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Moderations- und Kreativitätstechniken einsetzen

01. Was ist ein Moderator?

„Der Moderator ist Organisator, Drehbuchautor, Kommunikator, Filter, Dokumentar, Dolmetscher, Verwalter und Steuermann in einer Person. All diese Fähigkeiten benötigt er, um eine äußerst diffizile Aufgabe zu erfüllen: Als wegweisender Leiter gewährleistet er den Prozess der Entscheidungsfindung oder Problemlösung unter Einbeziehung und Zustimmung aller Gesprächsteilnehmer. Die grundlegenden Voraussetzungen für einen Moderator sind daher Organisationstalent, Neutralität und Durchsetzungsvermögen. Zudem sind ein analytischer Verstand, Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen, eine hohe Konzentrationsfähigkeit und besondere rhetorische Fähigkeiten gefordert. Denn seine einzelnen Aufgaben umfassen:

  • Den Ablauf präzise zu planen, zu strukturieren, durchzuführen und im Notfall zu improvisieren

  • konkrete Ziele und Moderationsinhalte zu formulieren

  • ergebnisorientierte Fragen zu stellen

  • kritische Situationen zu entschärfen, ohne zu diskreditieren

  • sachliche Inhalte in Kurzform richtig wiederzugeben

  • alle Gesprächsteilnehmer zu konstruktiven Beiträgen zu motivieren

  • zurückhaltenden Teilnehmern Raum zu verschaffen

  • Egozentrische Teilnehmer in ihre Schranken zu weisen

  • Eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre zu schaffen

  • Konflikte zu entschärfen und gegebenenfalls zu klären“.Quelle: http://www.berufsstrategie.de/bewerbung-karriere-soft-skills/moderationstechniken.php

02. Welche Methoden können zur Moderation eingesetzt werden?

Beispiele für Methoden zur Moderation sind:

  • 6-3-5 Methode

  • Brainstorming

  • DeBono-Methode

  • Fragetechnik

  • Mindmapping

  • Morphologischer Kasten

  • Open Space

  • Osborne-Checkliste.

03. Was ist die 6-3-5 Methode?

Die 6-3-5 Methode wird bei Problemen mit mittlerer Komplexität eingesetzt.

Es sitzen 6 Teilnehmer an einem Tisch und haben ein Blatt mit drei Spalten und sechs Zeilen vor sich liegen. Jeder Teilnehmer füllt die ersten 3 Spalten, in einem Zeitraum von drei bis fünf Minuten, aus. Anschließend wird das Blatt im Uhrzeigersinn an den Nachbarn weitergereicht, der die Ideen in der nächsten Zeile ergänzt. Dies passiert in 5 Runden. So werden innerhalb von ca. 30 Minuten 108 Ideen kreiert.

04. Was ist Brainstorming?

Brainstorming ist eine Kreativitätstechnik, die in zwei Phasen zu neuen Ideen führen soll. Zuerst werden von der Gruppe zu einer bestimmten Frage in einer festgelegten Zeit (10 - 30 Minuten) mündlich ihre Ideen geäußert. Die Beiträge werden weder kommentiert, noch bewertet oder abgelehnt. Alle Ideen werden sofort, für alle Gruppenteilnehmer sichtbar dokumentiert (z. B. mittels Metaplankarten).

In der zweiten Phase werden die Ideen geclustert und bewertet, z. B. nach Priorität oder Realisierbarkeit. Diese Technik ist nicht für komplexe Problemstellungen geeignet und sollte durch einen Moderator geleitet werden, der die Beiträge dokumentiert.

05. Was ist die DeBono-Methode?

Bei dieser Technik werden von einer Gruppe sechs verschiedene Positionen im Rahmen einer Diskussion vertreten. Die einzelnen Hüte stehen für folgende Denkmuster:

  • Blauer Hut = ordnendes und moderierendes Denken: Überblick über die Prozesse

  • Gelber Hut = optimistisches Denken: Was ist das Best-Case-Szenario?

  • Grüner Hut = kreatives und assoziatives Denken: Neue Ideen, Kreativität

  • Roter Hut = emotionales Denken und Empfinden: Konzentration auf Gefühle und Meinungen

  • Schwarzer Hut = kritisches Denken: Risikobetrachtung, Probleme, Skepsis, Kritik und Ängste mitteilen

  • Weißer Hut = analytisches Denken: Konzentration auf Tatsachen, Anforderungen und wie sie erreicht werden können

Jeder Teilnehmer bekommt einen Hut (Denkmuster), im Folgenden hat er sich in „seine“ Position einzudenken und diese entsprechend in der Diskussion zu vertreten.

