Kursangebot | | Preise ermitteln

Preise ermitteln

01. Was sind Kostenpreise?

Preise, die sich an den Kosten orientieren, haben einen grundlegenden Fehler: wenn das Unternehmen weiß, dass es seine Kosten immer auf die Kunden überwälzen kann, muss es sich nicht anstrengen, wirtschaftlicher zu produzieren.

Kostenpreise führen zu mangelndem Kostenbewusstsein, zu Verschwendung, zur Missachtung von Kundenwünschen und zu geringer Innovation. Wer als Betrieb seine Kosten auf die Bevölkerung in Form von Gebühren überwälzen kann, wird wenig tun, um besser oder billiger zu werden. Der Bürger zahlt sowieso immer. Dies ist z. B. bei allen Unternehmen, die keine oder sehr wenig Konkurrenz haben so, z. B. Krankenhäuser bis 1993, Behörden, Wasserwerke, Bundesbahn, Stadtwerke, früher die Bundespost.

Innovations- und Rationalisierungsdruck kommt hier nur von außen, wenn z. B. Steuereinnahmen wegbrechen oder der Haushalt eines Landes schrumpft, bzw. die Pensionslasten den Haushalt erdrücken.

Bei Kostenpreisen ist eine Kostendeckung vorgesehen. Ein Gewinn ist dann nicht geplant, G = 0. Gewinn kann, wie bei einer Vollkostenrechnung, nur durch eine Mengenausweitung über die kalkulierte Menge hinaus realisiert werden.

02. Was sind Marktpreise?

In einer funktionierenden Marktwirtschaft werden die Preise durch den Wettbewerb von Angebot und Nachfrage bestimmt. Es ist der Wettbewerb, der die Unternehmen auffordert, ihre Preise anzupassen. Wer seine Kosten nicht niedriger als den vom Wettbewerber gesetzten Preis hat, hat auf dem freien Markt keine Überlebenschance. Verkauft Sanitätshaus A seine Rolatoren zum Preis X, setzt es damit für alle Wettbewerber den Maßstab. Ist Sanitätshaus B teurer, wird es auf seinen Waren sitzenbleiben. Ist es billiger, werden die Kunden dort für hohe Umsätze sorgen.

Diese freie Preisgestaltung und der Markt funktionieren jedoch nur theoretisch einwandfrei, da keine vollständige Transparenz für Anbieter und Kunden herrscht.

Marktpreise enthalten entsprechende kalkulatorische Gewinne. Grundsätzlich wird ein Gewinn angestrebt.

03. Was ist ein administrierter Preis?

Gerade im Gesundheits- und Sozialwesen herrschen staatliche Preisvorgaben vor. So ist das DRG-Entgelt ein staatlich festgelegtes Entgelt. Auch die Vergütung der Krankenkassen (Kopfpauschale) an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und die Beiträge zur Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind administrierte Preise. Ebenso die Gebührenordnungen für Ärzte und Zahnärzte (GOÄ, GOZ) und der DKG-NT (Deutsche Krankenhausgesellschaft Normaltarif) sowie die Gebühren für z. B. Kinderbetreuung in den Kindertagesstätten. Als Beispiel können hier auch die Festpreise aus dem Arznei-, Heil- und Hilfsmittelkatalog des G-BA dienen.

Administrierte Preise können einen Leistungs- und Qualitätswettbewerb auslösen. Die Anbieter können sich nur auf der Kostenseite verbessern, da alle Leistungserbringer den gleichen Preis für eine allgemein festgelegte Leistung erhalten. Hier sind im Betrieb Prozessinnovation und Kostenreduktion bei gleicher oder besserer Qualität im Bezug zur Konkurrenz anzustreben. Eine Gewinnerzielung ist hier nur durch eine Mengenausweitung und Kostenrationalisierung möglich.

Grundsätzlich gehören zu den administrierten Preisen auch die Vergütungsvereinbarungen nach § 89 SGB XI, welche die Entgelte (Preise) für ambulante Leistungen von Pflegediensten festlegen. Ebenso zählt die Vergütung ambulanter Krankenhausleistungen nach § 120 SGB V hierzu.

04. Wie kann eine Preiskalkulation für eine Kindertagesstätte durchgeführt werden?

Die Geschäftsleitung denkt über die Einrichtung eines Betriebskindergartens für die Gesundheitszentrum GmbH nach. Der Kindergarten könnte als Personalbindungsmaßnahme auch den Mitarbeitern mit Kindern einen attraktiveren Arbeitsplatz bieten.

