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Finanzwirtschaftliche Ziele

01. Wie ist der Zusammenhang von Finanzierung und Investition?

  • Finanzierung im engeren Sinne ist die Beschaffung von Kapital (Geld, Sachgüter, Rechte), das zur Leistungserstellung benötigt wird (Passivseite der Bilanz: Mittelherkunft).

  • Finanzierung im weiteren Sinne umfasst neben der Kapitalbeschaffung auch die Steuerung der Zahlungsströme und die Kapitaldisposition/-politik (Kapitalumschichtung/-rückzahlung).

  • Investition ist die Verwendung finanzieller Mittel für Vermögensteile. Sie zeigt sich auf der Aktivseite der Bilanz, in den Positionen Anlage- und Umlaufvermögen.

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02. Mit welchen zentralen Fragen beschäftigt sich die Finanzierung?

► Wie groß ist der Kapitalbedarf?Höhe?
► Wann entsteht welcher Kapitalbedarf?Zeitpunkt?
► Welche Finanzierungsform ist optimal?Formen?
► Zu welchen Konditionen erfolgt die Finanzierung?Konditionen?

03. Welche Ziele verfolgt die Finanzwirtschaft?

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Liquidität (= Zahlungsfähigkeit: Zeitpunkt + Höhe):
Unter Liquidität versteht man die Fähigkeit, zu jeder Zeit den Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Je höher die Liquidität, desto sicherer das Unternehmen.

Man unterscheidet folgende Liquiditätsbegriffe:

  1. Als absolute Liquidität bezeichnet man die Eigenschaft von Vermögensteilen, als Zahlungsmittel verwendet oder in flüssige Mittel umgewandelt werden zu können. Ein Vermögensteil hat eine umso höhere Liquidierbarkeit, je schneller es sich in Zahlungsmittel umwandeln lässt.

    1.1

    Die natürliche (auch: ursprüngliche) Liquidität ist die Eigenschaft von Vermögensteilen, durch den betrieblichen Leistungsprozess in flüssige Mittel umgewandelt zu werden. Ein Unternehmen kauft z. B. RHB-Stoffe am Beschaffungsmarkt, produziert Waschmittel und erhält durch den Verkauf über die Umsatzerlöse wieder liquide Mittel.

    1.2

    Als künstliche (auch: vorzeitige) Liquidität bezeichnet man den Vorgang, dass Vermögensteile vorzeitig verkauft werden (ggf. mit Wertabschlag).

  2. Die relative Liquidität sagt aus, ob ein Unternehmen allen Zahlungsverpflichtungen fristgerecht nachkommen kann.

    2.1

    Die statische Liquidität bezieht sich auf einen bestimmten Zeitpunkt. Unterschieden werden folgende Liquiditätsgrade:

    $$Liquidität\; 1.\; Grades\; auch:\; Barliquidität = \frac{Flüssige\; Mittel}{Kurzfristige\; Verbindlichkeiten} * 100$$

    $$Liquidität\; 2.\; Grades\; auch:\; Einzugsliquidität = \frac{(Flüssige\; Mittel\; +\; kurzfristige\; Forderungen)}{Kurzfristige\; Verbindlichkeiten} * 100$$

    $$Liquidität\; 3.\; Grades\; auch:\; Umsatzliquidität = \frac{(Flüssige\; Mittel\; +\; kurzfristige\; Forderungen\; +\; Vorräte)}{Kurzfristige\; Verbindlichkeiten} * 100$$

    2.2

    Die dynamische Liquidität bezieht sich auf einen bestimmten Zeitraum. Sie wird sichergestellt durch den Einsatz der Instrumente „Finanzplanung“ und „Finanzdisposition“.

