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Volkswirtschaftliche Grundlagen > Konjunktur und Wirtschaftswachstum:

Ziele der Stabilitätspolitik

WebinarTerminankündigung aus unserem Online-Kurs Deskriptive Statistik:
 Am 26.01.2017 (ab 18:00 Uhr) findet unser nächstes Webinar statt.
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01. Was bezeichnet man als Konjunktur?

Unter Konjunktur versteht man das Phänomen mehrjähriger und in gewisser Regelmäßigkeit auftretender Wechsellagen, denen das gesamte nationale und internationale Wirtschaftsleben in Form expansiver und kontraktiver Prozesse unterworfen ist. Die Bezeichnung Konjunktur ist der Oberbegriff für die verschiedenen Konjunkturphasen: Aufschwung, Hochkonjunktur, Abschwung (Rezession) und Depression. Diese vier Phasen bilden einen Konjunkturzyklus.

02. Wie können die einzelnen Konjunkturphasen charakterisiert werden?

Ein Konjunkturzyklus besteht aus vier Phasen: Krise (untere Wende), die als Rezession oder – bei starkem Nachfragerückgang – auch als Depression bezeichnet wird, Aufschwung, Hochkonjunktur oder Boom (obere Wende) und Abschwung.

  • Der Aufschwung (Expansionsphase) ist durch ein stärkeres Wachstum des BIP, eine Zunahme der Auslastung der Produktionsanlagen, einer Abnahme der Arbeitslosigkeit charakterisiert. In dieser Phase investieren die Unternehmen verstärkt und die Kaufneigung der Konsumenten nimmt zu.

  • Die Hochkonjunktur (Boom) ist durch ein schnelles und hohes Wachstum des BIP charakterisiert. Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Es herrscht Voll- oder sogar Überbeschäftigung mit Preis- und Lohnsteigerungen und hohen Gewinnen. Die weiter zunehmende Nachfrage wird durch zusätzliche Investitionen befriedigt.

  • Die Abschwungphase (Rezessionsphase) ist durch ein Absinken der Wachstumsrate des BIP, einen Abbau des Nachfrageüberhangs, den Auslastungsrückgang der Produktionsanlagen charakterisiert. Investitionen und Gewinne sind rückläufig.

  • Die Depression (Krise) zeichnet sich durch ein weiter rückläufiges Wachstum des BIP aus. Das Angebot übersteigt die Nachfrage.

    Dies führt zu geringerer Auslastung der Produktionsanlagen, hoher Arbeitslosigkeit, nachlassender Investitionstätigkeit und einem Rückgang des Preisauftriebs. Die wirtschaftliche Zuversicht der Konsumenten und Produzenten ist gering.

Typischer Konjunkturverlauf

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03. Was bezeichnet man als Wachstum?

Wachstum (insbes. Wirtschaftswachstum) ist die Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts von einer Periode zur nächsten.

Mithilfe des Wachstums sollen folgende Ziele erreicht werden:

  • Hebung des Wohlstands der Bevölkerung

  • eine bessere soziale Absicherung

  • höhere Staatseinnahmen als Folge eines höheren Pro-Kopf-Einkommens, die zur Verbesserung der Infrastruktur und zur besseren Befriedigung der Kollektivbedürfnisse führen

  • die Förderung technologischer Neuerungen. Diese erfordern ständig strukturelle Anpassungen, die bei hohen Wachstumsraten des realen Pro-Kopf-Einkommens leichter erfolgen können als bei schrumpfenden oder stagnierenden Wachstumsraten, denn nur in Wachstumsbranchen entsteht ein Bedarf für neue Arbeitskräfte

  • eine bessere Lösung der Verteilungsprobleme, die bei einem hohen Wachstum besser realisiert werden können.

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Mäßiges Wachstum in Deutschland

Das Wachstum in Deutschland betrug in 2014 real 1,6 % und soll sich 2015/16 in etwa gleicher Höhe fortsetzen. Der Anstieg der Verbraucherpreise ist derzeit gering. Die Zahl der Arbeitslosen ist leicht gesunken.

04. Was sind die Ziele der Wirtschaftspolitik?

Im sog. Stabilitätsgesetz von 1967 hat die Bundesregierung Ziele gesetzt, die im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig realisiert werden sollten:

  • ein stetiges, langfristiges und angemessenes Wachstum ,

  • Vollbeschäftigung,

  • ein langfristig konstantes Preisniveau und

  • außenwirtschaftliches Gleichgewicht .

Magisches Viereck

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Diese gesetzlich fixierten Ziele (=  Magisches Viereck ) sind durch weitere Ziele ergänzt worden, insbesondere durch das Ziel einer gerechten Einkommens- und Vermögensverteilung und den Umweltschutz (=  Magisches Sechseck ).

Magisches Sechseck

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05. Wie werden die Zielgrößen des Stabilitätsgesetzes (Magisches Viereck) gemessen?