  • Kalkulationsgrundlagen

    Die Bedarfsanalyse hat einen geschätzten Bedarf von ca. 20 Kindern, von Mitarbeitern und 20 Kindern aus unserem Stadtteil ergeben (Kindergartengruppe für 3 - 7 Jahre).

    Der Kindergarten (Elementargruppe) könnte in Räumen eingerichtet werden, die zurzeit nicht mehr genutzt werden: 3 Räume mit 20 m², 50 m² und 60 m². Weiterhin stehen zwei Toiletten/Bäder (2 x 15 m²) sowie ein Lagerraum mit 20 m² und eine 30 m² große Küche zur Verfügung. Um den Kindern genügend Spielraum zu geben, kann ein Gartenanteil von 500 m² genutzt werden. Diese Räume könnten auf dem freien Markt für 2.000 € kalt pro Monat vermietet werden.

    Die Flächen sind nach Mindestbauverordnung für das Betreiben eines Kindergartens zulässig.

    Die Räume müssten noch gestaltet und kindgerecht eingerichtet werden. Die Einrichtung ist von Montag bis Freitag, in der Zeit von 06:30 - 17:30 Uhr, an durchschnittlich 220 Tagen geöffnet. Dienstbeginn (Vorbereitung) ist 06:00 Uhr und Dienstende 18:00 Uhr (Nachbereitung).

    Jeder belegte Platz wird durch die Kommune mit 868,28 € im Monat gefördert.

  • Personalbedarf (VK = Vollkraft)

    • 1,0 VK Kindergartenleitung

    • 3,3 VK Erzieher

    • 3,3 VK Sozialpädagogische Assistenten

    • 1,0 VK Reinigung

    • 0,2 VK Heilpädagoge

  • Personalvergütung (je 1,0 VK mit 40 Std. Wochenarbeitszeit).

    Bezahlung und Eingruppierung nach TVÖD Sozial- und Erziehungsdienst 2019

    KindergartenleitungTVÖD Entgeltgruppe S 13 Erfahrungsstufe 3
    Vollstellen ErzieherTVÖD Entgeltgruppe S 8a Erfahrungsstufe 3
    Soz. Päd. AssistentTVÖD Entgeltgruppe S 3 Erfahrungsstufe 2
    ReinigungTVÖD Entgeltgruppe 2 Erfahrungsstufe 2 TVÖD VKA 2019
    HeilpädagogeTVÖD Entgeltgruppe S 9 Erfahrungsstufe 3

    Der Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung beträgt 25 % der monatlichen Bruttogehälter.

    Für Jahressonderzahlungen (Weihnachts-, Urlaubsgeld) werden 80 % der monatlichen Bruttogehälter angesetzt.

    Sachkostenin €
    Telefon-Flatrate pro Monat30,00
    Reinigungsmittel je m² und Jahr2,00
    Schutzkleidung je Vollkraft und Jahr10,00
    Müllabfuhr pro Monat338,47
    Desinfektionsmittel je Kind und Jahr10,00
    Lebensmitteleinsatz Pauschale je Kind und Tag4,50
    Frischwasser 100 l pro Kind und Tag, Preis je m³2,00
    Abwasser 100 l pro Kind und Tag, Preis je m³4,00
    Betriebs- und Diensthaftpflicht für alle Mitarbeiter pro Jahr2.000,00
    Fachliteratur und Fortbildung je VK500,00
    Strom 2.000 Kw/h pro Kind und Jahr, Preis pro Kw/h0,10
    Pädagogischer Bedarf pro Kind und Monat10,00
    Bezogene Leistungen (Wartung der Heizung, Spielgeräte, Med. Geräte usw.) pro Jahr850,00
    Heizung, Kosten je m²7,00
    Sachkostenin €
    Verbrauchsmaterial pro Monat (Papier, Toner, Bleistift, Bürobedarf, Verwaltungsbedarf usw.)480,00
    Versicherungen (Glasbruch und Hausrat) pro Jahr500,00
    Abschreibung (AfA) für Einrichtung und Ausstattung (Stühle, Tische, Regale, Geschirr, Besteck, Schränke, Spielzeug, Kfz, PC)4.000,00

    Bei der AfA erfolgt ein durchschnittlicher Ansatz von sieben Jahren, da die Einrichtungsgegenstände im Schnitt solange halten und dann eine Ersatzbeschaffung erfolgt.

