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Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen - Entwicklung des Sozialverhaltens

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Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen

Entwicklung des Sozialverhaltens

01. Welche Bereiche und Phasen menschlicher Entwicklung haben Einfluss auf das Sozialverhalten?

Menschen entwickeln sich im Laufe ihres Lebens. Diese Entwicklung vollzieht sich in mehreren Bereichen:

Organischer Bereich → Entwicklung der Organe und der Körperfunktionen
Bereich des Wissens → Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten
Bereich der Fähigkeiten zur Handhabung
von Werkzeugen, Maschinen usw.
→ Psychomotorik
Bereich des Verhaltens → Affektiver Bereich

Für die Entwicklung des Verhaltens, speziell des Sozialverhaltens , sind folgende Fragen von Bedeutung :

  • Wie setzt sich jemand mit seiner Umwelt auseinander?

  • Welche Normen übernimmt er, welche lehnt er ab?

  • Ist er in der Lage, Verhaltensmuster zu entwickeln, die ihn in Einklang mit anderen bringen, ohne dass er dabei seine berechtigten Wünsche ständig zurückstellt?

  • Ist er in der Lage, über sein Verhalten und das anderer nachzudenken (zu reflektieren), um dabei schrittweise zu – für ihn und andere – erfolgreichen Verhaltensmustern zu gelangen ( soziales Lernen )?

  • Phasen menschlicher Entwicklung:

    Der Mensch entwickelt sich permanent weiter – es ist ein kontinuierlicher Prozess. Nun haben sich Wissenschaften wie u. a. die Psychologie und die Soziologie darum bemüht, Erklärungsmodelle für menschliche Verhaltensweisen aufzustellen. Diese Modelle – es gibt davon eine ganze Reihe – haben den Vorteil, dass sie zum Verständnis beitragen. Sie ordnen und strukturieren menschliche Verhaltensmuster nach ver schiedenen Phänomenen . Die Beschäftigung mit solchen Modellen kann z. B. dem Vorgesetzten helfen, Ursachen für bestimmte Reaktionen besser zu verstehen.

    Ein derartiges Modell ist die Gliederung der menschlichen Entwicklung in verschiedene Phasen . Dabei orientiert man sich einerseits an unterschiedlichen Altersabschnitten und versucht diesen, in der Realität „nachgewiesene“ Verhaltensmuster zu zuordnen.

    Die nachfolgende Abbildung zeigt einen vereinfachten Ausschnitt aus diesem Phasenmodell, wie es von der Wissenschaft schrittweise verfeinert wurde:

    Phasenmodell der menschlichen Entwicklung
    EntwicklungsbereichePubertät:
    ca. 13 – 18 Jahre
    Heranwachsender:
    18 – 21 Jahre
    Erwachsener:
    21 – 40/50 Jahre
    Werteorientierung Kritik; Dinge infrage stellen; Wechsel von LeitbildernEntwicklung eigener Maßstäbe und LeitmotiveEigene Maßstäbe, Gewohnheiten und Erfahrungen
    Sozialverhalten Lösung von den Eltern; Suche nach neuer Gruppenzugehörigkeit; Geltungsbedürfnis; Drang nach Anerkennung und Bestätigung; gelegentlich: extrem und intolerantEntstehen eines eigenen Rollenverhaltens; Suche nach Freundschaft, Liebe und sozialen KontaktenStreben nach stabilen Sozialbindungen; hohe Bedeutung des Arbeitslebens und der Familie
    Körperliche Entwicklung Längenwachstum; Ausbildung der Geschlechtsreife; ungelenke Bewegungen; allmähliche Proportionierung der körperlichen GestaltAbschließende Entwicklung der nnenorganeBis zum 30. – 40. Lj.: Höhepunkt der Muskelkraft, danach: Abnahme der Muskelkraft und Nachlassen der Sinnesorgane
    Emotionaler Bereich Schwankende Gefühlswelt; instabile Emotionen; Drang nach ErlebnissenWachsende Selbstsicherheit; zunehmend emotionale StabilitätIm Allgemeinen emotional stabil und ausgewogen
    Gedächtnis Noch schwankend in der Sicherheit und Ausdauer; später zunehmende GedächtnisleistungAbschluss der FunktionssicherheitNachlassendes Lerntempo; nachlassendes Ultrakurzzeitgedächtnis; verstärkter Rückgriff auf das Langzeitgedächtnis und Erfahrungen

    Bei der Beschäftigung mit solchen Modellen muss man berücksichtigen, dass sie keine exakten Gesetzmäßigkeiten wie in den Naturwissenschaften darstellen, sondern Quasigesetze sind, die in einer Mehrzahl von Fällen zutreffen – jedoch nicht immer. Die menschliche Entwicklung ist komplex und eben nicht „einfach erklärbar“:

    • Der Einzelfall kann von den Grundzügen des Modells abweichen.

    • Es gibt „Früh- und Spätentwickler“.

    • Es existieren fördernde und hemmende Entwicklungsfaktoren.

    • Die Entwicklung der Geschlechter (Jungen/Mädchen) verläuft unterschiedlich (Jungen entwickeln sich meist zwei Jahre später als Mädchen).

02. Welche Bedeutung haben Anlagen und Umwelteinflüsse für die menschliche Entwicklung?

Die Frage „ ob die Anlagen oder die Umwelt für die Prägung eines Menschen verantwortlich sind “, wird häufig gestellt. Der Stand der Erkenntnis ist heute:

  • Beide Faktoren sind erforderlich und prägen die Entwicklung eines Menschen.

  • Nur wenn eine bestimmte Anlage vorhanden ist, kann sie sich überhaupt über die Umwelt ausprägen.

