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Kalkulatorische Zinsen - Definition und Berechnung

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Video: Kalkulatorische Zinsen

Zunächst ein Video zu den kalkulatorischen Zinsen:

Video: Kalkulatorische Zinsen - Definition und Berechnung

Kalkulatorische Zinsen - Definition

Bei den kalkulatorischen Zinsen vergleicht man eine Investitionsalternative stets mit der Alternative, dass man sein Geld auch bei seiner Bank anlegen könnte. Bei dieser sog. Unterlassensalternative wird ein Zinsertrag realisiert, mit dem man stets eine jede Investition vergleichen muss. Die kalkulatorischen Zinsen werden berechnet, indem man das durchschnittlich gebundene Kapital (DGK) mit dem Kalkulationszins i multipliziert:

Berechnung des durchschnittlich gebundenen Kapitals

$$\ kalkulatorische\ Zinsen = {AK+RBW_n \over 2} \cdot i= DGK \cdot i $$ Bei der Berechnung des durchschnittlich gebundenen Kapitals DGK geht man davon aus, dass am Anfang der Wert des Vermögensgegenstandes bei AK liegt, nach einer bestimmten Zeit hingegen dieser Wert auf $\ RBW_n $ gesunken ist. Der durchschnittlich vorliegende Wert ist bei unterstelltem ständig gleichen Wertverlust daher
$$\ DGK= {AK+RBW_n \over 2 }$$

Beispiel

Beispiel 27:
Eine Maschine koste zum Zeitpunkt ihres Kaufs 1.000 €. Nach einer unterstellten Nutzungsdauer von fünf Jahren koste sie lediglich noch 200 €. Der Kalkulationszins liege bei $\ i = 10 \% $. Berechne das durchschnittlich gebundene Kapital sowie die kalkulatorischen Zinsen.

Das durchschnittlich gebundene Kapital errechnet man, indem man zunächst die Summe aus Anschaffungskosten und Restbuchwert bildet und dieses Ergebnis durch 2 teilt. Man erhält daher für das durchschnittlich gebundene Kapital einen Wert von $\ {1.000 + 200 \over 2} = 600\ € $.
Da also durchschnittlich 600 € gebunden sind, liegt die Alternative, also die kalkulatorischen Zinsen, bei $\ 600 \cdot 0,1 = 60\ € $

Wenn man Geld in seiner eigenen Unternehmung anlegt, also Eigenkapital einbringt, so verzichtet man ganz bewusst darauf, dieses Geld auf die Bank zu tragen. Der Verzicht an Zinserträgen heißt kalkulatorische Zinsen. Aus dem Opportunitätskostengedanken heraus werden kalkulatorische Zinsen (genau wie die anderen kalkulatorischen Kosten auch) unter den Opportunitätskosten (=kalkulatorischen Kosten) erfasst.

Berechnung des betriebsnotwendigen Kapitals

Man ermittelt das betriebsnotwendige Kapital oft nach folgendem Schema:


 nicht abnutzbares Anlagevermögen zu kalkulatorischen Ausgangswerten
   + abnutzbares Anlagevermögen zu halben kalkulatorischen Ausgangswerten
= betriebsnotwendiges Anlagevermögen
  + betriebsnotwendiges Umlaufvermögen zu kalkulatorischen Mittelwerten
= betriebsnotwendiges Vermögen
  - Abzugskapital
= betriebsnotwendiges Kapital

Zunächst ist also der Unterschied zwischen Anlage- und Umlaufvermögen zu klären. Hierbei versteht man unter Anlagevermögen jene Positionen, die dauernd dem Geschäftsbetrieb dienen (§ 247 II HGB). Es kommt dabei auf die Zweckbestimmung an, nicht auf die Dauer der Zurverfügungstellung.

Beispiel

Beispiel 28:
Zum Umlaufvermögen rechnet man hierbei Forderungen, Kasse, Portobestand.
Das Anlagevermögen umfasst z.B. Maschinen, den Fuhrpark, Grundstücke und Gebäude.

Betriebsnotwendiges Umlaufvermögen

Das betriebsnotwendige Umlaufvermögen muss mit jenen Beträgen angesetzt werden, welche durchschnittlich während der Abrechnungsperiode gebunden sind. Man ermittelt das betriebsnotwendige Umlaufvermögen also nach der Formel:
$$\ betriebsnotwendiges\ Umlaufvermögen = {Anfangsbestand+Endbestand \over 2} $$
Für die Art des Ansatzes des betriebsnotwendigen abnutzbaren Anlagevermögens lassen sich zwei Methoden der Berechnung der kalkulatorischen Zinsen unterscheiden:
- die Restwertmethode und
- die Methode der Durchschnittswertverzinsung.

Restwertmethode

Die Restwertmethode berechnet die kalkulatorischen Zinsen basierend auf dem kalkulatorischen Restwert der jeweiligen Abrechnungsperiode. Dadurch nehmen die kalkulatorischen Zinsen ab, weil auch die Restwerte abnehmen. Man geht also ganz analog zur Methode der geometrisch-degressiven Abschreibung vor.

Durchschnittswertmethode

Die Durchschnittswertmethode berechnet die kalkulatorischen Zinsen vom halben Ausgangswert des betriebsnotwendigen abnutzbaren Anlagevermögens, denn dies ist der Betrag, welcher während der gesamten Nutzungsdauer bei unterstellter linearer Abschreibung durchschnittlich im Betrieb gebunden ist. Die kalkulatorischen Zinsen sind dadurch im Laufe der Zeit konstant, wenn die jeweiligen Ausgangswerte nicht jeweils neu bewertet werden müssen.

Bewertung der Methoden

Die Durchschnittsmethode ist eindeutig vorzuziehen, denn sie ist einfacher, weil sie zu konstanten kalkulatorischen Kosten über die Laufzeit hinweg führt. Schließlich wird noch das sog. Abzugskapital vom betriebsnotwendigen Vermögen abgezogen, um das betriebsnotwendige Kapital zu erhalten. Unter dem Abzugskapital versteht man zinsfrei vorhandenes Fremdkapital wie z.B. Kundenanzahlungen oder zinslose Kredite.