    Kalkulatorische Kosten sind bei den Berechnungen nicht zu berücksichtigen.

  • Kalkulation:

    Sachkosten
    Kinder: 40 an 220 Tagen
    Mitarbeiter: 8,8 Vollkräfte
    Insgesamt: 48,8 Personen und 210 m² Fläche
     
    Lebensmittel 
    5,00 € je Kind und Tag

    44.000,00 €

    WEB 
    Wasser 
    je Kind 100 Liter pro Tag Wäsche, Körperpflege usw.5.280,00 €
    Energie 
    je Kind 2.000 kwh p. a.; Licht, Kochen, Waschen10.400,00 €
    Brennstoff 
    je m2 á 7 € pro Jahr; Heizung, Warmwasser1.470,00 €
    Summe

    17.150,00 €

    Pädagogisches Material4.800,00 €
      
    bezogene Leistungen850,00 €
    Verwaltungsbedarf 
    Fachlit., Fort- und Weiterbildung4.400,00 €
    Papier, Stifte, Toner usw.5.760,00 €
    Telefon360,00 €
    Summe

    10.520,00 €

    Wirtschaftsbedarf 
    Reinigungsmaterial je m² p. a. 2 €420,00 €
    Desinfektionsmaterial je Kind 10 € M p. a.400,00 €
    Schutzkleidung je VK 10 € p. a.88,00 €
    Summe908,00 €
    Steuer/Abgaben/Versicherung 
    Betriebs-/Dienst-Haftpflicht2.000,00 €
    Glasbruch500,00 €
    Müllabfuhr; 338,47 € monatlich4.061,64 €
    Summe6.561,64 €
    EuA AfA-Pauschale4.000,00 €
    Summe

    88.789,64 €

Kalkulation der Personalkosten:

PersonalEntgeltgruppe VKAEntgelt in € pro MonatAnzahl MonateBruttoentgelt p.a. je VKArbeitgeberanteil SozialversicherungPersonalkosten p.a. je VKVKPersonalkosten p.a. gesamtdurchschn. Personalkosten pro Monat gesamt
LeitungTVÖD S 13/33.771,57 €12,8048.276,10 €12.069,02 €60.345,12 €1,060.345,12 €5.028,76 €
ErzieherTVÖD S 8a/33.216,36 €12,8041.169,41 €10.292,35 €51.461,76 €3,3169.823,81 €14.151,98 €
SozPäd Ass.TVÖD S 3/22.631,05 €12,8033.677,44 €8.419,36 €42.096,80 €3,3138.919,44 €11.576,62 €
HeilpädagogeTVÖD S 9/33.317,55 €12,8042.464,64 €10.616,16 €53.080,80 €0,210.616,16 €884,68 €
ReinigungTVÖD VKA 2/22.316,97 €12,8029.657,22 €7.414,30 €37.071,52 €1,037.071,52 €3.089,29 €
Summe      8,8416.776,05 €

34.731,34 €

Bei der Kalkulation ist es nicht nötig, nach Teilzeitstellen zu differenzieren. Wenn sich drei Mitarbeiter eine Vollkraftstelle teilen, so sind diese drei Köpfe rechnerisch eine Vollkraft.

  • Ermittlung der Gesamtkosten:

    KostenartKosten p. a.  
    Personalkosten  FK / VK
    Leitung60.345,12 € fix
    Erzieher169.823,81 € fix
    SozPäd Ass.138.919,44 € fix
    Heilpädagoge10.616,16 € fix
    Raumpflege37.071,52 € fix
    Summe416.776,05 €868,28 € gefördert 
        
    Sach- und Investitionskosten   
    Lebensmittel44.000,00 € var
    WEB17.150,00 € var
    Päd. Material4.800,00 € var
    bezogene Leistungen850,00 € var
    Verwaltungsbedarf10.520,00 € var
    Wirtschaftsbedarf908,00 € var
    Steuer / Abgaben / Vers6.561,64 € fix
    EuA AfA-Pauschale4.000,00 € fix
    Summe

    88.789,64 €

    184,98 € nicht gefördert 
        
    Gesamtkosten505.565,69 €  

    Kalkulation der Entgelte:

    Durch einfache Division der gesamten Vollkosten durch die Anzahl der Belegungsmonate (40 Kinder • 12 Monate = 480) errechnen sich die Kosten pro Kind und Monat unter Vollkosten.