Magisches Viereck – Messgrößen
Vollbeschäftigung Das Ziel der Vollbeschäftigung wird in der Bundesrepublik Deutschland als erreicht angesehen, wenn die Arbeitslosenquote rd. 1 – 2 % beträgt. Der Beschäftigungsstand wird über zwei Größen gemessen:
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) berechnet die
Arbeitslosenquote =  Zahl der registrierten ArbeitslosenZahl der (zivilen) Erwerbspersonen  • 100
Das Statistische Bundesamt ermittelt die Erwerbslosenquote nach den Kriterien der International Labour Organization (ILO). Die nach den ILO-Kriterien ermittelte Größe ist deutlich niedriger.
Erwerbslosenquote =  ErwerbsloseZahl der (zivilen) Erwerbspersonen  • 100
Wachstum Indikator für das Wirtschaftswachstum ist die jährliche Zuwachsrate des realen Bruttoinlandsprodukts . Das Stabilitätsgesetzt stellt zwei Anforderungen an das Wirtschaftswachstum:
Stetigkeit des Wirtschaftswachstums bedeutet ein störungsfreies und kontinuierliches Wachstum ohne größere Schwankungen.
Als „ angemessen “ gilt eine jährliche durchschnittliche Steigerung des realen BIP von 3 – 5 % .
Preisniveaustabilität Zur Messung der Preisentwicklung werden unterschiedliche Preisindizes verwendet. Der deutsche Verbraucherpreisindex (VPi) wird vom Statistischen Bundesamt ermittelt. Das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaft (Eurostat) berechnet den sog. harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI).
Ziel der Stabilitätspolitik in Deutschland ist eine Preissteigerungsrate von unter, aber nahe bei 2 % .
Inflationsrate Inflationsrate =  VPi lfd. Monat – VPi VorjahresmonatVPi Vorjahresmonat  • 100
Außenwirtschaftliches Gleichgewicht Als Messgröße für das außenwirtschaftliche Gleichgewicht wird in Deutschland der Außenbeitrag verwendet; vgl. nächste Seite: schematische Gliederung der Zahlungsbilanz.
Der Außenbeitrag ergibt sich aus den Salden von Handels- und Dienstleistungsbilanz.

Vereinfacht: Verkäufe an das Ausland erfolgen in Form von Exporten, Einkäufe aus dem Ausland werden als Importe bezeichnet. Der Saldo zwischen Exporten und Importen heißt Außenbeitrag . Er ist positiv bei einem Exportüberschuss und negativ bei einem Importüberschuss.
Da die deutsche Übertragungsbilanz im Regelfall passiv ist, soll der Außenbeitrag so hoch sein, dass das Defizit der Übertragungsbilanz ausgeglichen wird. Mit anderen Worten: Das Ziel „außenwirtschaftliches Gleichgewicht“ wird als erreicht betrachtet, wenn die Leistungsbilanz ausgeglichen ist .

Die Zahlungsbilanz gliedert sich in folgende Teilbilanzen (Achtung: neue Methodik):

Leistungsbilanz
  • Warenhandel
  • Dienstleistungen
  • Primäreinkommen
  • Sekundäreinkommen
+ Vermögensänderungsbilanz
  • nicht produzierte Sachvermögen
  • Vermögensübertragungen
+ Restposten = Kapitalbilanz
  • Direktinvestitionen
  • Wertpapieranlagen
  • Finanzderivate
  • übriger Kapitalverkehr
  • Währungsreserven
Quelle: eigene Darstellung nach: Globus, Stand: Juli 2015
Deutschlands Außenhandel
(in Mrd. €)
Jahr Exporte (gesamt) Importe (gesamt) Außenbeitrag
2008 735,6 693,1 42,5
2009 918,0 804,7 113,3
2010 1.046,5 920,1 126,4
2011 1.070,0 902,2 170,8
2012 1.096,0 905,9 190,1
2013 1.093,0 898,2 194,8
2014 1.133,5 916,6 216,9

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06. Inwieweit konnten die Ziele des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes in den letzten Jahren realisiert werden?

Analysieren Sie dazu bitte die nachfolgende Abbildung:

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Lösungsvorschlag zu Frage 06:

Die wichtigsten Ziele der deutschen Wirtschaftspolitik sind vor mehr als vier Jahrzehnten gesetzlich verankert worden. Sie heißen: angemessenes Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung, Preisstabilität und außenwirtschaftliches Gleichgewicht. So steht es im sogenannten Stabilitätsgesetz (oder genauer: dem Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft) aus dem Jahr 1967. Diese vier Ziele gleichzeitig zu erreichen, gleicht einer Quadratur des Kreises und erfordert wohl magische Fähigkeiten (deswegen auch die Bezeichnung „magisches Viereck“).

  • Das Wachstum soll angemessen sein (real 3 – 5 %). Dieses Ziel wurde 2013/14 nicht erreicht: Wachstum von 0,7 – 0,4 % in den Jahren 2012/2013.

  • Die Leistungsbilanz soll ausgeglichen sein. Dieses Ziel wurde nicht erreicht . Deutschland erwirtschaftete in den zurückliegenden Jahren einen hohen Exportüberschuss.

  • Die Preissteigerung soll nahe 2 % liegen. Dieses Ziel wurde nicht erreicht . Geringe Preissteigerung von 1,5 % in 2013 mit sinkender Tendenz.

  • Vollbeschäftigung ist bei einer Arbeitslosenquote von 1 – 2 % erreicht. Dieses Ziel wurde nicht erreicht . Die Arbeitslosenquote liegt bei ca. 5 %.

07. Welche Zielbeziehungen können zwischen den wirtschaftspolitischen Globalzielen bestehen?

Grundsätzlich sind folgende Zielbeziehungen denkbar:

Zielbeziehungen im Magischen Viereck
Identität Die Ziele sind gleich.
Komplementarität Die Ziele ergänzen sich.
Neutralität Die Ziele beeinflussen einander nicht.
Konflikt Die Ziele beeinflussen sich wechselseitig.
Antinomie Die Ziele stehen im Widerspruch zueinander.

Obwohl nach dem Stabilitätsgesetz die wirtschaftspolitischen Globalziele gleichrangig angestrebt werden sollen, zeigt die Praxis nicht selten Unvereinbarkeiten: Es kommt beim Einsatz von Maßnahmen zur Erreichung eines bestimmten Zieles zu unerwünschten Nebenwirkungen bei einem (oder mehreren) anderen Ziel(en).

Mögliche Zielkonflikte:

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