Kursangebot | Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen | Entscheidungsorientierte Teilkostenrechnung

Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen

Entscheidungsorientierte Teilkostenrechnung

Hinweis

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Im Rahmen der entscheidungsorientierten Teilkostenrechnung werden hier behandelt:

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01. Welche Aussagekraft hat die Ermittlung der „kritischen Menge“ im Rahmen der Kostenvergleichsrechnung?

  • Die kritische Menge

    Im Rahmen der Break-Even-Analyse ist die kritische Menge erreicht, wenn U = K. Im Gebiet der statischen Investitionsrechnung (vgl. 1.1.4) bezeichnet man als kritische Menge die Menge, bei der eine Investition gerade vorteilhaft wird.
     (auch: Grenzstückzahl) ist die Menge, bei der zwei verschiedene Verfahren mit gleichen Kosten arbeiten.
  • Allgemein gilt für die kritische Stückzahl x:

    $$K_1 \; = \; K_2$$

    $$K_{f1}\;+\;x\;\cdot\;k_1\;=\;K_{f2}\;+\;x\;\cdot\;k_2$$ 

    $$K_{f1} + x \;\cdot\; k_{1} = K_{f2} + x \;\cdot\; k_{2}$$

    $$↓$$

    $$x = \frac{K_{f1} – K_{f2}}{k_2 – k_1} = \frac{K_{f2} – K_{f1}}{k_1 – k_2}$$

     $$↓$$

    $$Grenzstückzahl = \frac{Fixkosten_1\; – \;Fixkosten_2}{variable\; Stückkosten_2 \;–\; variable\; Stückkosten_1}$$

    Betrachtet man die Formel, so lässt sich leicht erkennen, dass die Errechnung der kritischen Menge auf der Differenz der Fixkosten und der Differenz der variablen Stückkosten beruht

2. Wie ist ein Zusatzauftrag mithilfe der Deckungsbeitragsrechnung zu bewerten?

Als Zusatzauftrag bezeichnet man alle Aufträge, die zu Preisen unterhalb der derzeitigen Verkaufspreise angenommen werden. Dadurch soll erreicht werden:

  • bessere Nutzung der zur Zeit nicht ausgelasteten Kapazität
  •  Verbesserung des Periodenerfolgs

  •  zusätzliche Ausschöpfung des Marktpotenzials.

Die Annahme eines Zusatzauftrages ist dann vorteilhaft, wenn der Gewinn bei Annahme mindestens so hoch ist wie bei Ablehnung. Der Erlös des Zusatzauftrages muss also mindestens seine variablen Kosten decken. Die fixen Kosten sind bereits durch die Erlöse der bisherigen Fertigung gedeckt. Die Fragestellung ist mithilfe der Deckungsbeitragsrechnung zu beantworten.

03. Wie lässt sich die optimale Maschinenauswahl ermitteln?

Die optimale Maschinenauswahl (auch: optimales Fertigungsverfahren) lässt sich z. B. mithilfe der Kostenvergleichsrechnung ermitteln (vgl. Frage 01., kritische Menge):

Merke

Hier klicken zum AusklappenBei Überschreiten der kritischen Menge ist das kostengünstigere Verfahren zu wählen; es ist das Verfahren, das zwar höhere Fixkosten aber geringere variable Kosten hat.

04. Wie lässt sich kurzfristig die Maschinenbelegung mithilfe der Deckungsbeitragsrechnung optimieren?

Bedingungen:

  • Es liegt kein Engpass vor.

  • Die Anlagen sind insgesamt nicht ausgelastet.

  • Kurzfristig können oder sollen keine neuen Anlagen beschafft werden.

  • Das oder die Erzeugnisse können auf allen Anlagen gefertigt werden.

Lösung:

Es werden die Anlagen genutzt, die die geringsten variablen Stückkosten haben bzw. die den höchsten Deckungsbeitrag erwirtschaften. Die fixen Kosten je Anlage bleiben unberücksichtigt, da sie kurzfristig unveränderbar sind.

Beispiel

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Derzeit wird auf zwei Anlagen unter folgenden Bedingungen gefertigt:

  Anlage 1Anlage 2gesamt
KapazitätStück/Monat8.0004.000 
Fertigungsmenge
(= Absatzmenge)
8.0004.00012.000
Variable Kosten€/Stück2,504,50 
Fixe Kosten€/Monat10.00014.00024.000
Verkaufspreis€/Stück6,506,50 

Bedingung:

Im kommenden Monat wird mit einer Verringerung des Absatzes um 3.000 Stück gerechnet. Bei Teilkostenbetrachtung ergibt sich daher folgende Situation:

  Anlage 1Anlage 2
   Stückpreis€/Stück6,506,50
–  variable Stückkosten2,504,50
= db4,002,00

Bei dem Auswahlproblem wird auf Anlage 1 die unveränderte Menge gefertigt, da sie den höchsten Stückkostendeckungsbeitrag erwirtschaftet. Der Absatzrückgang geht zulasten der Anlage 2.

Ergebnis:

Variante 1Anlage 1: 8.000 Stk.Anlage 2: 1.000 Stk. 
Deckungsbeitrag€/Monat4 • 8.0002 • 1.000
32.0002.00034.000

Im Vergleich dazu würde der Absatzrückgang zulasten der Anlage 1 einen insgesamt geringeren Deckungsbeitrag ergeben:

Variante 2Anlage 1: 5.000 Stk.Anlage 2: 4.000 Stk. 
Deckungsbeitrag€/Monat4,00 • 5.0002,00 • 4.000
20.0008.00028.000

05. Welche Variablen entscheiden über Eigen- oder Fremdfertigung?

Die Entscheidung über Eigen- oder Fremdfertigung (Make-or-Buy-Analyse; MoB) ist abhängig von

  • qualitativen Gesichtspunkten, z. B.:

    Abhängigkeit von Lieferanten, Qualitätssicherung beim Lieferanten, Zuverlässigkeit und

  • Kostengesichtspunkten:

    kurzfristige EntscheidungKurzfristig wird die vorhandene Produktionsausstattung als Datum gesehen. Liegt kein Engpass vor, so wird eigengefertigt, wenn der Einkaufspreis pro Stück (p) über den variablen Stückkosten (kv) liegt. Die fixen Kosten werden bei der kurzfristigen Betrachtung nicht beachtet, da sie unabhängig vom Fremd- oder Eigenbezug anfallen.

    Eigenfertigung, wenn $p > k_v$
    langfristige EntscheidungHier werden die Produktionsbedingungen als veränderbar gesehen. Eigenfertigung und Fremdbezug werden meist im Wege der Kostenvergleichsrechnung (statische Investitionsrechnung) gegenübergestellt unter Einbeziehung der fixen und variablen Kosten bei der Eigenfertigung und den Bezugskosten der Fremdfertigung. Alternativ können dynamische Verfahren der Investitionsrechnung eingesetzt werden. Die Berechnung ist aufwendiger aber geeigneter.