    Die Division der Gesamtkosten durch die Berechnungstage (220 Tage • 40 Kinder) ergibt den Tagessatz, dieser geteilt durch 12 Stunden ergibt den Stundensatz bei 12-stündiger Betreuung.

    imported

    Der Preis wird durch den 10 %-Aufschlag auf die Kosten ermittelt.

05. Welche weiteren Informationen können mithilfe der Kalkulation gewonnen werden?

Der Geschäftsleitung können weitere Zahlen für eine bessere Entscheidungsgrundlage geliefert werden:

1. Ermitteln der Break-even-Belegung.
Die Break-even-Belegung ist bei der Menge an Kindern pro Monat, bei der der Gewinn gleich null ist. Dies wird mittels Gleichsetzung der Kosten und der Erlösfunktion errechnet.

imported
505.565,69 € = 1.158,59 € • 12 Mon. • X 
X = 505.565,69 € : 1.158,59 € : 12 Mon. 
X = 36,36rechnerisch
X = 37effektiv Kinder pro Monat
40 = 100 %, 37 = 93 % 

Bei 37 Kindern pro Monat oder 93 % Auslastung ist die Gewinnschwelle erreicht.

2. Ermitteln des Gewinns bei Vollbelegung.
Bei Vollbelegung wird ein Gewinn in Höhe des Gewinnzuschlages von 10 % erwirtschaftet.

$$G = Erlöse\; -\; KostenG = p\; *\; X\; -\; K$$

G = (1.158,59 € • 12 Mon. • 40 Kinder) - 505.565,69 €
G = 505.565,69 €

Der Gewinn beträgt 48.074,24 €, wenn die Kita ganzjährig vollbelegt ist.

3. Ermitteln der variablen Kosten je Kind und Öffnungstag bei Vollbelegung.
Wenn die Fixkosten 60 % der Gesamtkosten bei Vollbelegung betragen.

Die Stückvariablenkosten, d. h. die variablen Kosten je Kind und Tag errechnen sich wie folgt:

$$K = K_{f}\; +\; K_{v}$$

kv = Kv : X
100 % = 60 % + 40 %
Kv = 505.565,69 € • 40 %
Kv = 202.226,28 €
kv = Kv : 40 Kinder : 220 Öffnungstage
kv = 22,98 € variable Kosten je Kind und Tag

Die variablen Kosten je Kind und Tag betragen 21,85 €.

4. Deckungsbeitrag bei einer Belegung von 80 %.
Da die fixen Kosten in der Planperiode unveränderlich sind, müssen diese durch den Deckungsbeitrag gedeckt werden.

$$DB = E\; -\; K_{v}DB = p\; *\; X\; -\; k_{v}\; *\; X$$

DB = 1.158,59 € • (40 • 12 • 80 %) - (22,98 € • 40 • 220 • 80 %)
DB = 161.781,02 €

Der Fixkosten-Deckungsbeitrag bei 80 % Belegung beträgt 161.781,02 €.

5. Ermitteln des Gewinns bei 80 % Belegung.
Da der Fixkosten-Deckungsbeitrag kleiner als die fixen Kosten ist, entsteht ein Verlust in Höhe der Differenz.

$$G = DB\; -\; K_{f}$$

oder

$$G = E – K$$

DB = 161.781,02 € bei 80 %iger Auslastung

Kf = 505.565,69 € • 60 % = 303.339,41 €

Gewinn (Verlust) bei 80 % Belegung : - 465.120,43 €, da DB f

Auf Basis dieser Kalkulation kann die Geschäftsführung unter Berücksichtigung ihrer individuellen Risikoneigung und ihrer Planung für die Zukunft eine Entscheidung für oder gegen die Einrichtung der Kita treffen.

06. Wie können die Gebühren einer Kommune für ihren Rettungsdienst kalkuliert werden?

Am Beispiel der Gebührenrechnung für die Inanspruchnahme des Rettungsdienstes für das Jahr 2018 nach der SITZUNGSVORLAGE DER STADT NETTETAL Nr. 1465/2014-20 vom 25.01.2018.

Die prospektive Kalkulation basiert auf einer kaufmännischen Buchhaltung nach der Doppik.