Rentabilität:
Die Rentabilität misst die Ergiebigkeit des Kapitaleinsatzes. Die Kennziffer wird gebildet als Verhältniszahl von Gewinn (auch: Ertrag, Return) und Kapitaleinsatz). Die Rentabilität ist eine wichtige Größe im Rahmen der Investitionsrechnung. Betrachtet werden vor allem folgende Rentabilitäten:

$$Eigenkapitalrentabilität = \frac{Gewinn}{Eigenkapital} * 100$$

Zeigt die Beziehung von Gewinn (= Jahresüberschuss) zu Eigenkapital (= Grundkapital + offene Rücklagen)

$$Gesamtkapitalrentabilität = \frac{Gewinn\; +\; Fremdkapitalzinsen}{Gesamtkapital} * 100$$

Zeigt die Beziehung von Gewinn und Fremdkapitalzinsen zu Gesamtkapital; Verzinsung des Gesamtkapitals zeigt die Leistungsfähigkeit des Unternehmens (→ Leverage-Effekt).

$$Umsatzrentabilität = \frac{Gewinn}{Umsatz} * 100$$

Zeigt die relative Erfolgssituation des Unternehmens: Niedrige Umsatzrenditen bedeuten i. d. R. eine ungünstige wirtschaftliche Entwicklung (siehe: Branchenvergleich und Zeitvergleich über mehrere Jahre).

$$ROI\; Return\; on\; Investment = \frac{Gewinn}{Umsatz}*\frac{Umsatz}{investiertes\; Kapital}* 100$$

Gewinn inkl. Fremdkapitalzinsen; daher Gesamtkapitalrentabilität = ROI.

Sicherheit:
Das finanzwirtschaftliche Ziel der Sicherheit ist unter mehreren Aspekten zu betrachten:

  • Für den Kapitalnehmer bedeutet „Sicherheit“, dass

    • die Kapitalverwendung mit möglichst geringen Risiken verbunden ist (zukünftige Erträge von Investitionen, Geldwertschwankungen, vorzeitige technologische Überalterung)

    • die Form der Finanzierung mit möglichst geringen Risiken behaftet ist (Zinsrisiko, Zuverlässigkeit des Kreditgebers, Laufzeit des Kredites, vorzeitige Kündigung).

  • Für den Kreditgeber bedeutet „Sicherheit“, dass

    • seine Kapitaleinlage (möglichst) nicht durch Haftungsrisiken bedroht ist Haftungsausschluss, Kreditsicherheiten, Prüfung der Kreditwürdigkeit)

    • Verzinsung und Tilgung in vereinbarter (erwarteter) Höhe fließen.

  • Unabhängigkeit:
    Das Ziel der Unabhängigkeit der Finanzwirtschaft bedeutet, in der Führung des Unternehmens möglichst frei von Beeinflussungen der Kapitalgeber zu sein. Wachsende Fremdfinanzierung ist i. d. R. verbunden mit einer Zunahme der Informationspflichten, der Kontrollen, der Beeinflussung unternehmerischer Entscheidungen sowie der Sicherheitsleistungen.

04. Welche finanzwirtschaftlichen Zielkonflikte existieren?

Finanzwirtschaftliche Zielkonflikte (Beispiele)
Rentabilität LiquiditätEine hohe Liquidität kann mit einem hohen Kapitaleinsatz verbunden sein → Sinken der Rentabilität.
Das Bereithalten liquider Mittel kann im Rahmen der Finanzdisposition die ertragsreiche Anlage von Kapital vermindern → sinkende Zinserträge, Sinken der Rentabilität.
Langfristig können positive Ertragslagen nur gesichert werden, wenn kontinuierlich die erforderlichen Investitionen getätigt werden. Dies kann zu Liquiditätsengpässen führen.
RentabilitätSicherheitIn der Regel sind ertragsreiche Investitionen mit höheren Risiken verbunden.
Unter dem Aspekt der Sicherheit könnte eine möglichst hohe Finanzierung durch Eigenkapital gefordert werden. Dagegen kann die Aufnahme von Fremdkapital aufgrund des Leverage-Effektes stehen.
Liquidität UnabhängigkeitEine hohe Liquidität kann zur Aufnahme von Fremdkapital und damit zur Abhängigkeit von Kreditgebern führen.