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Wichtig

Für die Bearbeitung dieses Themas in der IHK-Klausur sind i. d. R. Gesetzestexte zugelassen. Wir empfehlen daher, unkommentierte Fassungen des BGB, des HGB, des GmbHG sowie des AktG mit in die Klausur zu nehmen. Einzelheiten zur Zulässigkeit von Hilfsmitteln regelt das Merkblatt der IHK zum jeweiligen Prüfungstermin. Weiterhin raten wir, sich mit den einschlägigen Paragrafen vertraut zu machen, das heißt den nachfolgenden Text mit der Lektüre der Gesetzestexte zu verbinden.

01. Welche Rechtsformen unterscheidet man?

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02. Was sind die charakteristischen Merkmale des Einzelunternehmens?

Einzelunternehmen – Merkmale
Zweck Ein Einzelunternehmen (im weiteren Sinne) ist die selbstständige Betätigung einer natürlichen Person, die uneingeschränkte Verfügungsmacht hat und das volle Risiko der Geschäftstätigkeit trägt (z. B. Landwirt, Gewerbetreibender oder Freiberufler). Dies gilt unabhängig davon, ob der Einzelunternehmer Arbeitnehmer beschäftigt oder nicht.
Gründung Zur Gründung ist eine Person erforderlich. Die Gründung ist formlos und kostengünstig. Das Unternehmen entsteht durch seine erste rechtsgeschäftliche Handlung.
Firma
  • Ein Einzelunternehmer bzw. Kleingewerbetreibender, der nicht im Handelsregister eingetragen ist, firmiert i. d. R. unter seinem persönlichen, bürgerlichen Nachnamen des Inhabers und mindestens einem ausgeschriebenen Vornamen.
  • Einzelunternehmern, die im Handelsregister eingetragen sind, firmieren unter dem Unternehmensnamen mit dem Zusatz „e. Kfm“ oder „e. Kfr“ (Sachfirma, Fantasiefirma oder gemischte Firma möglich).
Vertretung Der Einzelunternehmer führt die Geschäfte unter seinem Namen bzw. seiner Firma auf eigene Rechnung und eigenes Risiko. Er kann sie auch durch einen Angestellten führen lassen und dazu Handlungsvollmacht oder Prokura erteilen.
Haftung Der Einzelunternehmer haftet uneingeschränkt mit seinem gesamten Vermögen für alle Schulden seines Unternehmens.
Ergebnisverteilung Der Gewinn (und auch der Verlust) steht dem Einzelunternehmer allein zu. Er entscheidet über die Aufteilung und Verwendung.
Auflösung Das Einzelunternehmen wird aufgelöst durch
  • Tod des Inhabers
  • Insolvenz
  • freiwillige Liquidation
  • Umwandlung in eine andere Rechtsform.

03. Was sind die charakteristischen Merkmale der BGB-Gesellschaft?

GbR – Gesellschaft bürgerlichen Rechts (BGB-Gesellschaft) – Merkmale
Zweck Sie ist eine Personengesellschaft und nicht im Handelsregister eingetragen. Gegenstand ist der Zusammenschluss mehrerer Personen, die beabsichtigen, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen (kein Handelsgewerbe). Von daher kann zu jedem gesetzlich zulässigen Zweck eine BGB-Gesellschaft gegründet werden.
Gründung §§ 705 ff. BGB (bitte lesen)
Entsteht durch Gesellschaftsvertrag von mindestens zwei Gesellschaftern (kein Formzwang); durch Gesellschaftsvertrag verpflichten sich die Gesellschafter
  • die Erreichung des gemeinsamen Zieles zu fördern (z. B. Arbeitsgemeinschaft, sog. „Arge“ bei einem Bauvorhaben) sowie
  • die vereinbarten Beiträge zu leisten (z. B. Mietanteile für ein gemeinsames Büro).
  • Mindestkapital ist nicht erforderlich.
Firma Kann keine Firma führen (Gesellschafter sind keine Kaufleute). Tritt im Geschäftsverkehr unter dem Namen ihrer Gesellschaft auf (oder unter einer anderen Bezeichnung). Der Zusatz GbR ist nicht erforderlich.
Vertretung
  • Geschäftsführung und Vertretung: i. d. R. gemeinschaftlich
  • abweichende Regelung im Gesellschaftsvertrag möglich.
Haftung Die Haftung der GbR ist wie bei der OHG: unbeschränkt, unmittelbar und solidarisch.
Ergebnisverteilung
  • gleiche Anteile an Gewinn und Verlust
  • abweichende Regelung im Gesellschaftsvertrag möglich.
Auflösung Auflösungsgründe sind u. a.:
  • Auflösungsvertrag
  • Erreichen des vereinbarten Ziels,
  • Tod und die Kündigung eines Gesellschafters
  • Insolvenzeröffnung über das Vermögen eines Gesellschafters

