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Hauptfunktionen des Industriebetriebes

01. Welche betrieblichen Funktionen werden unterschieden?

Der in der Betriebswirtschaftslehre verwendete Begriff „Funktion“ bezeichnet die Betätigungsweise und die Leistung von Organen eines Unternehmens.

Man unterscheidet im Wesentlichen folgende betriebliche Grundfunktionen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Leitung

  • Materialwirtschaft

  • Produktionswirtschaft

  • Finanzwirtschaft

  • Absatzwirtschaft

  • Logistik

  • Personalwirtschaft

  • Rechnungswesen

  • Controlling

  • Forschung/Entwicklung

  • Technische Information/EDV.

02. Welche charakteristischen Merkmale weisen die betrieblichen Hauptfunktionen auf und welchen Beitrag zur Wertschöpfung haben sie zu leisten?

Leitung

Die Leitung eines Unternehmens gehört mit zu den dispositiven Produktionsfaktoren. Die begriffliche Verwendung ist unterschiedlich:

  • Leitung = Begriff der Organisationslehre; bezeichnet das oberste Weisungsorgan eines Unternehmens = Tätigkeitsbegriff = Führung des Unternehmens; synonym mit dem Begriff „Unternehmensführung

  • Unter Führung versteht man das zielgerichtete Steuern, Beeinflussen und Lenken von Menschen oder Systemen.

  • Unternehmensführung bezeichnet damit die Gesamtheit aller Handlungen zur „zielorientierten Gestaltung und Steuerung eines sozio-technischen Systems“.

  • Management ist ein anglo-amerikanischer Begriff und wird meist synonym im Sinne „Unternehmensleitung/-führung“ verwendet.

Materialwirtschaft (Beschaffung und Lagerhaltung)

Als Beschaffung im weiteren Sinne bezeichnet man alle betrieblichen Tätigkeiten, die die Besorgung von Produktionsfaktoren und Finanzmitteln zum Ziel haben, um den betrieblichen Zweck bestmöglich zu erfüllen.

Als Beschaffung im engeren Sinne bezeichnet man den Einkauf von Werkstoffen und Betriebsmitteln. Umfassender ist der Begriff (die Funktion) Materialwirtschaft. Er schließt die Lagerhaltung und -überwachung mit ein.

Die Funktionen des Lagers sind: Puffer-, Ausgleichs-, Sicherungs- und Spekulationsfunktion. Es gibt folgende Lagerarten: Eingangs-, Zwischen- und Ausgangslager.

Produktionswirtschaft

Die Produktionswirtschaft ist bei den Industriebetrieben die Kernfunktion der Leistungserstellung. Zwischen Produktion und Fertigung besteht folgender Unterschied:

  • Produktion umfasst alle Arten der betrieblichen Leistungserstellung. Produktion erstreckt sich somit auf die betriebliche Erstellung von materiellen (Sachgüter/Energie) und immateriellen Gütern (Dienstleistungen/Rechte).

  • Fertigung i. S. von Herstellung meint nur die Seite der industriellen Leistungserstellung, d. h. der materiellen, absatzreifen Güter und Eigenerzeugnisse.

Forschung und Entwicklung

Die Forschung und Entwicklung ist eng mit der Produktionsfunktion verbunden. Sie hat die Aufgabe, bestehende Produkte zu pflegen und weiter zu entwickeln (Serienbetreuung) sowie neue Produkte zu schaffen (Neuentwicklung). Diese Funktion ist erforderlich, weil die Mehrzahl der Produkte eine begrenzte Lebensdauer am Markt hat (Produktlebenszyklus) und bereits lange vor dem Auslaufen bestehender Produkte Nachfolger entwickelt werden müssen, um die zukünftige Ertragssituation des Unternehmens zu gewährleisten.

Streng genommen sind Forschung und Entwicklung zwei Teilfunktionen. Sie sind eng miteinander verknüpft. In der Praxis werden jedoch nur Großunternehmen über eine Forschung im Sinne von Grundlagenforschung verfügen.

