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Unterweisungen→ AEVO

01. Welche Anlässe für Unterweisungen gibt es?

  • Die wesentlichsten Anlässe sind:

    • Einstellungen, Umsetzungen im Betrieb

    • im Betriebsablauf sind völlig neue Tätigkeitsbilder entstanden

    • Aufnahme von Arbeiten mit besonders hohen Risiken

    • Umgang mit Gefahrstoffen

    • neue Maschinen/Verfahren im Betrieb

    • nach aktuellen Unfallereignissen im Betrieb.

  • Bei grundlegenden Unterweisungen (Einführung neuer Mitarbeiter) informieren Sie über:

    • allgemeine Regelungen im Betrieb

    • Vorstellen von Kollegen, Vorgesetzte und dem zuständigen Sicherheitsbeauftragten

    • Rettungswege, Fluchtwege, Warnsignale, Brandschutz, Erste Hilfe

    • Verhalten bei Unfällen.

  • Bei arbeitsbezogenen Unterweisungen informieren Sie über:

    • Arbeitsverfahren und spezielle Gefahren der zugewiesenen Maschinen

    • Benutzung von Sicherheitseinrichtungen, Werkzeugen und PSA

    • Verbot gefährlicher Arbeiten.

02. Welche Arten von Unterweisungen gibt es?

  • Einzelunterweisungen:

    → Einzelne Personen werden unterwiesen.

  • Sonderunterweisungen:

    → Dies sind Unterweisungen, die nicht regelmäßig durchgeführt werden und sich in der Regel an besonders schweren Unfällen, aber auch an Schadensfällen im Betrieb orientieren.

  • Regelunterweisungen:

    → Bei Regelunterweisungen handelt es sich um die bekannten regelmäßig nach Plan durchgeführten Unterweisungen.

03. Welche Zeitpunkte sind für die Unterweisung günstig?

Unterweisungen finden grundsätzlich während der Arbeitszeit statt. Ungünstig ist immer das Schichtende. Die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter ist nach Schichtende nicht mehr gegeben. Es wurde häufig beobachtet, dass die Mitarbeiter während der Unterweisung sogar zeitweilig eingeschlafen sind.

Vor Beginn der Schicht liegt der günstigste Zeitpunkt für die Unterweisung. Der Beginn einer bestimmten, besonderen Arbeit bietet sich ebenfalls als günstiger Zeitpunkt an. Muss eine Unterweisung in Zeiträume von Arbeitsunterbrechungen gelegt werden, sollte die Unterweisung immer nach einer Pause erfolgen – nie davor.

04. Wie sollte eine Unterweisung gestaltet werden?

Eine Unterweisung sollte immer sehr lebendig gestaltet werden und die bekannten Methoden der AEVO berücksichtigen.

  • Bei der Vorbereitung bedenken Sie bitte genau:

    • Ziel/Thema

    • persönliche Eigenarten der Mitarbeiter

    • Argumente, mögliche Gegenargumente

    • Beweggründe der Mitarbeiter

    • Art der Durchführung und Abschluss.

  • Bei der Durchführung beachten Sie bitte:

    • Immer bei Tatsachen bleiben!

    • Stellen Sie offene Fragen!

    • Stellen Sie die Vorteile des sicheren Verhaltens in den Vordergrund!

    • Halten Sie die Ergebnisse fest (Visualisierung, Sichtprotokoll)!

  • Gestaltungsprinzipien sind u. a.:

    • Benutzen Sie so viele Kanäle der Kommunikation wie möglich, nicht nur die Sprache.

    • Der Einsatz von Mimik, Körpersprache, Gestik sowie

    • die Visualisierung der Inhalte und

    • die aktive Mitgestaltung der Mitarbeiter sichern den Erfolg.

05. Welcher Ort ist für die Unterweisung am günstigsten?

Sehr gute Lernerfolge bieten Unterweisungen direkt am Arbeitsplatz. Am Arbeitsplatz ist es möglich, sichere Verhaltensweisen vor Ort zu üben. Solche praktischen Unterweisungen sind deswegen meist sehr erfolgreich. Störender Lärm und Unruhe durch die Fertigungs- oder Logistikprozesse sorgen aber leider häufig dafür, dass eine Unterweisung direkt am Arbeitsplatz nicht möglich ist. Störender Lärm sollte auf alle Fälle vermieden werden.

Der Raum sollte ausreichend groß sein; frische, sauerstoffreiche Luft ist wichtig. Der Raum sollte zweckmäßig eingerichtet sein. Oft bieten Pausenräume, manchmal aber auch das Meisterbüro einen guten Rahmen.

Große Unternehmen verfügen häufig über Schulungsräume. Sind solche vorhanden, reservieren Sie den Raum rechtzeitig und nutzen Sie die guten Bedingungen, auch wenn der Weg dorthin vielleicht etwas länger ist.

06. Wie groß sollte die Gruppe sein?

Ideal sind Gruppen zwischen 6 bis 10 Personen. Es ist bei dieser Gruppengröße noch gut möglich, auf den Einzelnen einzugehen und im Dialog zu arbeiten. Wenn der Meisterbereich sehr groß ist, teilen Sie die Belegschaft zur Unterweisung in kleinere Gruppen auf.