Ist für die Gesellschaftsdauer eine Zeitdauer bestimmt, kann die Kündigung nur aus wichtigem Grund erfolgen. Der Gesellschaftsvertrag kann für den Fall des Todes eines Gesellschafters auch den Fortbestand der GbR regeln.

04. Was sind die charakteristischen Merkmale der offenen Handelsgesellschaft?

OHG – Offene Handelsgesellschaft – Merkmale
Zweck Eine OHG ist eine Personengesellschaft , deren Zweck auf den Betrieb eines Handelsgewerbes unter gemeinschaftlicher Firma gerichtet ist.
Gründung §§ 105 ff. HGB ; ergänzend §§ 705 ff. BGB (bitte lesen)
Gründung durch zwei oder mehr Gesellschafter; Gesellschaftsvertrag ist nicht zwingend vorgeschrieben; wichtige Regeln der Geschäftsführung sollten jedoch schriftlich fixiert werden. Mindestkapital ist nicht erforderlich. Die OHG entsteht mit der Aufnahme der Geschäfte oder mit der Eintragung der Gesellschaft in das HR. Sie ist nicht rechtsfähig, aber teilrechtsfähig, das heißt, sie kann
  • eigene Rechte erwerben
  • Verbindlichkeiten eingehen
  • klagen und verklagt werden.
Firma muss den Zusatz „offene Handelsgesellschaft“ oder „OHG“ o. Ä. enthalten.
Geschäftsführung/Vertretung
  • gewöhnliche Geschäfte: Einzelgeschäftsführung aller Gesellschafter mit Vetorecht der anderen
  • außergewöhnliche Geschäfte: Gesamtgeschäftsführung
  • Gesellschaftervertrag kann Abweichungen vorsehen
  • grundsätzlich: Einzelvertretung aller Gesellschafter
  • Vertretungsmacht kann (inhaltlich) nicht beschränkt werden
  • Gesamtvertretung (aller/einzelner Gesellschafter) kann vereinbart werden und ist im HR einzutragen.

Die Gesellschafter der OHG haben Wettbewerbsverbot, d. h. ohne Einwilligung des anderen Gesellschafters dürfen im gleichen Handelszweig keine Geschäfte auf eigene Rechnung durchgeführt oder in anderen Unternehmen der Branche Beteiligungen aufgenommen werden. Ansonsten entsteht ein Schadenersatzanspruch und die Ausschlussmöglichkeit.
Haftung
  • OHG selbst: mit Gesellschaftsvermögen
  • jeder Gesellschafter: unbeschränkt, unmittebar, gesamtschuldnerisch.
Ergebnisverteilung
  • Jeder Gesellschafter erhält zunächst 4 % seines Kapitalanteils, der verbleibende Gewinn wird gleichmäßig nach Köpfen verteilt.
  • Der Verlust wird nach Köpfen verteilt.
Auflösung Auflösungsgründe sind u. a.:
  • Ablauf der vereinbarten Zeit
  • Auflösungsbeschluss der Gesellschafter
  • Eröffnung des Insolvenzverfahrens
  • Kündigung eines Gesellschafter bei einer 2-Mann-OHG.

