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Grundlagen der Autorität

01. Welche Bedeutung haben Macht und Autorität für den Führungserfolg?

  • Macht ist eine Form der Einflussnahme, bei der eine Person oder Gruppe die Möglichkeit hat, Verhaltensänderungen bei anderen auch gegen deren Willen durchzusetzen.

  • Autorität wird als eine Form der Macht bezeichnet, die sich rechtfertigt; Autorität setzt also ein gewisses Maß an Zustimmung des zu Beeinflussenden voraus. Autorität kann

    • beruhen auf der Übernahme eines Amtes/einer Position und/oder

    • in der Person begründet sein und/oder

    • sich aus der fachlichen Kompetenz ergeben.

  • Echte Autorität wird in der Praxis erlebt als Mischform von Amts-, Personal- und Fachautorität – mit unterschiedlichem Gewicht der einzelnen Komponenten. Echte Autorität drückt sich im Wesentlichen aus durch Konsequenz im Handeln, situationsgerechtes Reagieren, Durchsetzungsstärke und der Fähigkeit zur Kommunikation – auf der Basis innerer Sicherheit und Stabilität. Führungskräfte mit echter Autorität sind sich selbst treu, sind konsequent und damit kalkulierbar.

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  • Falsche Autorität, die langfristig auch zum Führungsmisserfolg führt, zeigt sich im Fehlen von personaler oder fachlicher Autorität („das Amt macht den Mann“ und nicht – richtigerweise – „der Mann macht das Amt“) oder im Fehlen jeglicher Autorität.

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    Der Mitarbeiter erlebt falsche Autorität

    • als Ausübung von (lediglich) Macht mit den Wirkungen Zwang, Angst, unbegründete Härte oder

    • als Führungslosigkeit, Weichheit, Inkonsequenz, Maßstabslosigkeit, Ziellosigkeit.

02. Wie kann sich der Meister zu einem Vorgesetzten mit „echter Autorität“ entwickeln?

Echte Autorität (vgl. oben) ist das Zusammenspiel von Amts-, Personal- und Fachautorität. Der Weg dahin ist für jede Führungskraft mit folgenden Anstrengungen verbunden:

  1. Fachkompetenz:

    Sich fachlich fit halten, sich weiterbilden, lernbereit sein, das Fachgebiet beherrschen.

  2. Methodenkompetenz:

    Erlernen der notwendigen Methoden der Problemlösung, der Moderation, der Visualisierung, der Konfliktbearbeitung usw.

  3. Sozialkompetenz:

    Beherrschen/Erlernen der Fähigkeit, mit anderen in einer Gemeinschaft zielorientiert, konstruktiv und aktiv zu arbeiten und dafür die Verantwortung zu übernehmen.

  4. Persönlichkeitsmerkmale:

    Erkennen der eigenen Persönlichkeit und der Wirkung auf andere; Förderung der positiven Eigenschaften/Korrektur negativer Entwicklungen.

03. Welche Ansätze gibt es, um seine eigene Persönlichkeit und seinen eigenen Führungsstil zu erkennen und zu verbessern?

  • Jede Führungskraft, die ernsthaft gewillt ist, Führung als Lernprozess zu begreifen, sollte die Bereitschaft und Fähigkeit entwickeln, ihren eigenen Führungsstil zu erkennen und zu trainieren. Die Schlüsselfragen lauten:

    • Wie bin ich?

    • Wie verhalte ich mich?

    • Wie wirke ich?

  • Die Antworten darauf können durch

    • Fremdbeobachtung (z. B. Vorgesetzter, Mentor, Trainer),

    • Eigenbeobachtung (Eigenanalyse anhand eines Fragebogens oder durch Selbstaufschreibung)

    oder durch

    • Feedback der Mitarbeiter (z. B. Feedback-Gespräch oder auch generelle Mitarbeiterbefragung) gewonnen werden. Führungskräfte, die sich die Wirksamkeit ihres Führungsverhaltens bewusst gemacht haben, sind auch in der Lage, ihre Führung

    • durch Training zu verbessern.

  • Führungskräfte sollten also

    • den eigenen Führungsstil erkennen,

    • sich bewusst machen, an welchen Prinzipien und Normen sie sich in ihrem Führungsverhalten orientieren,

    • reflektieren, welche positiven und negativen Wirkungen ihr Führungsstil entfaltet,

    • bereit sein, den eigenen Führungsstil kritisch aus der Sicht Eigenbild und Fremdbild zu betrachten sowie Stärken herauszubilden und Schwachstellen zu mildern.

04. Welchen Erwartungen der Unternehmensleitung und der Mitarbeiter muss der Industriemeister gerecht werden?

Eine Reihe von Konflikten erwachsen dem Industriemeister aus der zum Teil entgegengesetzten Erwartungshaltung der Mitarbeiter und der Unternehmensleitung an ihn. Dabei ist der Meister einerseits Geführter andererseits Führender.

Bei widersprüchlichen oder zum Teil auch unvereinbaren Forderungen von Unternehmensleitung und Mitarbeitern (z. B. Überstunden contra freier Samstag oder Dienst contra Urlaub, unerfüllbare Lohn-/Gehaltsvorstellungen, Höhergruppierungen außer der Reihe) muss der Meister seinen eignen Weg finden:

  • Der Industriemeister muss u. a.

    • Spannungen aushalten können (Konfliktfähigkeit)

    • seinen Standpunkt klar, sachlich und überzeugend vertreten

    • nach oben und nach unten

    • Lösungsmöglichkeiten anbieten, ohne sich dabei auf unsinnige „Sieg-und-Niederlage-Strategien“ zurückzuziehen

    • die Mitarbeiter einbeziehen (Motto: „Mache die Betroffenen zu Beteiligten!“)

    • mit eigenem gutem Beispiel vorangehen.

  • Im Detail sind die Erwartungen der Mitarbeiter an den Meister außerordentlich umfangreich. Er soll z. B.:

    • fachlich qualifiziert sein und Zusagen einhalten,

    • klare Unterweisungen geben können,

    • über Sicherheit am Arbeitsplatz aufklären,

    • gerecht sein (z. B. Arbeitsverteilung, Kritik, Anerkennung, Lohn) und

    • über Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und Urteilsvermögen verfügen

    sowie die Bereitschaft

    • zu kooperativer Arbeitsweise,

    • zur Übertragung von Verantwortung,

    • zum Informationsaustausch,

    • Probleme anzusprechen und

    • den Mitarbeitern Vertrauen entgegenbringen und ihre Belange ernst nehmen,

    entwickeln.

  • Die Unternehmensleitung erwartet vom Meister vor allem:

    • die Ziele und Aufgaben des Unternehmens wahrzunehmen, zu verfolgen und durchzusetzen.

    • kostenbewusstes Denken und Handeln verwirklichen.

    • organisatorische Fähigkeiten und entsprechende Flexibilität.

    • Menschenkenntnis und die Fähigkeit, Mitarbeiter nach deren Können einzusetzen.

    • korrekte Behandlung der Mitarbeiter.

    • Motivation der Mitarbeiter.

    • Schaffung eines günstigen Betriebsklimas.

    • persönliche Ausstrahlungskraft, Entscheidungsfreude im Rahmen des Entscheidungsspielraumes, Verantwortungsbewusstsein.