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen
imported

imported

imported

07. Wie wird das Entgelt für eine DRG-Fallpauschale berechnet?

Angenommen der krankenhausspezifische Basisfallwert beträgt 3.350 € und es wird die DRG-Fallpauschale C06Z mit dem Relativgewicht 0,875 abgerechnet. (Siehe hierzu den Auszug aus dem Fallpauschalenkatalog 2019.)

DRGPartitionBezeichnungBewertungsrelation bei Hauptabteilung
1234
C06ZOKomplexe Eingriffe bei Glaukom0,875

Das DRG-Entgelt für diese Leistung des Krankenhauses wird wie folgt berechnet:

Preis der DRG-Fallpauschale in Euro = Bewertungsrelation der DRG in Punkten • Basisfallwert in Euro

Für dieses Beispiel:

Abrechenbares Entgelt: 3.350 € = 0,875 Punkte • 2.931,25 €

Dies gilt nur, solange die VD > UGVD und

08. Was ist der Bundesbasisfallwert?

Die Selbstverwaltungspartner auf Bundesebene vereinbaren jährlich den Bundesbasisfallwert (BBFW). Unter Berücksichtigung der Veränderungsrate der Grundlohnsumme werden für den Bundesbasisfallwert und die obere und untere Korridorgrenze für die Angleichung der Landesbasisfallwerte an den Bundesbasisfallwert jährlich neu errechnet:

Mit der Berechnung des BBFW und des Basisfallwertkorridors ist das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) beauftragt.

Grundlage der Berechnung sind die bis zum 31. Juli eines jeden Jahres von der jeweiligen Landeskrankenhausgesellschaft zur Verfügung gestellten Ergebnisparameter des aktuell gültigen Landesbasisfallwerts. Diese Parameter sind:

  • der Landesbasisfallwert

  • das Ausgabenvolumen

  • die Summe der effektiven Bewertungsrelationen.

Das Berechnungsergebnis bietet die Basis für die Vereinbarung auf Bundesebene, wobei das Vereinbarungsergebnis wiederum um die maßgebliche Veränderungsrate nach § 71 SGB V (Grundlohnsumme) zu erhöhen ist.

Die Basisfallwerte bilden die Grundlage für die Vergütung der Krankenhausleistungen.

09. Was sind die kurzfristigen und langfristigen Preisuntergrenzen (PUG)?

Alles Wirtschaften im Betrieb dient der Überlebenssicherung und der Gewinnerzielung. Ist ein Unternehmen gezwungen, seine Preise zu senken, um den Absatz zu fördern, gibt es zum einen eine kurzfristige Preisuntergrenze, bei der dem Unternehmen Verluste in der Höhe der fixen Kosten entstehen. Dies kommt kostenrechnerisch einer Betriebsstillegung gleich. Der Preis wäre dann gleich den variablen Stückkosten.

$$kurzfristige\; PUG\; :\; p = k_{v}$$

Die kurzfristige PUG führt jedoch langfristig in die Insolvenz, da sich die Verluste anhäufen. Für einzelne Produkte kann dies jedoch eine Entscheidung sein, wenn diese für die gesamte Produktpalette von Nutzen oder eine Pflichtleistung sind.

Bei der langfristigen Preisuntergrenze entspricht der Preis den Stückkosten. Das Unternehmen erzielt also keinen Gewinn.

$$langfristige\; PUG\; :\; p = k$$

Wenn das Unternehmen über längere Zeit jedoch keine Gewinne realisiert, lebt es von der Substanz, es verdient seine Abschreibungen nicht und kann nicht investieren.

Grundsätzlich sollte über alle Produkte hinweg im gesamten Unternehmen ein positiver Gesamtdeckungsbeitrag erwirtschaftet werden.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sollte ein Unternehmen ein Produkt von Markt nehmen, wenn dessen Deckungsbeitrag negativ ist.

10. Welches Kalkulationsverfahren findet im Handel Anwendung?

Im Handel, z. B. in Sanitätshäusern oder bei Pharmahändlern, wird in erster Linie das Zuschlagsverfahren angewendet. Ausgangsbasis ist der Listeneinkaufspreis der Ware. Abzuziehen sind Rabatte und Skonti, hinzuzurechnen sind die Bezugskosten, wie Verpackung, Fracht und Rollgelder.