Der Tod eines Gesellschafters führt nicht zur Auflösung der OHG.

05. Was sind die charakteristischen Merkmale der Kommanditgesellschaft?

KG – Kommanditgesellschaft – Merkmale
Zweck wie OHG
Gründung §§ 161 ff. HGB; mit vielen Verweisen zur OHG (bitte lesen)
Die KG ist eine Handelsgesellschaft, deren Gesellschafter teils unbeschränkt (Vollhafter, Komplementär), teils beschränkt (Teilhafter, Kommanditist) haften. Die Kommanditgesellschaft muss mindestens einen Komplementär und mindestens einen Kommanditisten (haftet nur mit seiner Kapitaleinlage) haben. Abschluss eines Gesellschaftsvertrages. im Übrigen: wie OHG
Firma muss den Zusatz „Kommanditgesellschaft“ oder „KG“ o. Ä. enthalten.
Geschäftsführung/Vertretung
  • Komplementär: wie OHG
  • Kommanditist: keine Vertretung/Geschäftsführung, nur Kontrollrechte; nur bei außergewöhnlichen Geschäften besteht ein Widerspruchsrecht (im Außenverhältnis ohne Wirkung); der Gesellschaftsvertrag kann die Kommanditisten an der Geschäftsführung beteiligen.
Haftung
  • KG selbst: mit Gesellschaftsvermögen
  • Komplementär: wie OHG
  • Kommanditist: nur mit Einlage
  • Klagemöglichkeiten: wie OHG.
Ergebnisverteilung
  • Gewinn: 4 % der Einlage, der Rest in angemessenem Verhältnis (z. B. Höhe der Einlage und Arbeitsleistung)
  • Verlust: in angemessenem Verhältnis
  • Gesellschaftsvertrag kann etwas Anderes regeln.
Auflösung Auflösungsgründe sind u. a.:
  • Ablauf der vereinbarten Zeit
  • Auflösungsbeschluss der Gesellschafter
  • Eröffnung des Insolvenzverfahrens
  • Kündigung des einzigen Komplementärs/Kommanditisten.

Der Tod eines Gesellschafters führt nicht zur Auflösung der KG.

06. Was sind die charakteristischen Merkmale der stillen Gesellschaft?

Stille Gesellschaft – Merkmale:

Eine stille Gesellschaft (§§ 230 – 236 HGB; bitte lesen) ist nach außen nicht erkennbar. Sie entsteht, indem sich ein stiller Gesellschafter an dem Handelsgewerbe eines anderen mit einer Einlage beteiligt , die in das Vermögen des Inhabers des Handelsgewerbes übergeht. Der stille Gesellschafter wird nicht Miteigentümer am Vermögen des anderen. Er erhält vertraglich einen Anteil des Gewinns. Eine Verlustbeteiligung kann ausgeschlossen werden oder bis zur Höhe der Einlage vereinbart werden. Wird sie ausge schlossen, kann der stille Gesellschafter im Insolvenzfall die Einlage als Insolvenzforderung geltend machen.

Der stille Gesellschafter ist an der Geschäftsführungsbefugnis nicht beteiligt, falls nichts anderes vereinbart wird. Ist der stille Gesellschafter an der Gesellschaft beteiligt, liegt der Fall einer atypischen stillen Gesellschaft vor. Der stille Gesellschafter hat Kontrollrechte wie ein Kommanditist. Durch den Tod des stillen Gesellschafters wird die Gesellschaft nicht aufgelöst.

Auf die Kündigung der Gesellschaft durch einen der Gesellschafter finden die Vorschriften der §§ 132, 134 und 135 HGB entsprechende Anwendung. So kann z. B. die Kündigung durch einen Gesellschafter entweder am Schluss eines Geschäftsjahres erfolgen, wenn eine Gesellschaft für unbestimmte Zeit eingegangen wurde.