Entwicklungsstufen: Muster → Prototyp → Nullserie → Serie → Weiterentwicklung der Serie

Absatzwirtschaft

Zwischen den Begriffen Marketing und Absatz(wirtschaft) bestehen folgende Unterschiede:

  • Absatzwirtschaft ist der ältere Begriff und bezeichnet die betriebliche Grundfunktion, durch den Verkauf der Produkte und Dienstleistungen am Markt einen angemessenen Kapitalrückfluss zur Entlohnung der Produktionsfaktoren zu erhalten. Mit der Ergänzung „-wirtschaft“ wird abgehoben auf einen Bereich als organisatorische Einheit eines Unternehmens.

  • Die Verwendung des Begriffs Marketing stellt ab auf einen grundlegenden Wandel in der Unternehmensführung: Von der früher vorherrschenden Produktionsorientierung hin zur heute notwendigen Marktorientierung. Im Mittelpunkt des Marketings der Anfänge stand zunächst das Produkt und nicht der Kunde, d. h. die Erfordernisse und Bedürfnisse des Marktes besaßen eine zweitrangige Bedeutung. Dieses Selbstverständnis hat sich seit dem Ende der siebziger Jahre als Folge langfristiger Strukturverschiebungen (globaler, intensiver Wettbewerb, gesättigte Märkte, Information als neuer Elementarfaktor) grundlegend gewandelt. Hatte das Marketing bis dahin die Initiative zum Geschäftsabschluss weitgehend dem Kunden überlassen (Verkäufermarkt), so ist nun eine Marketingphilosophie erforderlich, deren Zielsetzung es ist, einerseits möglichst viele Kunden zu gewinnen und andererseits gewonnene Kundenbeziehungen zu sichern (Käufermarkt). Der eingeleitete Wechsel vom Verkäuferzum Käufermarkt wurde und wird von staatlicher Seite durch eine Abschaffung der weitgehenden Sonderstellungen einzelner Branchen (z. B. Privatisierung der Telekom; Liberalisierung der Strommärkte) begleitet.

    Marketing ist (nach Meffert) die bewusst marktorientierte Führung des gesamten Unternehmens, die sich in Planung, Koordination und Kontrolle aller auf die aktuellen und potenziellen Märkte ausgerichteten Unternehmensaktivitäten niederschlägt.

Man unterscheidet folgende absatzpolitischen Instrumente:

  • Produktpolitik

  • Distributionspolitik

  • Kommunikationspolitik

  • Preispolitik.

Personalwirtschaft

Alle Aufgaben, die (direkt oder indirekt) mit der Betreuung und Verwaltung des Produktionsfaktors Arbeit anfallen, werden mit Begriffen wie Personalarbeit, Personalwirtschaft, Personalmanagement, Personalwesen, Human Resource Management (HRM) usw. umschrieben.

Rechnungswesen

Das Rechnungswesen (RW) eines Betriebes erfasst und überwacht sämtliche Mengen- und Wertbewegungen zwischen dem Betrieb und seiner Umwelt sowie innerhalb des Betriebes. Nach deren Aufbereitung liefert es Daten, die als Entscheidungsgrundlage für die operative Planung dienen. Neben diesen betriebsinternen Aufgaben hat das RW externe Aufgaben: Aufgrund gesetzlicher Vorschriften dient das RW als externes Informationsinstrument, mit dem die Informationsansprüche der Öffentlichkeit (z. B. Gläubiger, Aktionäre, Finanzamt) befriedigt werden können. Das Rechnungswesen gliedert sich in zwei Teile:

  • Der pagatorische Teil (pagatorisch = auf Zahlungsvorgängen beruhend) umfasst die Bilanz und die Erfolgsrechnung,

  • der kalkulatorische Teil umfasst die Kosten- und Leistungsrechnung.

Controlling

Der Begriff Controlling stammt aus dem Amerikanischen („to control“) und bedeutet so viel wie „Unternehmenssteuerung“. Controlling ist also mehr als der deutsche Begriff Kontrolle. Zum Controlling gehört, über alles informiert zu sein, was zur Zielerreichung und Steuerung des Unternehmens wesentlich ist.