07. Wie geht man zweckmäßig bei der Durchführung der Unterweisung vor?
→ A 3.3

  • Die Mitarbeiter müssen für das Thema interessiert werden. Der Unterweiser darf nicht nur informieren, sondern muss auch motivieren.

  • Die Aussagen sollte man immer begründen.

  • Der Unterweiser sollte den Mitarbeitern stets Fachkompetenz zugestehen.

  • Es ist zweckmäßig, die Auswirkungen sicherheitswidriger Arbeit auf die Lebensqualität in den Mittelpunkt zu stellen.

  • Es muss Aufmerksamkeit erzeugt werden; dies erreicht man durch eine gute Präsentation.

  • Die Mitarbeiter müssen aktiviert werden. Dazu sollte man sie immer wieder einbeziehen, zur Stellungnahme anhalten, Vorschläge einholen, zur Diskussion auffordern sowie Ergänzungen und Fragen von den Mitarbeitern abfordern.

  • Wichtig ist es auch, immer wieder die Sichtweise zu wechseln, die Hintergründe der Maßnahmen zu besprechen.

  • Schutzmaßnahmen sollten geübt werden.

  • Der Abschluss einer Unterweisung sollte stets eine Vereinbarung sein. Der Mitarbeiter muss symbolisch verpflichtet werden, künftig sicher zu arbeiten.

08. Was sind Sicherheitskurzgespräche (Methode der moderierten Kurzunterweisung)?

Modern geführte Unternehmen der Metallindustrie wenden das Sicherheitskurzgespräch als Unterweisungsmethode an und sind damit sehr erfolgreich. Die Grundideen sind:

  • Es wird öfter (mindestens einmal monatlich) und kurz unterwiesen.

  • Die Mitarbeiter werden sehr eng in die Unterweisung einbezogen; Betroffene werden zu Beteiligten.

  • Der Unterweisende moderiert ein etwa 15-minütiges Sicherheitsgespräch mit den Mitarbeitern.

  • Das Sicherheitskurzgespräch wird von den Mitarbeitern selbst mitgestaltet.

  • Das Sicherheitskurzgespräch hat ein festes Gesprächsraster, das sich an folgenden Fragen orientiert:

    • Was kann passieren?

      → Gefährdung

    • Wie kann es verhindert werden?

      → Lösungsvorschläge

    • Welche Maßnahmen werden abgeleitet?

      • → technische Maßnahmen

      • organisatorische Maßnahmen

      • Verhaltensregeln.

Die Vorteile dieser Methode sind:

  • Das Sicherheitskurzgespräch ist schnell und effektiv.

  • Die Mitarbeiter beschäftigen sich selbst mit der Optimierung betrieblicher Regeln.

  • Die Auseinandersetzung im Gespräch führt zu einer intensiven Beschäftigung mit den Gefährdungen der eigenen Tätigkeiten.

  • Die Mitarbeiter ermitteln selbst vielfach sehr gut realisierbare Verbesserungsideen und entwickeln selbst Sicherheitsstandards.

  • Die Akzeptanz von verhaltensbezogenen Sicherheitsregeln steigt deutlich, weil sie selbst erarbeitet wurden.

  • Durch die systematische Auseinandersetzung mit Gefährdungen und der Erarbeitung von Verhaltensregeln durch die Mitarbeiter selbst wird das vorausschauende Denken gefördert.

  • Die Eigenverantwortung der Mitarbeiter wird gefördert.

  • Weil die Mitarbeiter selbst mitgestalten können, sind die erlernten Inhalte langanhaltend präsent und der Wissenserwerb ist nachhaltig.

  • Das Potenzial der Mitarbeiter wird durch ständiges Fordern gefördert („Fördern heißt fordern!).

09. Wie kann der Industriemeister Kenntnisse und Fertigkeiten für erfolgreiches Unterweisen erwerben?

Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall bietet Seminare zum Thema Unterweisung für Führungskräfte, insbesondere für die Meisterebene der Metallbetriebe an. In diesen Seminaren wird nicht nur Wissen erworben, sondern die Unterweisung wird in Übungsunterweisungen mit Videounterstützung trainiert. Die Unterweisungspraxis steht in diesen Seminaren im Vordergrund. Die theoretischen Grundlagen sind auf das notwendige Minimum beschränkt. Die Methode des Sicherheitskurzgespräches als modernste Form der Unterweisung steht dabei im Mittelpunkt.

10. Wo gibt es Hilfen für den Unterweisenden?

Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall stellt den Mitgliedsunternehmen gerne Unterweisungshilfen zur Verfügung. Über die örtlichen Präventionsdienste kann der Industriemeister interessante Druckschriften zu den unterschiedlichsten Themenbereichen erhalten, um seine Unterweisung gut vorzubereiten. Gerne leihen die Präventionsdienste aber auch DVD-Medien aus, mit denen die Unterweisung medial angereichert werden kann. Eine ganze Reihe von Fakten zum Thema Unterweisung findet man natürlich auf der Präventions-CD der Metall-Berufsgenossenschaften, die die Mitgliedsunternehmen jährlich aktuell erhalten.