Auflösungsgründe: Auflösungsvertrag, Kündigung, Eröffnung des Insolvenzverfahrens, Tod des Geschäftsinhabers (nicht: Tod des stillen Gesellschafters).

07. Was sind die charakteristischen Merkmale der Gesellschaft mit beschränkter Haftung?

GmbH – Gesellschaft mit beschränkter Haftung – Merkmale
Zweck
  • ist eine juristische Person (Formkaufmann; wie bei AG)
  • im Unterschied zur AG ist das Stammkapital nicht in Aktien verbrieft
  • kann jeden beliebigen (rechtlich zulässigen) Zweck verfolgen
Gründung GmbH-Gesetz (GmbHG)
Eine GmbH kann auch durch eine einzige Person gegründet werden. Das Stammkapital beträgt mindestens 25.000 €. Sollen Sacheinlagen geleistet werden, so sind im Gesellschaftsvertrag (notarielle Beurkundung) der Gegenstand der Sacheinlage sowie der Betrag der Stammeinlage , auf die sich die Sacheinlage bezieht, festzustellen.
Achtung:
Bitte Vorschriften zur Unternehmergesellschaft (Frage 07) beachten.
  • Mit der Kapitalaufbringung ist die GmbH errichtet , aber noch nicht gegründet (GmbH i. G.). Wer die „werdende GmbH“ im Geschäftsverkehr vertritt, haftet persönlich.
  • Die Gesellschafter müssen einen (oder mehrere) Geschäftsführer bestellen.
  • Der Antrag auf Eintragung in das HR ist zu stellen.
  • Mit der Eintragung entsteht die GmbH als juristische Person.
HR-Eintragung Eintragung ist Pflicht (Formkaufmann)
Firma muss den Zusatz „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ oder „GmbH“ o. Ä. enthalten.
Organe
  • Gesellschafterversammlung ist das Beschlussorgan; Beschlüsse mit einfacher Mehrheit. Bei Änderung des Gesellschaftsvertrages ist eine 3/4-Mehrheit erforderlich.
    Aufgaben:
    • Bestellung/Abberufung von Geschäftsführern (GF)
    • Weisungsrecht gegenüber GF
    • Beschluss über Ergebnisverwendung
    • Erteilung von Handlungsvollmacht/Prokura.
  • Die Geschäftsführung ist das Leitungsorgan und der gesetzliche Vertreter der GmbH.
  • In einzelnen Fällen ist auch ein Aufsichtsrat vorgesehen und zwar nach dem Betriebsverfassungsgesetz bei mehr als 500 Arbeitnehmern.
Geschäftsführung/Vertretung
  • Gesamt geschäftsführung/-vertretung
  • Die Vertretungsmacht ist nach außen unbeschränkbar.
Haftung Den Gläubigern haftet ausschließlich das Gesellschaftsvermögen. Nur im Innenverhältnis kann eine Nachschusspflicht vorgesehen sein.
Ergebnisverwendung
  • Die Verwendung eines Jahresüberschusses (Rücklage, Ausschüttung, Gewinnvortrag) unterliegt dem Beschluss der Gesellschafterversammlung.
  • Die Gewinnverteilung erfolgt nach dem Anteil der Geschäftsanteile.
  • Ein Verlust wird aus den Rücklagen gedeckt oder vorgetragen.
Auflösung Auflösungsgründe sind u. a.:
  • Ablauf der Zeit lt. Gesellschaftsvertrag
  • Auflösungsbeschluss der Gesellschafterversammlung (3/4-Mehrheit)
  • gerichtliches Urteil
  • Eröffnung des Insolvenzverfahrens
  • Verfügung des Registergerichts (Mangel im Gesellschaftervertrag, Nichteinhalten von Verpflichtungen).

