und Leistungsrechnung
90 Gemeinsame Kostenstellen
900 Gebäude einschließlich Grundstück und Außenanlagen
901 Leitung und Verwaltung des Krankenhauses
902 Werkstätten
903 Nebenbetriebe
904 Personaleinrichtungen (für den Betrieb des Krankenhauses unerlässlich)
905 Aus-, Fort- und Weiterbildung
906 Sozialdienst, Patientenbetreuung
907 frei
908 frei
909 frei
91 Versorgungseinrichtungen
910 Speisenversorgung
911 Wäscheversorgung
912 Zentraler Reinigungsdienst
913 Versorgung mit Energie, Wasser, Brennstoffen
914 Innerbetriebliche Transporte
915 frei
916 frei
917 Apotheke/Arzneimittelausgabestelle (ohne Herstellung)
918 Zentrale Sterilisation
919 frei
92 Medizinische Institutionen
920 Röntgendiagnostik und -therapie
921 Nukleardiagnostik und -therapie
922 Laboratorien
923 Funktionsdiagnostik
924 Sonstige diagnostische Einrichtungen
925 Anästhesie, OP-Einrichtungen und Kreißzimmer
926 Physikalische Therapie
927 Sonstige therapeutische Einrichtungen
928 Pathologie
929 Ambulanzen
Kostenstellenrahmen für die Kosten- und Leistungsrechnung
93 - 95 Pflegefachbereiche – Normalpflege
930 Allgemeine Kostenstelle
931 Allgemeine Innere Medizin
932 Geriatrie
933 Kardiologie
934 Allgemeine Nephrologie
935 Hämodialyse/künstliche Niere (alternativ 962)
936 Gastroenterologie
937 Pädiatrie
938 Kinderkardiologie
939 Infektion
940 Lungen- und Bronchialheilkunde
941 Allgemeine Chirurgie
942 Unfallchirurgie
943 Kinderchirurgie
944 Endoprothetik
945 Gefäßchirurgie
946 Handchirurgie
947 Plastische Chirurgie
948 Thoraxchirurgie
949 Herzchirurgie
950 Urologie
951 Orthopädie
952 Neurochirurgie
953 Gynäkologie
954 HNO und Augen
955 Neurologie
956 Psychiatrie
957 Radiologie
958 Dermatologie und Venerologie
959 Zahn- und Kieferheilkunde, Mund- und Kieferchirurgie
96 Pflegefachbereiche – abweichende Pflegeintensität
960 Allgemeine Kostenstelle
961 Intensivüberwachung
962 Intensivbehandlung
963 frei
964 Intensivmedizin
965 Minimalpflege
966 Nachsorge
967 Halbstationäre Leistungen – Tageskliniken
968 Halbstationäre Leistungen – Nachtkliniken
969 Chronisch- und Langzeitkranke
97 Sonstige Einrichtungen
970 Personaleinrichtungen (für den Betrieb des Krankenhauses nicht unerlässlich)
971 Ausbildung
972 Forschung und Lehre
973 - 979 frei
Kostenstellenrahmen für die Kosten- und Leistungsrechnung
98 Ausgliederungen
980 Ambulanzen
981 Hilfs- und Nebenbetriebe
982 - 989 frei
99 frei
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04. Wie werden Kosten den Kostenstellen zugeordnet?

Die Zuordnung der Kosten auf die Kostenstellen sollte, wenn immer möglich, als Einzelkosten erfolgen. Hierfür wird jeder Beleg für sich genommen und danach kontrolliert, welcher Kostenstelle er ohne Teilung zugeordnet werden kann.

05. Welche Aufgabe hat der Betriebsabrechnungsbogen (BAB)?

Der BAB ist eine tabellarische Form der Kostenstellenrechnung. Er wird monatlich oder jährlich erstellt. In den Zeilen sind die Kostenarten und in den Spalten die Kostenstellen dargestellt. Die Kostenarten werden auf die Kostenstellen verteilt. Links stehen die Hilfskostenstellen, welche auf die Nebenkosten und Hauptkostenstellen verrechnet werden.

Im BAB werden zuerst alle Kosten als Einzelkosten den Kostenstellen zugeordnet. Danach werden die Kosten der vorgelagerten Kostenstellen als Gemeinkosten, nach Belegen oder nach geeigneten Verteilungsschlüsseln, auf die nachgeordneten Kostenstellen verrechnet.

Anschließend erfolgt die Berechnung der Zuschlagssätze als Grundlage für die Kostenträgerstück- bzw. Kostenträgerzeitrechnung.

