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Lagerlogistik

01. Welche Aufgabe hat die Lagerlogistik?

Lagerlogistik ist die Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Entscheidung über den Standort des Lagers, zur Gestaltung der Lagersysteme, Lagerorganisation und Lagertechnik.

Schwerpunkte, z. B.:

  • Flächenmanagement

  • Bestandssteuerung

  • Kommissionierung

  • Eigenlager/Fremdlager

  • Logistikzentren

  • Automatisierung, chaotische Lagerhaltung

  • Identifikationssysteme, Lagerbeschilderung.

02. Welche Einlagerungssysteme gibt es?

Magazinierprinzip

  • Festplatzsystem
    Jedes Material hat seinen festen Lagerplatz (Nummerierung der Gänge, Regale, Fächer z. B. entsprechend der ABC-Analyse).

  • Vorteile: ohne EDV, keine Störanfälligkeit, häufig entnommene Waren sind im vorderen Lagerbereich.

  • Nachteile: keine optimale Ausnutzung der Lager- und Regalflächen.

Lokalisierprinzip

  • Freiplatzsystem (chaotische Lagerung)
    Die Festlegung des Lagerplatzes erfolgt bei jedem Eingang neu.

  • Vorteile: optimale Ausnutzung der Lager- und Regalflächen, Reduzierung des Platzbedarfs

  • Nachteile: Kosten der EDV, bei Störungen kann ein Artikel nicht entnommen werden, ggf. längere Entnahmewege.

03. Welche Kommissioniersysteme sind geläufig?

Kommissioniersysteme

  • Statisch
    „Mann zur Ware“: Lagerpersonal geht zum Regal und entnimmt die Ware; geringe Kommissionierleistung pro Stunde; geeignet für kleine Unternehmen, geringe Investitionen für Lagersysteme.

  • Dynamisch
    „Ware zum Mann“: Die Ware wird durch automatische Fördereineinrichtungen zum Lagerpersonal gebracht; hohe Kommissionierleistung pro Stunde; relativ geringe Fehlerhäufigkeit bei der Kommissionierung; hohe Investitionen für Lagersysteme. Lagerpersonal kann für andere Aufgaben qualifiziert eingesetzt werden.

  • Einstufig
    Jeder Auftrag wird einzeln kommissioniert.

  • Mehrstufig
    Beispiel: Es wird in der 1. Stufe artikelbezogen kommissioniert; in der 2. Stufe erfolgt die Aufteilung nach Aufträgen.

  • Seriell
    Die Positionen eines Auftrags werden nacheinander abgearbeitet.

  • Parallel
    Große Läger sind in Zonen eingeteilt. Für jede Zone ist ein Mitarbeiter verantwortlich. Die Aufträge werden in Teilaufträge entsprechend den Zonen zerlegt. Jeder Mitarbeiter kommissioniert die Waren je Auftrag aus seiner Zone. Danach werden im Ausgangsbereich die Teilaufträge zum jeweiligen Kundenauftrag zusammengestellt. Bei diesem Verfahren besteht ein höheres Risiko der Falsch- oder Fehllieferung.

04. Wann ist die optimale Lagergröße erreicht?

Die optimale Lagergröße ist zunächst vom Umsatz, der Verkaufsfläche und der beschäftigten Personen abhängig. Bei der Beschaffung von größeren Mengen für einen längeren Zeitraum fallen infolge der Ausnutzung von Mengenrabatten die Beschaffungskosten, es steigen die Lager- und Zinskosten und ein höherer Kapitalbetrag ist im Lager gebunden; der Bestellung kleinerer Mengen liegen höhere Beschaffungskosten und niedrigere Zins- und Lagerkosten bei niedrigerer Kapitalbindung zugrunde. Es stellt sich somit das Problem, denjenigen Lagerbestand zu ermitteln, bei dem die Beschaffungs- und Lagerkosten minimiert sind, was bedeutet, dass die Hauptkosten wie Personalkosten, Kosten des Unterhalts des Lagers, Warenkosten laufend festgehalten und bestimmte Kennzahlen ermittelt werden.

05. Wovon ist die Lagerplanung abhängig?

Die Lagerplanung ist abhängig von:

  • der Gesamtzahl der Artikel

  • den besonderen Lagerbedingungen (z. B. Raumtemperatur, Geruchsempfindlichkeit, Feuchte, Feuerschutz )

  • dem maximalen Lagerbestand pro Artikel

  • der Umschlagshäufigkeit

  • den Abmessungen und Gewichten der Lagerware.