Die Handelskalkulation kann auf drei Wegen genutzt werden:

Als erstes die Vorwärtskalkulation (= progressive Kalkulation). Diese geht vom Listeneinkaufspreis aus und ermittelt den Netto- bzw. Bruttoverkaufspreis, der den Kunden in Rechnung gestellt werden soll.

Zweitens die Rückwärtskalkulation (= retrograde Kalkulation). Diese errechnet vom gegebenen Verkaufspreis (= Marktpreis) aus und stellt fest, zu welchem Preis die Ware eingekauft werden muss, um die gewünschten Gewinne bzw. Bruttoverkaufspreise zu erzielen.

Drittens die Differenzkalkulation. Diese geht von einem gegebenen Verkaufspreis (= Marktpreis) und einem gegebenen Listeneinkaufspreis aus und ermittelt in einer Gegenrechnung, welcher Gewinn unter den geplanten Bedingungen noch zu realisieren ist.

Für die Handelskalkulation gilt folgendes Schema:

imported

11. Welches Kalkulationsverfahren kann in der Produktion angewandt werden?

Bei produzierenden Unternehmen des Gesundheits- und Sozialwesens kann die Zuschlagskalkulation eingesetzt werden. Hierfür werden die Gemeinkosten nach Bereichen getrennt erfasst und durch Zuschlagssätze in der Kostenkalkulation verrechnet. Gemeinkosten sind immer solche Kosten, die nicht nur für eine Produktart entstehen.

Im Labor wären Reinigungsmittel Materialgemeinkosten für die Defektur oder Rezeptur.

Die Abschreibungen für die Pillenpresse wären Fertigungsgemeinkosten für Defektur oder Rezeptur. Die PTA, die nur die Pillenproduktion tätigt, zählt auch zu den Fertigungsgemeinkosten.

BereichGemeinkostenZuschlagsbasis
Produktion/ FertigungMaterialgemeinkosten (MGK)Materialeinzelkosten (MEK)
Fertigungsgemeinkosten (FGK)Fertigungseinzelkosten (FEK)
VerwaltungVerwaltungsgemeinkosten (VwGK)Herstellkosten des Umsatzes (HKU)
VertriebVertriebsgemeinkosten (VtGK)

Die Zuschlagssätze werden nun folgendermaßen ermittelt:

Materialgemeinkostenzuschlag

$$MKGZ\; =\; \frac{MGK}{MEK}\; *\; 100$$

Fertigungsgemeinkostenzuschlag

$$FKGZ\; =\; \frac{FGK}{FEK}\; *\; 100$$

Verwaltungsgemeinkostenzuschlag

$$VwKGZ\; =\; \frac{VwGK}{HKU}\; *\; 100$$

Vertriebsgemeinkostenzuschlag

$$VtGKZ\; =\; \frac{VtGK}{HKU}\; *\; 100$$

imported

Dabei gilt für die Ermittlung der Herstellkosten des Umsatzes und der Preiskalkulation folgendes Schema:

 Materialeinzelkosten (MEK)
+Materialgemeinkostenzuschlag (MEK • MEKZ)
=Materialkosten (MK)
+Fertigungseinzelkosten (FEK)
+Fertigungsgemeinkosten (FEK • FEKZ)
=Fertigungskosten (FK)
=Herstellkosten der Erzeugung (HKE = MK+ FK)
-Bestandsveränderungen (+ Minderbestand/- Mehrbestand)
=Herstellkosten des Umsatzes (HKU)
+Verwaltungsgemeinkosten (HKU • VwKZ)
+Vertriebsgemeinkosten (HKU • VwKZ)
=Selbstkosten (SK)
+Gewinnaufschlag (GA = SK • GA in % (von Hundert))
=Barverkaufspreis
+Vertreterprovision (VP, absolut oder als % -Aufschlag)
+Skonto (in Hundert vom ZVP)
=Zielverkaufspreis (ZVP) (100 % Basis für Skonto, Rückwärtsrechnung!)
+Rabatt (in Hundert! vom LVP)
=Listenverkaufspreis (LVP) (100 % Basis für Rabatt, Rückwärtsrechnung!)
+Umsatzsteuer (UST = LVP • USt in % (von Hundert!)
=Bruttoverkaufspreis

Sind keine Bestandsveränderungen zu berücksichtigen – sind also alle in der Periode hergestellten Erzeugnisse verkauft worden – so gilt: HKE = HKU.