Controlling wird heute als Prozess begriffen:

Unternehmensteuerung ist nur dann möglich, wenn klare Ziele existieren. Zielfestlegungen machen nur dann Sinn, wenn Abweichungsanalysen (Soll-Ist-Vergleiche) erfolgen. Die aus der Kontrolle ggf. resultierenden Abweichungen müssen die Grundlage für entsprechende Korrekturmaßnahmen sein.

Controlling als Instrument der Unternehmensteuerung ist damit ein Regelkreis mit den untereinander vernetzten Elementen der Planung, Durchführung, Kontrolle und Steuerung.

Finanzierung und Investition

Finanzierung umfasst alle Maßnahmen der Mittelbeschaffung und Mittelrückzahlung. Sie ist unbedingte Voraussetzung für Investitionen in Sachgüter zur Leistungserstellung (Anlagen, Vorräte, Fremdleistungen) oder für Finanzinvestitionen in Form von Beteiligungen. Auch die immaterielle Investition darf nicht vergessen werden, zu der Forschung und Entwicklung, Werbung und Ausbildung zählen. Sie ist auf der Passivseite der Bilanz unter dem Begriff Kapitelherkunft zu finden. Man unterscheidet vor allem Außen- und Innenfinanzierung.

Demzufolge befindet sich die Investition auf der Aktivseite der Bilanz, im Anlage- und im Umlaufvermögen, wofür in der Literatur auch der Begriff Kapitalverwendung benutzt wird.

Logistik

Eine der wichtigen Aufgaben in einem Unternehmen ist die reibungslose Gestaltung des Material-, Wert- und Informationsflusses, um den betrieblichen Leistungsprozess optimal realisieren zu können. Die Umschreibung des Begriffs Logistik ist in der Literatur uneinheitlich: Ältere Auffassungen sehen den Schwerpunkt dieser Funktion im Transportwesen – insbesondere in der Beförderung von Produkten und Leistungen zum Kunden (= reine Distributionslogistik). Die Tendenz geht heute verstärkt zu einem umfassenden Logistikbegriff, der folgende Elemente miteinander verbindet – und zwar nicht als Aneinanderreihung von Maßnahmen/Instrumenten sondern als ein in sich geschlossenes logisches Konzept:

  • Objekte (Produkte/Leistungen, Personen, Energie, Informationen)

  • Mengen, Orte, Zeitpunkte

  • Kosten, Qualitätsstandards.

Logistik ist daher die Vernetzung von planerischen und ausführenden Maßnahmen und Instrumenten, um den Material-, Wert- und Informationsfluss im Rahmen der betrieblichen Leistungserstellung zu gewährleisten. Dieser Prozess stellt eine eigene betriebliche Funktion dar.

Technische Information/Kommunikation und EDV-Informationstechnologien und -management

Die Optimierung der Informationsgewinnung und -verarbeitung als Grundlage ausgewogener unternehmerischer Entscheidungen hat sich heute zu einer eigenständigen betrieblichen Funktion entwickelt. Die Gründe dafür sind bekannt und z. B. in folgenden Entwicklungen zu sehen:

  • rasant wachsende Entwicklung der Kommunikationstechniken (Internet, Intranet)

  • unehmende Globalisierung und Abhängigkeit der Güter- und Geldmärkte

  • Verdichtung von Raum und Zeit.

Von daher bestimmt die Rechtzeitigkeit und die Qualität der erforderlichen Informationen wesentlich mit über den Erfolg eines Unternehmens. „Insellösungen“ sind überholt – verlangt wird ein Informationsmanagement.

03. Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen den Hauptfunktionen des Unternehmens?

Beispiel

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  • Die Leitung benötigt für ihre strategischen und operativen Entscheidungen die notwendigen Informationen von allen anderen Bereichen.

  • Die Produktion basiert wesentlich auf den Daten des erwarteten Absatzes und muss demzufolge ihre Ressourcen entsprechend planen (Personal, Betriebsmittel, Betriebsstoffe).

  • Die Finanzierung muss rechtzeitig die erforderlichen Mittel bereitstellen, damit notwendige Investitionen getätigt werden können.

  • Der Absatz muss die gefertigten Güter am Markt veräußern damit die notwendigen Geldmittel in das Unternehmen zurückfließen.