08. Welche Bestimmungen gelten für die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)?

Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) kurz UG (haftungsbeschränkt), auch „Mini-GmbH oder „1-Euro-GmbH“ ist keine neue Rechtsform. Das GmbHG bleibt in vielen Punkten bestehen, erlaubt aber eine GmbH-Variante ohne Mindeststammkapital und bietet ein Musterprotokoll für die Standard-GmbH-Gründung. Damit soll die GmbH-Rechtsform attraktiver gemacht und ein Gegengewicht zur englischen Limited Company (Ltd.) geschaffen werden. Entfallen ist die Vorschrift, nach der eine deutsche GmbH ihren Sitz nicht im Ausland haben kann.

Die Gründung der Unternehmergesellschaft (UG) ist also ohne ein Mindeststartkapital möglich: Wird bei der Gründung das Gesellschaftskapital von 25.000 € unterschritten, muss die Firma den Firmenzusatz „Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)“ führen. 25 % des Jahresüberschusses müssen jährlich in eine Rücklage eingestellt werden bis das volle Haftungskapital der GmbH erreicht ist. Für die GmbH mit maximal drei Gesellschaftern und einem Geschäftsführer gibt es ein gesetzliches Musterprotokoll mit einer Standardlösung und ein vereinfachtes Gründungsverfahren. Kosten und Zahl der beizubringenden Dokumente sind hierbei reduziert. Um diese Vereinfachungen nutzen zu können, dürfen an der Standardsatzung keine Änderungen vorgenommen werden. Auch dieses Musterprotokoll muss notariell beurkundet werden.

Die Gesellschafter werden in Zukunft stärker in die Haftung genommen. Dies gilt insbesondere für die Einzahlung und den Erhalt des vollen Einlagekapitals. Die verdeckte Sacheinlage wird zukünftig strenger sanktioniert. Auch die Vorschriften gegen die missbräuchliche „Bestattung“ der GmbH sind verschärft worden: Die Gesellschafter müssen bei „Führungslosigkeit“ selbst Insolvenzantrag stellen. Die Gesellschafter dürfen für die Dauer des Insolvenzverfahrens – höchstens für ein Jahr – nicht ihr Aussonderungsrecht an zum Gebrauch überlassenen Gegenständen geltend machen, wenn diese zur Betriebsfortführung der GmbH von erheblicher Bedeutung sind.

09. Was sind die charakteristischen Merkmale der Aktiengesellschaft?

AG – Aktiengesellschaft – Merkmale
Zweck Die AG ist eine Kapitalgesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit (juristische Person). Die Aktiengesellschaft hat ein in Aktien (Urkunden) zerlegtes Grundkapital . Die Aktiengesellschaft ist die typische Rechtsform der Großbetriebe. Für die Kapitalaufbringung ist die Zerlegung in eine Vielzahl kleiner Anteile mit leichter Veräußerung und die Börsenzulassung besonders günstig. Die Beschränkung der Haftung auf das Gesellschaftsvermögen, die eindeutige Trennung von Geschäftsführung und Beteiligung sowie die gesetzlich erzwungene Transparenz durch umfangreiche Publizitäts-, Rechnungslegungs- und Prüfungspflichten sind weitere Gesichtslie. Das Mitbestimmungsrecht ist bei der AG am weitesten entwickelt (vgl. §§ 95 ff. AktG, MitbestG, MontanMitbestG).