06. Was sind Fragetechniken?

Während einer Diskussion helfen verschiedene Fragetechniken zur Strukturierung bzw. Einbindung von Teilnehmern z. B.:

FrageformBeschreibungBeispiel
AbschlussfrageBestätigung in Form einer Frage abverlangen.Wann soll der neue Qualitätsstandard implementiert werden?
AlternativfrageDurch die Vorgabe von zwei oder mehr Alternativen wird Entscheidungsfreiraum suggeriert.Wollen wir erst QM-Standard A oder B bearbeiten?
AngriffsfrageDurch den Inhalt (und die Betonung) der Frage soll der Gesprächspartner unter Druck gesetzt werden.Möchten Sie auch gute Qualität leisten?
AntwortfrageDie Antwort ist schon in der Frage enthalten.Sie möchten Standard A, richtig?
GegenfrageDurch die Rückgabe einer Frage wird eine Konfrontation oder Präzisierung eingefordert.Wie meinen Sie das?
GewaltfrageDurch den Inhalt (und möglicherweise die Betonung) der Frage soll der Gesprächspartner unter Druck gesetzt werden.Wollen Sie sich um die Antwort drücken?
InitialfrageZu Beginn eines Klärungs- oder Dialogprozesses wird eine Motivation hervorgerufen.Welches ist der wichtigste Punkt, der vor Einführung von A zu klären ist?
KontrollfrageZahlen, Daten, Fakten oder Ansichten werden reflektiert.Habe ich Sie richtig verstanden, dass Kontrolle wichtig ist?
MotivfrageDiese Frageform soll den Antrieb des Gesprächspartners erkunden.Welchen Sinn hat der neue Standard für Sie?
MotivationsfrageDiese Frageform soll den Gesprächspartner motivieren.Wie kamen Sie auf die Idee, sich für Standard B zu interessieren?
ReferenzfrageDas Gegenüber wird bedrängt, indem man eine Bezugsperson oder -sache erfragt.Woran orientieren Sie Ihre qualitative Pflege?
Rhetorische FrageEine Frage, die offensichtlich keiner Antwort bedarf. Sie ist eigentlich eine These.Wollen wir nicht alle, dass wir gute Qualität erbringen?
Skalierende FrageEine Frage, die eine allgemeine Aussage konkretisiert und vergleicht.Wie würden Sie den neuen Standard auf einer Skala von 1 (minimal) bis 10 (maximal) einordnen?
SuggestivfrageMithilfe einer hypothetisch infrage gestellten Vorgabe wird dem Gesprächspartner eine Antwort in den Mund gelegt.Sie wollen doch auch den Qualitätsstandard A einführen, oder?
Verdeckte FrageEine Frage, deren eigentliches (möglicherweise für den Befragten nicht erkennbares) Ziel über einen Umweg erreicht werden soll.Haben Sie die Dekubitus-Prophylaxe durchgeführt? (Eigentliches Ziel: Wird der Standard gelebt?)

07. Was ist Mindmapping?

Bei dieser Technik wird eine Mindmap (Gedächtnislandkarte) erstellt. Hierdurch lassen sich komplexere Themen visualisieren. In der Mitte eines unlinierten Blattes wird das zu bearbeitende Thema in einen Kreis geschrieben. Daraus folgende Hauptthemen werden auf eine Linie, die vom Kreis wegläuft geschrieben. Unterthemen werden an die Hauptlinien angehängt und aufgeschrieben.

Zur besseren Orientierung sollten verschiedene Farben für die jeweiligen Hauptthemen und die dazugehörigen Unterthemen sowie die ggf. noch notwendigen Unterteilungen in Kapitel etc. verwendet werden. Mindmaps können auch für die Auswertung eines Brainstormings genutzt werden. Folgende Grafik zeigt ein Beispiel:

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08. Was ist ein Morphologischer Kasten bzw. eine morphologische Matrix?

Beim morphologischen Kasten wird versucht ein Problem zu systematisieren und hierfür Ideen zu finden. Dabei entsteht durch mehrere Spalten eine Matrix. Die vertikalen Achsen werden mit den verschiedenen Parametern bezeichnet, während in die horizontalen Achsen alle Ausprägungen des jeweiligen Parameters eingegeben werden:

  • Vorgehensweise z. B.: Problem aufschreiben und in Unterprobleme unterteilen.

  • Problem: mehr Patienten gewinnen

  • Teilprobleme: alte Patienten halten, ehemalige Patienten zurückgewinnen, neue Patientengruppen finden

  • Eigenschaften dieser Unterprobleme in die erste Spalte schreiben.

Nun erstellen Sie mit den weiteren Achsen ein Raster, in das Sie die entsprechenden Abteilungen, Personen etc. eintragen. Jetzt werden die einzelnen Felder gefüllt. Es gibt keine Reihenfolge und es geht um das systematische Sammeln von Ideen. In einem Kasten der inneren Matrix können auch mehrere Ideen stichwortartig aufgeführt sein.

Im Anschluss werden die Lösungen bewertet und zu einer Gesamtlösung zusammengesetzt. Diese gilt es dann in Bezug auf Realisierbarkeit (Werte, Zeit, Geld, Mitarbeiter) zu überprüfen und gemeinsam zu verabschieden.