  • Auch eine noch so günstige Veranlagung kann sich nicht entwickeln (wird zu keinem Ergebnis führen), wenn sie nicht auf günstige Umweltbedingungen trifft.

Merke

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Sehr anschaulich wurde dieses Thema von Ralf Horn behandelt in: „Ausbildung der Ausbilder, Fernsehkurs im Medienverbund TR Verlagsunion 1973, Heft 5.“ Trotz der Jahreszahl „1973“ ist die Aussage nicht veraltet: Die nachfolgende Abbildung (nach Horn, Ralf) zeigt drei mögliche Fälle menschlicher Prägung durch Anlage und Umwelt (die Höhe der Gläser bedeutet die Anlage von Mensch 1 und Mensch 2):

Fall 1:

Eine günstige Umwelt sorgt dafür, dass sich die Anlagen voll entwickeln . Beide Gläser (Mensch 1 und Mensch 2) sind gefüllt. Der genetisch bedingte Unterschied bleibt bestehen.

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Fall 2:

Eine ungünstige Umwelt verhindert, dass sich die Anlagen voll entwickeln. Beide Gläser sind nur teilweise gefüllt. Der genetisch bedingte Unterschied bleibt bestehen – allerdings auf einem niedrigen Level.

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Fall 3:

Das erste Glas ist voll gefüllt; das zweite Glas ist nur wenig gefüllt. Das heißt: Ein Mensch mit geringeren Anlagen kann durchaus mehr leisten als jemand, dessen größere Anlagen sich nicht voll entwickeln konnten aufgrund einer ungünstigen Umwelt.

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03. Was ist Lernen? Was ist soziales Lernen?

  • Lernen ist jede Veränderung des Verhaltens und der Einstellung , die sich als Reaktion auf Reize der Umwelt ergibt.

    Beispiel

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    Das Kind verbrennt sich an der Herdplatte den Finger. Die Mutter erklärt, dass die Herdplatte heiß ist, wenn eine rote Lampe „Restwärme“ anzeigt. Das Kind ändert sein Verhalten: Es fasst nicht mehr an die Herdplatte, wenn die rote Lampe brennt.

  • Soziales Lernen ist die Aneignung von Verhaltensnormen und Wissensbeständen , die ein Mensch braucht, um in der Gesellschaft zu existieren.

    Beispiel

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    Ein Stadtmensch zieht in ein Dorf. Im Laufe der Zeit ändert er sein Verhalten in Bezug auf die Mitbewohner des Dorfes: Er gibt dem Drängen nach, doch endlich dem örtlichen Schützenverein beizutreten; er sorgt peinlich genau dafür, dass der Vorgarten gepflegt aussieht; jeden Freitag wird die Straße gekehrt usw. Dies wird von den Dorfbewohnern erwartet und belohnt mit einem freundlichen „Na, mal wieder fleißig!“

04. Welche Phasen des Lernprozesses sind beim sozialen Lernen zu berücksichtigen?

In der Lerntheorie kennt man zwei Grundrichtungen:

  1. Aneignung von Wissensinhalten:

    Lernen findet z. B. durch „Versuch und Irrtum“ statt; bekannt geworden sind hier die „4-Stufen-Methode des Lernens“ (vgl. AEVO) und die „6 Lernstufen nach H. Roth“.

  2. Aneignung von Werten und Verhaltensmustern:

    Im Bereich des sozialen Lernens, d. h. der Veränderung von Verhalten und Einstellungen eines Menschen, hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass Lernen die Folge von Konsequenzen ist . Dazu drei grundsätzliche Erkenntnisse:

    1. Der Mensch tut das, womit er Erfolg hat/was ihm angenehm ist.

      Mehrmaliger Erfolg führt also zu einer Stabilisierung des Verhaltens.

    2. Der Mensch vermeidet das, womit er Misserfolg hat/was ihm unangenehm ist.

      Mehrmaliger Misserfolg führt zu einer Änderung des Verhaltens.

    3. Erfolg ist das, was der einzelne Mensch als angenehm empfindet.

      Angenehm ist alles, was zur Befriedigung von Bedürfnissen führt (vgl. Maslow ).

Beispiel

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Aktion:Ein Mitarbeiter kommt häufiger zu spät zu einer Besprechung. Dieses Verhalten ist unerwünscht; es ist dem Mitarbeiter aber angenehm (hat keine Lust zur Besprechung).
Reaktion 1:Der Vorgesetzte unternimmt nichts. Folge: Der Mitarbeiter kommt weiterhin zu spät. Das unerwünschte Verhalten ist erfolgreich/wird als angenehm empfunden und stabilisiert sich daher.
Reaktion 2:Der Vorgesetzte kritisiert das Fehlverhalten des Mitarbeiters. Wenn nun
  1. pünktliches Erscheinen belohnt wird („ist angenehm“ → Stabilisierung) oder
  2. bei weiterem unpünktlichen Erscheinen eine „Strafe“ droht (erneute, aber scharfe Kritik o. Ä.; „ist unangenehm“ → Vermeidung/Misserfolg), so kann unerwünschtes Verhalten geändert werden.

Die nachfolgende Grafik veranschaulicht den Vorgang von Aktion, Reaktion 1 und Reaktion 2, Fall a) und Fall b):
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05. Was versteht man unter „Habitualisierung“?

Habitus bedeutet Gewohnheit . Mit Habitualisierung bezeichnet man also den Vorgang, dass ein bestimmtes Verhalten zur Gewohnheit wird; es wird verinnerlicht. Vorgesetzte müssen insbesondere die Qualifikationen verinnerlichen, die eine zentrale Bedeutung im Führungsprozess besitzen.