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Unterschiedliche Erscheinungsformen sozialen Verhaltens und ihre Auswirkungen auf das Betriebsklima

01. Was bezeichnet man als Betriebsklima?

Das Betriebsklima ist Ausdruck für die soziale Atmosphäre, die von den Mitarbeitern empfunden wird. Das Betriebsklima umfasst Faktoren, die mit der sozialen Struktur eines Betriebes zu tun haben, also zum Teil auch „außerhalb“ des arbeitenden Menschen liegen, jedoch auf ihn einwirken, aber auch von ihm z. T. wiederum beeinflusst werden.

Faktoren des Betriebsklimas sind u. a.:

eine gute Betriebsorganisation, die Kommunikation der Mitarbeiter mit ihren Vorgesetzten und der Mitarbeiter untereinander; ferner Möglichkeiten der Mitbestimmung, direkte und indirekte Anerkennung, Gruppenbeziehungen, die Art der erlebten Führung durch den Vorgesetzten, letztendlich auch der Ton – wie man miteinander umgeht.

Ein schlechtes Betriebsklima kann zahlreiche negative Konsequenzen haben, z. B.:

  • Sinken der Leistung/der Produktivität

  • Häufung von Fehlern (abnehmende Qualität)

  • Erhöhung von Fehlzeiten und Krankenstand

  • Anzahl und Bedeutung von Konflikten nimmt zu.

02. Was bezeichnet man als soziales Verhalten?

Das Sozialverhalten ist die Reaktion eines Menschen auf die Aktion eines anderen, die dann bei diesem wiederum zu einer Reaktion führt usw. Dabei agieren und reagieren Menschen über unterschiedliche Möglichkeiten (z. B. Sprache, Gesten, Gesichtsausdruck).

Beispiel

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Mitarbeiter:„Finde ich gar nicht gut, wenn Huber mit seinem Material ständig den Durchgang versperrt.“(Aktion)
Meister:„Gut, das Sie das ansprechen. Ich werde mit Huber reden.“(Reaktion 1)
Mitarbeiter:„Wollen wir hoffen, dass das etwas nützt.“(Reaktion 2)

03. Welche Maßnahmen kann der Vorgesetzte zur Verbesserung des Sozialverhaltens der Mitarbeiter umsetzen?

Dazu einige Beispiele:

  1. Antipathie/Sympathie:

    Antipathie als Abneigung von Personen oder gegen bestimmte Verhaltensweisen ist ein Grundtatbestand menschlichen Lebens. In einer Reihe von Fällen beruht Antipathie auf mangelnder Kenntnis über den anderen (Antipathie als Ausdruck von Angst). Hier kann der Meister durch die Verstärkung von Kontakten helfen (man lernt sich kennen, man kann den anderen besser einschätzen und erkennt ggf. auch sympathische Seiten beim anderen).

    Nicht jeder Mitarbeiter kann und muss dem anderen sympathisch sein. Trotzdem lässt sich in vielen Fällen eine Basis für eine effiziente Zusammenarbeit finden: Der Meister kann hier Hilfestellung für den Umgang miteinander geben; Kontrakte/Vereinbarungen schließen, sich trotz aller Unterschiede respektieren, sich in die „Schuhe des anderen stellen“.

  2. Aggression

    ist eine Verhaltensweise, die auf die Verletzung (körperlich und/oder seelisch) des anderen zielt. Aggression kann auf Frustration und/oder anlagebedingter Aggressivität beruhen.

    Zum Teil hat der Meister die Möglichkeit, die Ursachen mit den Beteiligten aufzuarbeiten, die Folgen aggressiven Verhaltens erkennen zu lassen und eine Verhaltensänderung über Einsicht zu erreichen.

  3. Mobbing:

    Der Begriff Mobbing, der sich von dem englischen Wort to mob = pöbeln, sich auf jemand stürzen, ableitet, ist die heute gebräuchliche Umschreibung eines Zustandes, der in vielen Betrieben festzustellen ist: Einzelne Mitarbeiter werden von Kollegen oder Vorgesetzten systematisch verfolgt, schikaniert, ausgegrenzt; Tricks, Intrigen und Gemeinheiten vergiften das Arbeitsleben. Mobbing umschreibt eine negative kommunikative Handlung gegen eine Person über einen längeren Zeitraum, die von einer oder mehreren Personen ausgeht.

    Mobbing ist in fünf Spielarten anzutreffen:

    • Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen: mündliche und schriftliche Drohungen, ständige Unterbrechungen des Opfers, ständige Kritik an der Arbeit oder am Privatleben

    • Angriffe auf soziale Beziehungen: das Opfer wird nicht mehr angesprochen oder wie Luft behandelt, die Kollegen lassen sich nicht ansprechen

    • Schädigung des sozialen Ansehens: Gerüchte werden verbreitet, das Opfer wird lächerlich gemacht oder verdächtigt, psychisch krank zu sein; seine Entscheidungen werden infrage gestellt, er wird belästigt

    • Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation: das Opfer bekommt gar keine, sinnlose oder seine Qualifikation übersteigende Aufgaben

    • Angriffe auf die Gesundheit: Androhung körperlicher Gewalt am Arbeitsplatz.

Wer den täglichen Kränkungen und Gemeinheiten längere Zeit ausgesetzt ist, wird oft seelisch krank und kann die erwarteten Leistungen nicht mehr erbringen. Sobald der Meister Kenntnis über zwischenmenschliche Probleme seiner Mitarbeiter erfährt, sollte er diese ernst nehmen und der Sache auf den Grund gehen. Wegzuhören und zu erwarten, dass die Mitarbeiter diese Sache unter sich ausmachen, führt meist zu sinkenden Leistungen, weil immer mehr Mitarbeiter in diese Mobbing-Probleme verwickelt werden und sich dann psychosomatische Stresssymptome, wie Niedergeschlagenheit, Schlafprobleme, Migräne oder Magenbeschwerden häufen. Die Ursachen für Mobbing sind im Wesentlichen in der Organisation, der Aufgabengestaltung und der Leitung der Arbeit begründet; in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erhöht sich die Anfälligkeit für Mobbing dann, wenn Arbeitsplätze in Gefahr sind, weil der Kleinkrieg am Arbeitsplatz zunimmt.

04. Mit welchen Maßnahmen kann der Vorgesetzte selbst zu einer Verbesserung des Betriebsklimas beitragen?

Geeignete Maßnahmen, z. B.: Mitarbeiter zeitnah und aufgabenbezogen informieren, Gleichbehandlungsgrundsatz beachten, Konflikte ausgewogen bearbeiten, gute Leistungen anerkennen, Zusammenhalt und Kollegialität unterstützen, Mitarbeiterpotenziale erkennen und fördern, die Belange der Mitarbeiter berücksichtigen – soweit sachlich vertretbar.