 ArztVerwaltungPflegedienstleitung
bestehende PatientenGespräche führenTermine pflegen 
ehemalige Patienten Flyer zusenden 
neue Patientenintensive BeratungFlyer zusenden, Statistik führenInformationsabend durchführen

09. Was ist eine Open-Space-Veranstaltung?

Open Space ist eine Methode, die bei größeren Teilnehmerzahlen z. B. auf Konferenzen oder Tagungen angewendet wird. Sie hat vorher kein festgelegtes Programm oder Abläufe. Open Space wird bei komplexen oder dringenden Problemen eingesetzt. Die Dauer reicht von einigen Stunden bis zu mehreren Tagen.

Die Teilnehmer sollen selbstbestimmt und selbstorganisiert zu einem festgelegten Thema Problemlösungen erarbeiten. Innerhalb der ersten Stunde eines Open Space wird die gesamte Arbeits- und Zeitplanung entwickelt. Jeder Teilnehmer kann sein Thema vorbringen. Es gilt das Gesetz der zwei Füße: jeder Teilnehmer bleibt nur so lange in einer Gruppe, wie er es für sinnvoll erachtet und geht dann weiter.

Nach Sammlung aller Themen kann jeder Teilnehmer an dem für ihn interessanten Themen mitarbeiten. Jede Gruppe veröffentlicht anschließend ihre Ergebnisse. Hierdurch wird die Motivation der Beteiligten gefördert.

10. Wie kann eine Open-Space-Veranstaltung ablaufen?

  1. Beginn z. B. in einem Stuhlkreis. Der Veranstalter begrüßt und erklärt die Ziele, Grenzen und Ressourcen der Open-Space-Tagung.

  2. Einführung in Thema und Verfahren und Eröffnung des Open Space.

  3. Inhalte und Organisation ergeben sich aus den Anliegen der Teilnehmenden. Jeder kann ein Anliegen einbringen. Anliegen sind Themen, die „unter den Nägeln brennen“ und für die jemand Verantwortung übernehmen will.

  4. An einer großen Metaplan-Wand werden die Anliegen den Zeiten und verfügbaren Arbeitsräumen zugeordnet.

  5. In der Marktphase kann über Anfangszeiten und Räume verhandelt werden; jeder trägt sich bei den Themen ein, die ihn interessieren.

  6. Gruppenarbeitsphase: Die Teilnehmenden arbeiten in dieser Zeit selbstorganisiert, geleitet vom Gesetz der zwei Füße und den Grundsätzen des Open Space.

  7. Die „Einladenden“ der Arbeitsgruppen dokumentieren die Ergebnisse ihrer Gruppenarbeit und stellen diese den anderen Teilnehmenden zur Verfügung.

  8. An der Dokumentationswand werden die Ergebnisse aus den Gruppenarbeitsphasen zeitnah für jeden sichtbar aufgehängt.

  9. Abend- und Morgennachrichten werden zum Beginn bzw. Ende eines Tages verlesen.

  10. Auswertung und Planung der Umsetzung am letzten Tag.

  11. Abschlussrunde (z. B. nach dem Redestab-Ritual)

  12. Open Space schließen.

  13. Dokumentation erstellen und verteilen.

11. Wie funktioniert eine Osborne-Checkliste?

Die Checkliste wurde von Alex Osborn, dem Erfinder des Brainstormings, erstellt. Mit dieser lassen sich bereits bestehende Produkte durch systematische Beantwortung von Fragen auf ihre Verbesserungsmöglichkeiten überprüfen, z. B.:

  • Anwendungsmöglichkeiten, neue Nutzung?

Neue Anwendungsmöglichkeiten? Für andere Personen? Andere Anwendungsmöglichkeiten durch Veränderungen des Objektes?

  • Anpassen, Ähnlichkeiten?

Wem ähnelt es? Welche anderen Ideen ergeben sich? Gibt es Parallelbeispiele? Was könnte man davon übernehmen? Was könnte man zum Vorbild nehmen?

  • Verändern, umgestalten, umformen?

Neue Form geben? Neuen Zweck? Die Farbe, Bewegung, den Ton, Geruch, das Aussehen verändern? Sind andere Änderungen denkbar? Neue Verpackung?

  • Vergrößern, hinzufügen, vervielfältigen?

Was kann man hinzufügen? Soll man mehr Zeit darauf verwenden? Frequenz erhöhen? Es widerstandsfähiger machen? Größer? Länger? Schwerer? Dicker? Ihm einen zusätzlichen Wert geben? Anzahl der Bestandteile erhöhen? Verdoppeln? Vervielfachen? Übertreiben? Preis erhöhen?

  • Verkleinern, wegnehmen, verkürzen?

Was ist daran entbehrlich? Kleiner machen? Kompakter? Niedriger? Kürzer? Flacher? Leichter? Kann man es in seine Einzelteile zerlegen? Preis reduzieren?