06. Welche Methoden zur Mengenerfassung in der Lagerbuchhaltung gibt es?

Lagerbestands- und Verbrauchsrechnung

  • Skontraktionsmethode
    (auch: Fortschreibungsmethode):

    Alle Zu- und Abgänge werden fortlaufend erfasst und zwar in Lagerkarteien, auf Lagerbegleitkarten oder mithilfe der EDV. Sie wird auch als Fortschreibungsmethode bezeichnet.

    $$Anfangsbestand\; +\; Zugang\; -\; Abgang\; =\; Endbestand$$

  • Inventurmethode
    (auch:) Bestandsdifferenzrechnung, Befundrechnung

    Hierbei wird auf die laufende Erfassung der Zu- und Abgänge verzichtet. Der Lagerbestand wird mithilfe von körperlichen Inventuren ermittelt. Verbräuche können dann entsprechend errechnet werden.

    $$Anfangsbestand\; +\; Zugang\; -\; Endbestand\; =\; Verbrauch$$

  • Retrograde Methode
    Hierbei wird der Lagerbestand aus der tatsächlich hergestellten Stückzahl zurückgerechnet. Sie wird auch als Rückrechnung bezeichnet.

Zu den Kennzahlen der Lagerhaltung vgl. ausführlich unter >> 4.6.4.

07. Welchen Zweck erfüllt die Werterfassung bei der Lagerbuchhaltung?

  • Nachweis über den Verbleib der am Lager geführten Materialien nach Handels- und Steuerrecht.

  • Erfassung von Zu- und Abgängen sowie Beständen für die Buchhaltung, Kostenrechnung und Kalkulation.

  • Erfassung der Zu- und Abgänge sowie der Bestände für die Materialabrechnung.

08. Was versteht man unter dem Prinzip der Einzelbewertung und welche Ausnahmen gibt es?

  • Nach § 240 Abs. 1 HGB muss jedes Wirtschaftsgut und jede Schuld einzeln bewertet werden.

  • Auch im Steuerrecht wird die Einzelbewertung im § 6 Abs. 1 des EStG ausdrücklich verlangt.

  • Das bedeutet, dass nicht mehrere Wirtschaftsgüter eines Unternehmens zusammengefasst werden dürfen. Weiterhin wird im § 246 Abs. 2 HGB ein Verrechnungsverbot festgeschrieben, wonach die Posten der Aktivseite nicht mit der Passivseite verrechnet werden dürfen.

  • Das bisher geltende handelsrechtliche Saldierungsverbot erhält durch die Ergänzung des § 246 Abs. 2 HGB-E eine Aufweichung. Vermögensgegenstände, die ausschließlich der Erfüllung von Schulden dienen, sollen mit diesen Schulden verrechnet werden.

  • Der allgemeine Bewertungsmaßstab sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, wobei durch das BilMoG für zu Handelszwecken erworbene Finanzinstrumente (z. B. Aktien, Schuldverschreibungen, Optionsscheine, Swaps usw. mit dem Verkehrswert anzusetzen sind.

  • Da die Einzelbewertung in den Unternehmen oft zu erheblichem organisatorischen Aufwand führen kann (z. B. schwankende Einkaufspreise), sind bestimmte Vereinfachungsmethoden in der Bewertung für diese Fälle zulässig. Das sind die Gruppen- oder Sammelbewertung, die Festwertbewertung, die Durchschnittsbewertung und die Bewertung nach der Verbrauchsfolge.

09. Welche Verfahren der Bewertungsvereinfachung sind zulässig?

Wie bereits in Frage 09. erwähnt, ist in vielen Unternehmen eine Einzelbewertung nicht möglich. Für diese Fälle sind bestimmte Verfahren der Bewertungsvereinfachung zugelassen:

VerfahrenVoraussetzungenGesetzliche Grundlagen
Gruppen- oder SammelbewertungGleichartige Vermögensgegenstände des Vorratsvermögens sowie andere gleichartige oder annähernd gleichwertige bewegliche Vermögensgegenstände.§ 240 Abs. 4 HGB
§ 256 Satz 2 HGB
R 6.8 EStR
FestwertbewertungSachanlagevermögen, sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, deren Bestand keinen oder nur sehr geringen Schwankungen unterliegen, die regelmäßig ersetzt werden und im Gesamtwert für das Unternehmen von nachrangiger Bedeutung sind.§ 240 Abs. 3 HGB
§ 256 Satz 2 HGB
R 5.4 EStR/H 6.4 EStH
DurchschnittsbewertungGleichartige Vermögensgegenstände des Vorratsvermögens sowie andere gleichartige oder annähernd gleichwertige bewegliche Vermögensgegenstände, bei denen sich die Anschaffungs- oder Herstellungskosten nicht einwandfrei feststellen lassen.§ 240 Abs. 2 HGB
§ 256 Satz 2 HGB
R 6.8 EStR
VerbrauchsfolgeverfahrenHier wird unterstellt, dass bei gleichartigen Vermögensgegenständen des Vorratsvermögens, die zuerst oder zuletzt angeschafften oder hergestellten Vermögensgegenstände zuerst oder in einer sonstigen bestimmten Folge verbraucht oder veräußert werden:
  • Lifo-Verfahren
  • Fifo-Verfahren.