Aktiengesellschaften als Großbetriebe sind in der Industrie, im Handel, in der Bank- und Versicherungswirtschaft zu finden. Auch bei Holdinggesellschaften und Betrieben der öffentlichen Hand sind sie anzutreffen. Aber auch Familienaktiengesellschaften und die seit dem Jahre 1995 zugelassenen 1-Personen-Aktiengesellschaften (§ 2 AktG) nutzen die Vorteile einer kleinen AG in der Hinsicht, dass die Haftung als „eigener Aktionär“ der Unternehmung beschränkt und überschaubar bleibt sowie die Leitungsbefugnisse unkompliziert sind.
Gründung Aktiengesetz (AktG)
Das Grundkapital ist das in der Satzung der AG ziffernmäßig festgelegte Geschäftskapital, das durch die Einlagen der Aktionäre aufgebracht wird. Der Mindestnennbetrag ist Gründungsvoraussetzungen:
  • Es genügt ein Gründer.
  • Mindestkapital: 50.000 €.
  • notariell beurkundete Satzung
  • Der Gründungsvorgang ist stark reglementiert (vgl. §§ 8 f. AktG).
HR-Eintragung Eintragung ist Pflicht (Formkaufmann)
Firma muss den Zusatz „Aktiengesellschaft“ oder „AG“ enthalten.
Organe Eine Aktiengesellschaft hat drei Organe:
  • den Vorstand, d. h. die Unternehmensleitung,
  • den Aufsichtsrat als Überwachungsorgan (vier Jahre) und
  • die Hauptversammlung (HV) als die Vertretung der Kapitaleigner.

Die Gründer bestellen den Aufsichtsrat, dieser ernennt den Vorstand (notarielle Beurkundung).
Geschäftsführung/Vertretung Der Vorstand ist Leitungsorgan und gesetzlicher Vertreter (Amtszeit: fünf Jahre).
Haftung
  • Die AG haftet gegenüber Dritten nur mit dem Gesellschaftsvermögen (Summe der Aktiva; nicht Grundkapital).
  • Die Aktionäre der Gesellschaft haften gegenüber Dritten nur mit dem Nennwert der Aktien (bei Stückaktien nach der Zahl der Aktien).

Nach § 41 Abs. 1 AktG haftet persönlich, wer vor Eintragung der AG handelt (wie GmbH).
Ergebnisverwendung Bei Jahresüberschuss:
  • Ausgleich eines Verlustvortrags
  • vom verbleibenden Rest sind 5 % in die gesetzliche Rücklage einzustellen (soweit noch erforderlich)
  • vom dann verbleibenden Betrag: Einstellung in die satzungsmäßigen Rücklagen
  • über die Verwendung des Bilanzgewinns entscheidet die HV (z. B. Gewinnrücklage, Dividendenzahlung, Gewinnvortrag).

Bei Jahresfehlbetrag:
  • Ausgleich durch Rücklagen und
  • ggf. Verlustvortrag.
Auflösung Auflösungsgründe sind u. a.:
  • Beschluss der Hauptversammlung (3/4-Mehrheit)
  • Eröffnung des Insolvenzverfahrens
  • satzungsmäßige Auflösungsgründe
  • rechtskräftige Verfügung des Registergerichts.

10. Was ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien?

Eine KGaA ist eine juristische Person, bei der mindestens ein Gesellschafter unbeschränkt haftet, während die Übrigen, die Kommanditaktionäre, nur an dem in Aktien zerlegten Grundkapital beteiligt sind. Für die Kommanditgesellschaft auf Aktien gelten weitgehend die Vorschriften des Aktienrechts.

11. Was ist eine GmbH & Co. KG?

Die GmbH & Co. KG ist eine Rechtsform der Praxis. Rechtlich gesehen handelt es sich um eine Kommanditgesellschaft und somit um eine Personengesellschaft . Der persönlich haftende Gesellschafter ist jedoch eine GmbH , die Kommanditisten sind meist natürliche Personen. Die GmbH ist zur Geschäftsführung innerhalb der KG berechtigt. Sowohl die GmbH als auch die Kommanditisten haften nur bis zur Höhe der Einlagen.

  • Vorteile , z. B.:

    • In der GmbH & Co. KG wird die Aufgabe des persönlich haftenden Gesellschafters von der GmbH übernommen.

    • flexiblere Eigenkapitalbeschaffung über Kommanditeinlagen

    • Kommanditisten sind nicht zur Vertretung berechtigt.