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen

Ermittlung der Zuschlagssätze

Ermittlung der Zuschlagssätze
Zahlen der KLRMaterialFertigungVerwaltungVertrieb 
Gemeinkosten23.903142.70060.61018.183
Einzelkosten217.300170.000--
Herstellkosten der Erzeugung 553.903
Bestandsveränderungen -190.243
Herstellkosten d. Umsatzes 363.660
Zuschlagsbasis217.300170.000363.660363.660 
Zuschlagssätze23.903142.70060.61018.183 
: 217.300: 170.000: 363.660: 363.660 
• 100• 100• 100• 100 
11,00 %83,94 %16,67 %5,00 % 

12. Was sind Preisminderungen?

Bei den Preisen des Handels und der Produktion sind Rabatte, Skonti und Boni einkalkuliert.

  • Rabatt ist eine Preisminderung, die z. B. aufgrund von Mengen, Jahreszeiten (Schlussverkauf) oder persönlichen Gründen gewährt wird.

  • Naturalrabatt ist eine Besonderheit. Wenn ein Krankenhaus z. B. 1.000 Infusionslösungen pro Auftrag bestellt, werden 50 Infusionslösungen also natural 5 % Rabatt dazugelegt. Hierdurch vermindert sich rechnerisch der Einkaufspreis pro Stück.

  • Skonto oder Barzahlungsrabatt wird gewährt, wenn der Kunde seine Verbindlichkeiten (Rechnung) vor der Fälligkeit ausgleicht. Die Skonto-Bedingung kann z. B. „Zahlung innerhalb von 10 Tagen mit 2 % Skonto, sonst netto innerhalb von 30 Tagen“ sein.

    Der Kunde hat nun zu entscheiden, ob er innerhalb von 10 Tagen, also 20 Tage vor Fälligkeit, oder innerhalb von 30 Tagen zahlt. Die 2 % Skonto für 20 Tage (30 Tage - 10 Tage) entsprechen auf Jahressicht einer Verzinsung von 36,5 % p. a. Der Skonto-Abzug lohnt für den Kunden immer, solange die Zinsen für den Dispositionskredit nicht höher als die Skontozinsen p. a. sind und die Forderungen und Verbindlichkeiten regelmäßig für Liquidität sorgen.

  • Bonus wird Kunden in der Regel bei der Abnahme von bestimmten Jahresmengen gewährt. Beispiel: 10 % Bonus, wenn eine Menge von 1.000 Stück p. a. überschritten wird.

Allen Anschaffungspreisminderungen ist gemein, dass sie von den zu aktivierenden Anschaffungs- und Herstellungskosten gem. § 255 HGB abgesetzt werden müssen.

13. Wie wird Skonto gebucht?

Die Anschaffungspreisminderung durch Skonto wird erst bei der Zahlung der Verbindlichkeiten realisiert. Daher sind entsprechende Buchungen vorzunehmen.

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen

Verkauf von 10 Rollatoren durch ein Sanitätshaus für 600 € zzgl. USt. am 01.06.2017 an ein Krankenhaus. Zahlung am 10.06.2017 mit 3 % Skonto.

Buchungen Rechnungseingang bei nicht vorsteuerabzugsberechtigtem Krankenhaus am 01.06.2017:

Medizingeräte 714 €anVerbindlichkeiten 714 €

Buchung Zahlung am 10.06.2017 mit Skonto:

Verbindlichkeiten 714 €anBank 692,58 € und Skontoertrag 21,42 €

Die 21,42 € Skontoertrag beinhalten einerseits eine Minderung der AHK für die Waren und anderseits eine Minderung der Vorsteuer, beides muss bei vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen ausgeglichen werden:

Buchung Ausgleich des Skontoertrags

Skontoertrag 21,42 €anWaren 18 € und Vorsteuer 3,42 €

Die Vorsteuerkorrektur gilt nur für umsatzsteuerpflichtige Betriebe, also z. B. nicht für die nach der Abgabenordnung befreiten Krankenhäuser (gem. § 67 AO) oder Pflegeeinrichtungen (gem. § 66 AO).

14. Wann sind Rechnungen/Geldschulden zu zahlen?

Generell gem. § 286 Abs. 3 BGB gilt: „Der Schuldner einer Entgeltforderung kommt spätestens in Verzug, wenn er nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung oder gleichwertigen Zahlungsaufstellung leistet…“.

