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Kosten- und Erlösrechnung - Gutschrift-Lastschrift-Verfahren

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Kosten- und Erlösrechnung

Gutschrift-Lastschrift-Verfahren

Beim Gutschrift-Lastschrift-Verfahren werden die HilfsKostenstellen in einem Schritt auf andere Hilfskostenstellen und die Hauptkostenstellen verrechnet. Die Verrechnungspreise müssen hierbei vorgegeben sein bzw. aus einem anderen – vorgelagerten – Verfahren entnommen werden.

Anders als beim Stufenleiterverfahren erfolgt hierbei kein Wegrechnen der Kosten der Hilfskostenstellen, vielmehr verrechnet jede Hilfskostenstelle wiederum (auch) an andere Hilfskostenstellen. Dadurch entsteht das Problem, dass schlussendlich ein bestimmter Betrag von noch nicht verrechneten Kosten bei den Hilfskostenstellen verbleibt. Diese werden dann in einem zweiten Schritt mit einem vorgegebenen Verhältnis auf die Endkostenstellen verrechnet. Das Ergebnis des Gutschrift-Lastschrift-Verfahrens ist deswegen auch unabhängig von der Reihenfolge der verrechneten Hilfskostenstellen. Wir halten die Vorgehensweise fest:

Das Gutschrift-Lastschrift-Verfahren
  1. Schreibe die primären Gemeinkosten der Kostenstellen auf.
  2. Lege die Verrechnungspreise fest.
  3. Berechne die Zahlungen der einzelnen Kostenstellen nach Maßgabe der Inanspruchnahme, multipliziert mit den Verrechnungspreisen aus 2. Schreibe bei der abgebenden Kostenstelle ein Minus-Zeichen (für Einzahlungen), bei den erhaltenden gibt das Plus-Zeichen Auszahlungen an.
  4. Berechne die Summe aus primären und sekundären Gemeinkosten (jeweils mit „+” gerechnet) und den Einzahlungen (mit „-” gerechnet). Man erhält
    1. noch zu verrechnende Kosten, wenn das Ergebnis positiv ist bzw
    2. Einzahlungen, welche die zu verrechnenden Kosten der anderen Hilfskostenstellen mindern, wenn das Ergebnis negativ ist.
  5. Verteile die Summe der Zahlen bei den Hilfskostenstellen auf die Hauptkostenstellen in dem vorher festgelegten Verhältnis.
  6. Man erhält die Summe der primären und sekundären Gemeinkosten der Hauptkostenstellen.

Ausgangstabelle

von/an I II III IV V ges. Menge Primärkosten (€)
I 20 10 70 100 1.000
II 10 10 40 20 80 1.500
III 10 20 70 100 2.000
IV 3.000
V 4.000

Gutschrift-Lastschrift-Verfahren Beispiel

Die Kostenstelle 1 liefert an die Stellen 2, 3 und 4 jeweils 20, 10 und 70 ME. Bewertet mit dem Verrechnungspreis von $\ q_1 = 8\ € $, der vorgegeben war, bedeutet dies, dass die zweite Kostenstelle an die erste einen Betrag von $\ 20 \cdot 8 = 160\ € $ zu entrichten hat.

Die dritte Kostenstelle muss entsprechend $\ 10 \cdot 8 = 80\ € $ zahlen, die vierte genauso $\ 70 \cdot 8 = 560\ € $. Die erste Kostenstelle erhält also $\ 160 + 80 + 560 = 800\ € $, diese werden bei ihr mit einem Minus-Zeichen vermerkt (s. Tab. 11).

Merke

MERKE Es werden also nicht die kompletten Primärkosten der 1. Kostenstelle weiterverrechnet, es bleibt ein Rest von $\ 1.000 - 800 = 200\ € $ übrig.

Eine Frage bleibt...

Warum ein Minus-Zeichen, wo es sich doch um Einzahlungen handelt? Die Antwort ist relativ klar. Es werden im vorliegenden Verfahren Kosten verrechnet. Da diese also den Normalfall bilden, erhalten sie das Plus-Zeichen. Liegen Einzahlungen vor, kriegen diese folglich ein Minus-Zeichen.

Bei der zweiten Kostenstelle rechnet man völlig identisch: sie leistet 10, 10, 40 und 20 ME an die Kostenstellen 1, 3, 4 und 5. Also multipliziert man diese Mengen mit dem Verrechnungspreis von 20 € und erhält die Zahlungen von $\ 10 \cdot 20 = 200\ € $, $\ 10 \cdot 20 = 200\ € $, $\ 40 \cdot 20 = 800\ € $ und $\ 20 \cdot 20 = 400\ € $ die 1, 3, 4 und 5 an die zweite Kostenstelle zu leisten haben. Bei dieser wird der erhaltene Betrag von insgesamt 1.600 € dann mit einem Minus-Zeichen eingetragen (s. Tab. 11).

Nachdem die dritte Kostenstelle (Verrechnungspreis 15 €) genauso verrechnet wurde, addiert man die Zahlen spaltenweise. So hat die erste Kostenstelle primäre Gemeinkosten von 1.000 € und sekundäre von $\ 200 + 150 = 350\ € $, also insgesamt Kosten von 1.350 €. Diesen Kosten stehen Erlöse von 800 € gegenüber. Die Kosten überwiegen, insgesamt hat die erste Kostenstelle daher $\ 550\ €\ (> \ 0) $ an Kosten übrig, die also noch zu verteilen sind im Rahmen der Restumlage. Genauso verhält es sich mit den Kostenstellen 2 und 3.

Wäre eine der drei Zahlen in der Summenzeile negativ, so würden hier die Erlöse überwiegen und die Gesamtsumme an noch zu verrechnenden Kosten würde sinken.

Es werden also $\ 550 + 360 + 780 = 1.690\ € $ an Kosten auf die Hauptkostenstellen als Restumlage weiter verrechnet. Da das Verhältnis 2:3 sein soll, teilt man zunächst durch 5 (denn es sind $\ 2 + 3 = 5 $ Teile, auf die man die 1.690 € beziehen soll) und erhält $\ 1.690 : 5 = 338\ € $. Daher werden der Kostenstelle 4 noch $\ 2 \cdot 338 = 676 \ € $ zugeschlagen, der Kostenstelle 5 entsprechend $\ 3 \cdot 338 = 1.014\ € $.

Schließlich erhält man die Gesamtkosten der Hauptkostenstelle durch Summation der primären und der sekundären Gemeinkosten. Im Fall der Kostenstelle 4 addiert man also bspw. 3.000 € primäre und $\ 560 + 800 + 676 = 2.036\ € $ sekundäre Gemeinkosten, daher insgesamt $\ 3.000 + 2.036 = 5.036\ € $ Gemeinkosten.

Kostenstellen 1 2 3 4 5
Primärkosten 1.000 1.500 2.000 3.000 4.000
Verteilung 1 -800 160 80 560  
Verteilung 2 200 -1,6 200 800 400
Verteilung 3 150 300 -1,5   1,05
Summe 550 360 780    
Restumlage von 1.690 € im Verhältnis 2 : 3 676 1,014
Gesamtkosten der Hauptkostenstellen 5,036 6,465


Tab. 21: Gutschrift-Lastschrift-Verfahren