Kursangebot | Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen | Prozesskostenrechnung

Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen

Prozesskostenrechnung

01. Was ist ein Prozess?

1. Definition:

Ein Prozess ist eine strukturierte Abfolge von Aktivitäten zwischen einer Ausgangssituation und einer Ergebnissituation. Alternativ: Ein Prozess ist gekennzeichnet durch Anfang und Ende, sachlich und zeitlich zusammenhängende Aufgaben, gemeinsame Informationsbasis.

Ein Prozess hat einen Input (Arbeit, Betriebsmittel usw.), eine Leistungserstellung (Aktivitäten) und einen Output (Produkt, Dienstleistung usw.).

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Prozesse haben einen hohen Wiederholungscharakter.

2. Definition:

Ein Prozess ist gekennzeichnet durch

  • Anfang und Ende,

  • sachlich und zeitlich zusammenhängende Aufgaben und

  • gemeinsame Informationsbasis.

02. Welche Prozessarten werden unterschieden?

Prozessarten
nach dem Inhaltnach der Bedeutungnach der Hierarchie
  • Geschäftsprozesse
  • Logistikprozesse
  • Fertigungsprozesse
  • Kernprozesse (wertschöpfend)
  • Supportprozesse (unterstützend)
  • Nicht wertschöpfende Prozesse
  • Hauptprozesse
  • Teilprozesse

03. Von welchem gedanklichen Ansatz geht die Prozesskostenrechnung aus?

Die Prozesskostenrechnung (PKR) sieht das gesamte betriebliche Geschehen als eine Folge von Prozessen (Aktivitäten). Zusammengehörige Teilprozesse werden kostenstellenübergreifend zu Hauptprozessen zusammengefasst.

Beispiel

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Zusammenfassung von Teilprozessen zu Hauptprozessen (Ausschnitt)

TeilprozesseHauptprozesse
  • Material disponieren
  • Material bestellen
  • Material annehmen, prüfen und lagern
1 Material beschaffen
  • Fertigung planen
  • Fertigung veranlassen
  • Fertigung steuern
  • Teile/Baugruppen zwischenlagern
  • Baugruppen montieren
  • Versand vorbereiten
  • Versand ausführen (Transport)
2 Fertigungsaufträge ausführen
  • Fertigungsauftrag fakturieren
  • Rechnung versenden
  • Zahlungseingang überprüfen
  • außergerichtliches Mahnwesen steuern
  • ggf. gerichtliche Mahnung veranlassen
3 Debitorenbuchhaltung steuern

Bei der Prozesskostenrechnung steht also der Prozess im Vordergrund der Betrachtung und nicht mehr die einzelne Kostenstelle – wie bei der Zuschlagskalkulation.

04. Welche Bezugsgrößen wählt die Prozesskostenrechnung (PKR) zur Verteilung der Gemeinkosten?

Die PKR ist eine Vollkostenrechnung und gliedert die Prozesse in

1. leistungsmengeninduzierte Aktivitäten (lmi)
z. B. Materialbeschaffung: Bestellvorgang, Transport, Ware prüfen
mengenvariabel zum Output
2. leistungsmengenneutrale Aktivitäten (lmn)
z. B. Materialwirtschaft: Leitung der Abteilung
mengenfix zum Output
3. prozessunabhängige Aktivitäten (pua)
z. B. Kantine, Arbeit des Betriebsrates
unabhängig vom Output

Primäre Aufgabe der PKR ist die Ermittlung der sog. „ Kostentreiber “ (Cost Driver) je leistungsmengeninduzierter Aktivität .