    • als Personengesellschaft hat sie einen Freibetrag bei der Gewerbesteuer.

  • Nachteile , z. B.:

    • hoher Aufwand für die Buchführung (für die KG und die GmbH sind die Bücher zu führen)

    • Die Kreditwürdigkeit ist eingeschränkt (nur das Kapital der GmbH und der Kommanditisten).

    • Gründungskapital von 25.000 € muss erbracht werden.

    • GmbH → Körperschaftsteuer; ausgeschüttete Gewinne an Gesellschafter → Kapitalertragsteuer; daher Doppelbesteuerung.

12. Was ist eine Doppelgesellschaft?

Eine Doppelgesellschaft entsteht in der Regel dadurch, dass ein in einer einheitlichen Rechtsform geführtes Unternehmen (z. B. GmbH, KG oder OHG) in zwei rechtlich selbstständige Unternehmen aufgeteilt wird und dabei die wirtschaftliche Einheit beibehalten wird (Betriebsaufspaltung; vgl. Frage 17.).

  • GmbH geführter Betrieb:

    Er trägt das unternehmerische Risiko wegen der Haftungsbegrenzung der GmbH.

  • Die wesentlichen Teile des Vermögens verbleiben bei einer Personengesellschaft: OHG oder KG. Dieser Betrieb trägt nur ein geringes Haftungsrisiko (Abschirmung durch die GmbH).

Typische Gestaltungsformen der Doppelgesellschaft sind:

  • Wirtschaftliche Einheit
    Besitzpersonengesellschaft + Betriebskapitalgesellschaft
    • Eigentum am Anlagevermögen
    • Finanziert das Anlagevermögen
    • Einnahmen aus Verpachtung des Anlagevermögens
    • Eigentum am Umlaufvermögen
    • Beschaffung Produktion, Absatz
    Hat klar kalkulierbare Aufwendungen (AfA und Zinsen) sowie feste Pachteinnahmen. Trägt das unternehmerische Risiko; die Höhe des Pachtszinses entscheidet darüber, ob der Gewinn überwiegend bei der Personen- oder der Kapitalgesellschaft entsteht.
    Einkommensteuer Körperschaftsteuer
  • Quelle: in Anlehnung an: Wöhe, 2013, S. 280 f.
    Wirtschaftliche Einheit
    Produktionspersonengesellschaft + Vertriebskapitalgesellschaft
    • Eigentum am AV, UV
    • Beschaffung Produktion
    • Investition, Finanzierung
    • Lieferung an Vertriebsgesellschaft zu festen Verrechnungspreisen
    • kein Eigentum am AV, UV
    • Absatz und
    • volles Vertriebsrisiko (Preis, Menge, Forderungsausfälle, Gewährleistung)
    Einkommensteuer Körperschaftsteuer
    Bei hohem Verrechnungspreis entsteht der Gewinn überwiegend bei der Produktionspersonengesellschaft und umgekehrt.

13. Was ist eine Partnerschaftsgesellschaft?

Natürliche Personen, die freiberuflich tätig sind und kein Gewerbe ausüben (Ingenieure, Ärzte, Unternehmensberater, Anwälte u. Ä.), können sich zu einer Partnerschaft zusammenschließen. Der Gesellschaftsvertrag muss schriftlich geschlossen werden. Zweck der Zusammenarbeit kann sein: Nutzung gemeinsamer Büroorganisation, Räume, Kundenbeziehungen, Arbeitsteilung u. Ä. Die Eintragung erfolgt in ein Partnerschaftsregister bei den Amtsgerichten. Der Name der Partnerschaft besteht aus dem Namen mindestens eines Partners und dem Zusatz „Partner“ oder „Partnerschaft“. Außerdem müssen die Berufsbezeichnungen aller Partner aufgeführt werden.