Diese Verbrauchsfolgen sind nur anwendbar, wenn sie den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung entsprechen.
Neu: Verbot nach § 256 Satz 1 HGB-E
Steuerrechtlich ist nur das Lifo-Verfahren anwendbar:
§ 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG

10. Was ist Vendor Managed Inventory?

Vendor Managed Inventory (VMI) ist ein neueres Konzept zur Verlagerung der Bestandsführung vom Handel auf den Lieferanten.

11. Welche Aufgaben sind im Rahmen des Lager-Flächenmanagements zu bearbeiten?

Der Lagerflächenbedarf ist abhängig von folgenden Faktoren:

  • Lagergut und seinen Eigenschaften

  • Betriebsform (z. B. Großhandel/Einzelhandel)

  • Bestandsvolumen

  • Manipulations- und Verkehrsfläche

  • Bauart und Lagerraumhöhe.

Je größer die Lagerfläche ist, desto höher sind im Regelfall die damit verbundenen Kosten (u. a. Grundstück, Gebäude, Transportwege). Der Handel ist deshalb bestrebt, die Lagerflächen zu minimieren ohne die Servicequalität zu verringern. Dies ist zum Beispiel möglich durch eine nachfragesynchrone Belieferung, die den Warenbestand am Lager des Handelsbetriebes deutlich reduziert. Zum anderen können geeignete Lagertechniken genutzt werden, um die Höhe der Lagerräume zu nutzen. Mit wachsender Lagerraumhöhe bei gleich bleibendem Flächenutzungsgrad sinkt der Bedarf an Lagerfläche. Für die Entscheidung über die Flächennutzung ist dann ein Vergleich der eingesparten Grundstückskosten zum Zusatzaufwand an Lagertechnik erforderlich.

Im Rahmen des Lagerflächenmanagements ist also vor allem über folgende Fragen zu entscheiden:

  • Lagerfläche (z. B. Größe und Tragfähigkeit)

  • Lagerhöhe

  • Anordnung der Verkehrswege

  • Verhältnis der Verkehrswege zur Lagerfläche

  • Fläche für Sozial- und Verwaltungsräume

  • Fläche für Wareneingang/-ausgang und Warenmanipulation

  • Bereitstellungszone (z. B. für Lkw-Verkehr).

Beispiel

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Grundriss eines Großhandelslagers (Prinzipskizze):

imported

Produktivität und Wirtschaftlichkeit des Lagers und der Lagereinrichtung lassen sich z. B. mit folgenden Kennzahlen messen:

$$Flächennutzungsgrad = \frac{GenutzteLagerfläche}{Vorhandene\; Lagerfläche}$$

$$Flächennutzungsgrad = \frac{Fläche\; pro\; Regaleinrichtung}{gesamte\; Lagerfläche}$$

$$Raumnutzungsgrad = \frac{Genutzter\; Lagerraum}{Vorhandener\; Lagerraum}$$

$$Höhennutzungsgrad = \frac{Genutzte\; Lagerhöhe}{Vorhandene\; Lagerhöhe}$$

$$Nutzungsgrad\; der\; Lagertransportmöglichkeit = \frac{Transportierte\; Menge}{Transportkapazität}$$

$$Einsatzgrad = \frac{Einsatzzeit}{Arbeitszeit}$$

$$Ausfallgrad = \frac{Stillstandszeit}{Einsatzzeit}$$

12. Welche Bedeutung hat die Frachtraumoptimierung?

Der Laderaum auf dem Lkw und Ähnliches ist teuer. Daher muss eine optimale Nutzung von Verpackungen und Transportbehältern vorgenommen werden (z. B. geeigneten Versandkartonage, optimale Palettenbildung, maximale Auslastung des Laderaumes). Hier lasssen sich durch die Reduzierung von Versand- und Transporteinheiten Kosten sparen. Teilweise werden heute dazu EDV-Systeme, Programme zur Frachtraumoptimierung und Palettenscanner eingesetzt.