Es ist grundsätzlich keine Mahnung mehr notwendig, wenn die Fälligkeit nach dem Kalender bestimmt ist. 30 Tage nach Fälligkeit können sofort Verzugszinsen nach § 288 BGB gefordert werden.

Im Allgemeinen hat sich die kaufmännische Gepflogenheit erhalten, Mahnungen zu verschicken und so langfristige Geschäftsbeziehungen zu pflegen.

15. Wie können Stundensätze für einen ambulanten Pflegedienst nach dem Pflegeneuausrichtungsgesetz (PNG) kalkuliert werden?

Basis für die Kalkulation nach Siessegger ist die Ermittlung der Einsatzzeiten bzw. C-Zeiten für eine Pflegekraft. Diese werden aus den Daten des Vorjahres ermittelt.

A ist die Bruttojahresarbeitszeit auf Basis einer Vollkraft mit 40 Wochenstunden in 49,5 Wochen (52 Wochen zu 5 Tagen abzgl. Wochenfeiertage) gleich 1.980 Stunden p. a.

B wird berechnet in dem von der Bruttozeit die Abwesenheit aufgrund von Krankheit und Urlaub abgezogen wird, dies ist die NJAZ (Nettojahresarbeitszeit) von 1.548 Stunden je Vollkraft p. a.

C ist die Zeit, die die Pflegekräfte für die Kunden brutto aufwenden können. Werden die Koordinations- und Organisationszeiten für Planung und Dokumentation abgezogen, so bleiben 1.468 Stunden als Einsatzzeit.

D ist das Zeitkontingent, das durchschnittlich je Pflegekraft für die tatsächliche Pflege am Kunden aufgewendet werden kann. Dies wird ermittelt, indem von der C-Zeit noch die Fahr- und Wegezeiten abgesetzt werden, so bleiben als Nettopflegezeit 947 Stunden oder 61 % der NJAZ.

Zusammensetzung der Jahresarbeitsstunden
in einem ambulanten Pflegedienst
Beispielzahlen, pro Jahr

imported

Umrechnung auf eine Vollzeitstelle
(mit den Stunden der Mischkalkulation)
ausgehend von 1.980 Std. pro Jahr

imported

Die C-Zeit wird nun für weitere Kalkulationen verwendet, wenn den Kunden die Fahr- und Wegezeiten nicht extra in Rechnung gestellt werden, also ohne Hausbesuchspauschale.

Overheadkosten sind jene Gemeinkosten, die nicht direkt der Pflege zugeordnet werden können also z. B. Kosten der Geschäftsführung, Werbung und Repräsentation, Personal- und Rechnungswesen, IT-Infrastruktur.

Kalkulationsmodell für alle Einsatzstunden (C)
= Grundlage für Vergütungsverhandlungen zur Berechnung der Preise für neue Stundensätze (ohne Hausbesuchspauschale)

differenziert für verschiedene Mitarbeitergruppen

imported

Die Investitionskosten werden im Rahmen der dualen Finanzierung der Pflegeversicherung nicht über die Pflegesätze bzw. Stundensätze nach dem PNG finanziert. Die Investitionskosten nach § 82 Abs. 2 SGB XI müssen gesondert ausgewiesen und finanziert werden. Sie gehören nicht in die Stundensätze! Selbstzahler zahlen sie jedoch über Pflegesätze für private Leistungen nach SGB V oder SGB XII.

Berechnung der Stundensätze
Daraus ergeben sich folgende Berechnungen: Die Kosten einer Einsatz-Stunde (C)

imported

Anmerkung: Rautezeichen in der Tabelle bedeuten Auslassung d) und e).

Die Durchschnittskosten für eine Einsatzstunde von 37,97 € sind der Festpreis für eine Einsatzstunde, der in der Pflegesatzverhandlung festgelegt werden sollte. Das bedeutet, für eine Einsatzminute sind dies 37,97 € durch 60 Minuten gleich 62,28 Cent die Minute.

Dauerte ein Hausbesuch im Durchschnitt des letzten Kalkulationszeitraums 8,2 Minuten, so wird für die Hausbesuchspauschale ein Preis von 8,5 Minuten mal 62,28 Cent gleich 5,29 € ermittelt. Dies ist sowohl ein Festpreis als auch eine Preisuntergrenze.