06. Wie ist der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) als Hilfsmittel der Kostenstellenrechnung aufgebaut?

Die inhaltlichen und rechnerischen Zusammenhänge werden anhand eines vereinfachten BAB dargestellt (die im BAB eingezeichneten Pfeile verdeutlichen die Berechnung des Zahlenmaterials):

Beispiel

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Einfache Verrechnung der Vorkostenstellen auf die Hauptkostenstellen:

Vorkostenstellen:

► Küche:1.740.000 €
► Verwaltung:369.500 €

Hauptkostenstellen:

► Innere:3.420.200 €
► Chirurgie:2.689.800 €
► Gynäkologie:1.500.000 €
  1. Die Kosten der Vorkostenstelle Küche sollen nach dem Schlüssel „Beköstigungstage (BT)“ auf die Hauptkostenstellen verteilt werden.

    ► Innere:11.600 BT
    ► Chirurgie:7.400 BT
    ► Gynäkologie:11.000 BT
  2. Die Kosten der Vorkostenstelle Verwaltung sollen nach dem Schlüssel „Anzahl Mitarbeiter“ auf die Hauptkostenstellen verteilt werden.

    ► Innere:93 Mitarbeiter
    ► Chirurgie:85 Mitarbeiter
    ► Gynäkologie:72 Mitarbeiter
  3. Durch Division wird ein Verrechnungspreis (Kostenträger) errechnet. In diesem Fall sind dies die Kosten je Berechnungstag je Fachabteilung.

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MA = Mitarbeiter, BT = Berechnungstag

Beispiel

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Berechnung Schlüsselung der BT:

a)

30.0000 BT = 100 %, 11.600 BT INN = 38,66666 % (11.600 : 30.000 • 100)

b)

1.740.000 € = 100 %, 38,67 % = 672.800 € (1.740.000 • 0,3866666)

07. Wie können Kostenstellen ergebnisorientiert gesteuert werden?

Zur Verantwortung eines Leitungsbereiches (mehrere Kostenstellen) gehört in der Regel, dass der Stelleninhaber für die Kosten desselben verantwortlich zeichnet. Oftmals ist dies so geregelt, dass z. B. einer Organisationseinheit (Abteilung) ein bestimmter Kostenrahmen (= Budget) zugewiesen wird; die Leitung ist dann gehalten, diesen Kostenrahmen nicht zu überschreiten. Die Kosten sind dabei nach Kostenarten (Personalkosten, Sachkosten, Umlagen) gegliedert.

Die Unternehmensleitung steuert die Abteilungen, die keine Erlöse am Markt erzielen (Reinigung, Verwaltung), nach dem sog. Costcenter-Prinzip. Das Costcenter-Prinzip hat erhebliche Nachteile: Es besteht kein Anreiz, die Kosten zu unterschreiten; außerdem geht der Zusammenhang zwischen den Kosten und den zu erbringenden Leistungen (z. B. gereinigte Flächen in m², erstellte Rechnungen) der Abteilung verloren. Daher wird das Costcenter immer auch eine Leistungsvorgabe (z. B.: Kosten in Euro je gereinigten m²) benötigen. Es kann eine dann bestimmte Leistungsmenge zu minimalen Kosten erstellt werden.

Um diese Nachteile zu vermeiden, werden Organisationseinheiten, welche die marktfähigen Leistungen (Kostenträger/Produkte) erbringen, als geschlossene Einheit zusammengefasst, die nur über eine Ergebnissteuerung geführt werden. Dies ist das „Profit-Center-Prinzip“. Der Leiter eines Profitcenters ist der Geschäftsführung nur noch hinsichtlich des erwirtschafteten Ergebnisses verantwortlich. Hierdurch wird wieder ein Zusammenhang zwischen den Kosten und der Leistung hergestellt. Ein echtes Profit-Center hat eine eigene Beschaffungs- und Produktions- sowie eine eigene Verkaufs- bzw. Vertriebsorganisation.

Das angestrebte Ergebnis wird im Wege der Zielvorgabe oder der Zielvereinbarung (dieses Instrument ist verankert im Führungsprinzip Management by Objectives) festgeschrieben. Der Gewinn, sprich „Profit“, ist der Saldo von „Leistungen - Kosten“ bzw. „Umsatz - Kosten“. Als Zielgröße eines Profit-Center bieten sich jedoch der Deckungsbeitrag (Erlöse minus variable kosten) nach Abzug der fixen Einzelkosten an.