14. Was ist das Wesen einer Genossenschaft?

Genossenschaften sind keine Handelsgesellschaften, da sie keine Gewinne erzielen, sondern einem bestimmten Personenkreis wirtschaftliche Vorteile durch gemeinsames Handeln bringen wollen . Sie sind eine Einrichtung der wirtschaftlichen Selbsthilfe undberuhen auf einem freiwilligen Zusammenschluss insbesondere von Kaufleuten, Handwerkern, Landwirten, Mietern, Verbrauchern. Genossenschaften sind im Genossenschaftsregister eingetragen.

15. Was ist ein Verein?

Vereine (§§ 21 – 79 BGB) sind Personenvereinigungen, die auf eine gewisse Dauer angelegt sind, eine körperschaftliche Verfassung haben und im Bestand vom Wechsel der Mitglieder unabhängig sind.

  • Die Bildung eines Vereins unterliegt keinen Beschränkungen, sofern er keinen verbotenen Zweck verfolgt.

  • Rechtsfähigkeit kann ein Verein erlangen, wenn

    • sein Zweck auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ausgerichtet ist durch staatliche Verleihung (wirtschaftlicher Verein)

    • durch Eintragung im Vereinsregister (eingetragener Verein).

  • Auf Vereine ohne Rechtsfähigkeit findet weitgehend das Recht der Gesellschaft des bürgerlichen Rechts Anwendung.

  • Es muss eine Vereinssatzung geben.

  • Die Mitgliederversammlung muss einen Vorstand wählen.

  • Für die Schulden haftet nur das Vereinsvermögen; die Mitglieder haften nicht persönlich.

16. Wie lassen sich die zentralen Unterschiede der Unternehmensformen im Überblick darstellen?

Unterschiede der Unternehmensformen
Rechtsform Anzahl der Gründer Gründungskapital Haftung Gewinn- und Verlustverteilung Geschäftsführung Steuern
Einzelunternehmen 1 keine Regelung unbeschränkt mit Privat- und Geschäftsvermögen allein Einkommensteuer
GbR mind. 2 unbeschränkt
Offene Handelsgesellschaft (OHG) mind. 2 unmittelbar unbeschränkt solidarisch Gewinn nach Vertrag; sonst 4 % der Kapitaleinlage/Rest nach Köpfen; Verlust solidarisch alle in gleicher Weise
KG mind. 2 (1 Komplementär; 1 Kommanditist) Komplementär: Vollhafter; Kommanditist: mit Kapitaleinlage 4 % der Kapitaleinlage/Rest im angemessenem Verhältnis oder nach Vertrag Komplementär allein; Kommanditist nur Einsichts- und Widerspruchsrecht
AG mind. 1 mind. 50.000 € Gesellschaft mit Vermögen Gewinnverwendung beschließt die Hauptversammlung; Verluste als Vortrag gebucht oder aus Rücklagen gedeckt Vorstand, der vom Aufsichtsrat bestellt wird Körperschaftsteuer
GmbH mind. 25.000 € Gesellschafterversammlung beschließt über Gewinnverwendung; Verluste als Vortrag gebucht oder aus Rücklagen gedeckt Geschäftsführer, den die Gesellschafterversammlung einsetzt
Unternehmergesellschaft, UG (haftungsbeschränkt) mind. 1 mind. 1 € Stammkapital der UG Aus ihren Gewinnen muss die UG jedes Jahr 25 % als Rücklage bilden, solange, bis die 25.000 € Stammkapital erreicht sind. Danach ist eine Umwandlung in die GmbH möglich. 1 Geschäftsführer; ggf. mehrere
Genossenschaft mind. 3 Genossenschaft mit Vermögen; Status kann Haftsumme festlegen Generalversammlung beschließt über Gewinnverwendung; Verluste belasten Geschäftsguthaben der Mitglieder Vorstand, von der Generalversammlung gewählt
Stille Gesellschaft mind. 2 stiller Gesellschafter: nur mit Einlage angemessene Anteile nur Geschäftsinhaber Einkommensteuer

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