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01. Wie entscheidet man sich für den richtigen Lieferer?

Legt man ausschließlich den Kostenmaßstab an, ist derjenige der richtige Lieferer, der zum niedrigsten Einstandspreis führt. Da neben dem Kostenmaßstab auch andere, nicht-rechnerische, Auswahlkriterien bestehen, wird die Entscheidung über den richtigen Lieferer komplizierter.

Zunächst muss man klären, welche nicht-rechnerischen Vergleichsmaßstäbe man überhaupt bei der Liefererauswahl anlegen muss. Die folgende Auflistung ist exemplarisch zu verstehen und erhebt nicht den Anspruch, vollständig zu sein:

  • Welche Produktqualitäten muss der Lieferer liefern können? Die Antwort ergibt sich aus den strategischen Qualitätsentscheidungen über das Sortiment.

  • Kann der Lieferer alle Produkte unseres Sortiments anbieten bzw. welche Teile des Sortiments können von ihm bezogen werden? Die Antwort hängt u. a. auch von den getroffenen Entscheidungen über Sortimentsbreite und Sortimentstiefe ab.

  • Welche Produkte des Lieferers passen zu unserem Kern-, welche zum Randsortiment?

  • Welche Hersteller bzw. welche Herstellermarken müssen in unserem Sortiment unbedingt vorhanden sein?

  • Ist der Lieferer auch auf längerfristige Sicht in der Lage zu liefern? Diese Frage rührt an die Verfügbarkeit von Rohstoffen, die der Lieferer zur Herstellung benötigt.

  • Wie weit ist der Lieferweg bzw. wie lange ist die Lieferfrist? Die Entfernung und die Dauer der Lieferfrist beeinflussen unser Bestellverhalten und unsere Lagerhaltung.

  • Gewährt der Lieferer Zahlungsziele? Falls ja, für wie lange?

  • Wofür und für wie lange gibt der Lieferer Garantie?

02. Wie helfen Scoringmodelle bei der Liefererauswahl?

Nachdem alle Auswahlkriterien vorliegen, muss man sie gewichten. Welche Kriterien sind wichtiger als andere? Welche sind vernachlässigbar? Die Gewichtung ist erforderlich, weil man sich dadurch selbst zwingt, das Einkaufsverhalten und die anstehende Entscheidung, welcher Lieferer als Bezugsquelle ausgewählt wird, zu reflektieren. Da wahrscheinlich nicht immer derselbe Lieferer bei allen Kriterien heraussticht, muss man sich selbst klar werden, was einem wichtig ist. Es empfiehlt sich, die Anzahl der Auswahlkriterien, die in die Punktbewertungstabelle eingehen sollen, zu begrenzen. Das kann man relativ leicht bewirken, indem man nur die Kriterien einbezieht, die einem wichtig sind. Die Wichtigkeit drückt man in einem Faktor – z. B. zwischen 1 und 3 – aus, wobei Faktor 1 für „relativ unwichtig“, Faktor 2 für „wichtig“ und Faktor 3 für „sehr wichtig“ steht. Anschließend beziffert man, inwieweit bestimmte Lieferer die Auswahlkriterien erfüllen und drückt das ebenfalls in Ziffern aus. Je höher die Ziffer ist, um so besser erfüllt der Lieferer das jeweilige Kriterium. Es empfiehlt sich, die Erfüllung in einer begrenzten Punktzahl – z. B. von 1 bis 5 – darzustellen. Die bei jedem Kriterium erreichte Punktzahl wird jetzt mit dem Gewichtungsfaktor multipliziert. Zum Schluss addiert man die gewichteten Punkte über alle Kriterien. Der Lieferer, der die höchste Gesamtpunktzahl erreicht, ist der Richtige.

03. Wie sieht die Bewertungstabelle aus und was ist eine Nutzwertanalyse?

Die Punktbewertungstabelle ist das Scoringmodell (score = Punkt). Es ist ein Instrument der Nutzwertanalyse, mit der man z. B. letztlich herausfinden kann, welcher Lieferer einem den meisten Nutzen bringt: der mit der höchsten Gesamtpunktzahl.

Beispiel

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Und so könnte eine Bewertungstabelle aussehen:

AuswahlkriteriumGewichtungErfüllungsgradgewichtete Erfüllung
 (von 1 bis 3)(von 1 bis 5) 
Einstandspreis33 9
Qualität der Produkte24 8
kurze Lieferzeit32 6
Sortimentsabdeckung15 5
Zahlungsbedingungen11 1
Warenverfügbarkeit22 4
Gesamtpunktzahl33

04. Wo liegt das Risiko einer Entscheidung mittels Scoring-Tabelle?

  • Man wählt die falschen Auswahlkriterien aus.

  • Man bezieht zu viele Kriterien ein, was die Entscheidung anhand der Gesamtpunktzahl zufälliger werden lässt.

  • Hat ein Unternehmen viele Punkte erreicht bei relativ vielen gering gewichteten Kriterien und nur wenige bei hoch gewichteten Kriterien, kann es trotzdem mehr gewichtete Gesamtpunkte erreichen als ein anderer Lieferer. Die Auswahlentscheidung dann anhand der Gesamtpunktzahl zu treffen, dürfte in diesem Fall nicht sehr klug sein.