Typische Beispiele für Kostentreiber sind:

TeilprozesseKostentreiber – Beispiele
  • Material bestellen
Anzahl der Bestellungen
Anzahl der Fertigungsaufträge
  • Fertigung planen
  • Fertigung veranlassen
  • Fertigung steuern
  • Fertigungsabteilung leiten
kein Kostentreiber (lmn)
  • Teile/Baugruppen zwischenlagern
Anzahl der Transportbewegungen
Anzahl der Teile
  • Baugruppen montieren
Anzahl der Baugruppen
Anzahl der Verrichtungen je Montagevorgang
  • Versand vorbereiten
Anzahl der Versandstücke
Anzahl der Verrichtungen je Versandvorgang
  • Fertigungsauftrag fakturieren
Anzahl der Rechnungen
  • Rechnung versenden
  • Zahlungseingang überprüfen
Anzahl der Kunden

05. Wie wird der Prozesskostensatz ermittelt?

Für die lmi-Teilprozesse ist der Teilprozesskostensatz:

 

$$Teilprozesskostensatz = \frac{lmi-Teilprozesskosten}{Teilprozessmenge}$$

Beispiel

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Datenbasis in Auszügen; geschätzt für eine Periode

TeilprozessKostentreiberlmi-Prozessmenge
(Stück)
Teilprozesskosten
(in €)
lmilmn
1Angebote einholenAnzahl der Angebote3004.000 
2Material bestellenAnzahl der Bestellungen5007.500 
3Abteilung Einkauf leiten40.000
4Auftrag fakturierenAnzahl der Rechnungen90010.800
Summe der Kosten 22.30040.000

Berechnung der Teilprozesskostensätze:

TeilprozessBerechnungTeilprozesskostensatz
14.000 € : 300= 13,33 €/Angebot
27.500 € : 500= 15 €/Bestellung
410.800 € : 900= 12 €/Bestellung

 

$$Umlagesatz = \frac{lmn-Prozesskosten}{Summe\; Prozesskosten} \;\cdot\; Teilprozesskostensatz$$

TeilprozessUmlagesatzGesamter Teilprozess-kostensatz = Teilprozesskostensatz + Umlagesatz
1(40.000 € : 22.300 €) • 13,33 €/Angebot = 23,91 €/Angebot13,33 €/Angebot + 23,91 €/Angebot = 37,24 €/Angebot
2(40.000 € : 22.300 €) • 15 €/Bestellung = 26,91 €/Bestellung15 €/Bestellung + 26,91 €/Bestellung = 41,91 €/Bestellung
4(40.000 € : 22.300 €) • 12 €/Rechnung = 21,52 €/Rechnung12 €/Rechnung + 21,52 €/Rechnung = 33,52 €/Rechnung

06. Wie werden die Hauptprozesskostensätze ermittelt?

In der Regel wird nicht mit Teilprozesskostensätzen kalkuliert sondern mit Hauptprozesskostensätzen ; dazu werden die Teilprozesskostensätze je Hauptprozess addiert.

Beispiel

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Schematische Darstellung

HauptprozessTeilprozessTeilprozesskostensatz
  1.167
  1.212
  1.315
1 Hauptprozesskostensatz 94
 2.120
2.210
2.330
2.430
2 Hauptprozesskostensatz 90

07. Wie ist das Grundschema bei der Kalkulation mit Hauptprozesskostensätzen?

Die Hauptprozesskostensätze werden in die Kostenträgerrechnung übertragen.

Grundschema einer Prozesskostenkalkulation
 Materialeinzelkosten
+MaterialprozesskostenMenge/Cost DriverHauptprozesskostensatz
+Rest-Materialgemeinkosten Zuschlagssatz
= Materialkosten
 Fertigungseinzelkosten  
+FertigungsprozesskostenMenge/Cost DriverHauptprozesskostensatz
+Rest-Fertigungsgemeinkosten Zuschlagssatz
+Sondereinzelkosten der Fertigung  
= Fertigungskosten
= Herstellkosten
 Verwaltungsgemeinkosten Zuschlagssatz
+VertriebsprozesskostenMenge/Cost DriverHauptprozesskostensatz
+Rest-Vertriebsgemeinkosten Zuschlagssatz
+Sondereinzelkosten des Vertriebs
= Selbstkosten (pro Stück/pro Auftrag)