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Teil 1: Fachwirte - Wirtschaftsbezogene Qualifikationen - Aufbau der Bilanz

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Teil 1: Fachwirte - Wirtschaftsbezogene Qualifikationen

Aufbau der Bilanz

01. Was ist eine Bilanz?

Die Bilanz ist die zu einem bestimmten Zeitli zusammengefasste Gegenüberstellung der Vermögensteile (Aktiva) und der Kapitalien (Passiva) einer Unternehmung.

  • Die linke Seite der Bilanz (Aktiv- oder Vermögensseite) zeigt, aus welchen Teilen sich das Vermögen zusammensetzt.

  • Die rechte Seite (Passiv-, Kapital- oder Schuldenseite) zeigt, aus welchen Quellen die Mittel zur Anschaffung der Vermögenswerte stammen.

Die Gliederungsform der Bilanz ist in § 266 HGB verbindlich festgelegt:

AKTIVSEITE   PASSIVSEITE
   
Mittelverwendung Mittelherkunft
A. Anlagevermögen A. Eigenkapital
I. Immaterielle Vermögensgegenstände I. Gezeichnetes Kapital
  z. B. Konzessionen, Patente, Lizenzen II. Kapitalrücklage
II. Sachanlagen III. Gewinnrücklagen
  z. B. Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Betriebs- und Geschäftsausstattung   z. B. gesetzliche, satzungsmäßige, andere Gewinnrücklagen
III. Finanzanlagen IV. Gewinn-/Verlustvortrag
  z. B. Anteile an verbundenen Unternehmen, Beteiligungen, Wertpapiere des AV V. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
  B. Rückstellungen
B. Umlaufvermögen   z. B. Pensionsrückstellungen, sonstige Rückstellungen, Steuerrückstellungen
I. Vorräte  
  z. B. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Halb- und Fertigfabrikate, Waren C. Verbindlichkeiten
II. Forderungen   z. B. Anleihen, Bankverbindlichkeiten, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, sonstige Verbindlichkeiten
III. Wertpapiere    
IV. Zahlungsmittel    
  z. B. Schecks, Kassenbestand, Bankguthaben D. Rechnungsabgrenzungsposten
  E. Passive latente Steuern
C. Rechnungsabgrenzungsposten    
  Bilanzsumme
D. Aktive latente Steuern  
Bilanzsumme  

Merke

Da sich das Eigenkapital als Differenz zwischen Vermögen und Schulden berechnet, gilt immer folgende Bilanzgleichung:

Summe aller Aktiva = Summe aller Passiva

  • Gemäß § 247 Abs. 2 HGB sind beim Anlagevermögen nur Gegenstände auszuweisen, die dauernd dem Geschäftsbetrieb dienen z. B. Fuhrpark, Gebäude, Betriebs- und Geschäftsausstattung.

  • Daraus lässt sich der Unterschied zum Umlaufvermögen ableiten. Das Umlaufvermögen dient nur einmal dem Geschäftsbetrieb, in dem es verbraucht, verwertet oder veräußert wird z. B. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Kasse, Bank.

  • Schulden sind die Verpflichtungen eines Unternehmens gegenüber Dritten z. B. Bankkredite, Lieferantenverbindlichkeiten.

02. In der Bilanz sind vier Arten von Bestandsbewegungen möglich. Wie lassen sich diese mithilfe eines Beispiels verdeutlichen?

Aktivtausch

An einem Aktivtausch sind zwei oder mehr Aktivkonten beteiligt. Die Bilanzsumme bleibt unverändert.

Beispiel

Bei einer Barabhebung vom Bankkonto nimmt das Bankkonto ab und das Kassenkonto um den entsprechenden Betrag zu.

Aktiva Bilanz Passiva
Bank  
Kasse +

Buchungssatz:

Kasse an Bank

Passivtausch

Ein Passivtausch erfasst zwei oder mehr Schuldposten. Auch hier ändert sich die Bilanzsumme nicht.

Beispiel

Bei der Umwandlung von kurzfristigen Verbindlichkeiten in Darlehensschulden nehmen die Verbindlichkeiten um den Betrag ab, um den die Darlehensschulden zunehmen.

Aktiva Bilanz Passiva
  Verbindlichkeiten
Darlehen +

Buchungssatz:

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen an Darlehensschulden

Bilanzverlängerung

Aktiv-Passiv-Mehrung

Die Bilanzsumme auf der Aktiv- und auf der Passivseite erhöht sich um den gleichen Betrag.

Beispiel

Beim Kauf von Rohstoffen auf Ziel nehmen die Rohstoffe als Aktivkonto im Soll und die Verbindlichkeiten als Passivkonto im Haben zu.

Aktiva Bilanz Passiva
Rohstoffe + Verbindlichkeiten +

Buchungssatz:

Rohstoffe an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

Bilanzverkürzung

Aktiv-Passiv-Minderung

Die Bilanzsumme vermindert sich auf der Aktiv- und auf der Passivseite um den gleichen Betrag.

Beispiel

Bei Bezahlung einer Rechnung per Banküberweisung nimmt das Bankkonto als Aktivkonto ab und die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen auf der Passivseite ebenso.

Aktiva Bilanz Passiva
Bank Verbindlichkeiten

Buchungssatz:

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen an Bank

03. Um in der Finanzbuchhaltung eine gewisse Ordnung aufrechtzuerhalten, werden Konten zu Gruppen zusammengefasst. Welche Gruppen gibt es?

Auf den Sachkonten , die sich aus der Bilanz ergeben, werden die Geschäftsfälle nach sachlichen Gesichtslien gebucht. So erfasst z. B. das Konto „Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“ alle Ausgangsrechnungen und im Konto „Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen“ alle Eingangsrechnungen. Um eine gewisse Übersicht zu bewahren, werden diese Konten für jeden Kunden und Lieferanten einzeln angelegt ( Personenkonten ). Leicht verwechselt werden die Debitoren und die Kreditoren , wobei in der Debitorenbuchhaltung die Kunden zu finden sind und in der Kreditorenbuchhaltung entsprechend die Lieferanten.

Bei den Sachkonten unterscheidet man:

  • Bestandskonten

    Sie weisen die Bestände an Vermögen und Kapital aus und erfassen die Veränderung dieser Bestände aufgrund von Geschäftsfällen, z. B. Anlagen, BGA, Fertigerzeugnisse.

    • Aktivkonten:

      Anfangsbestand (AB) auf der Sollseite; befinden sich auf der linken Seite der Bilanz.

    • Passivkonten:

      Anfangsbestand (AB) auf der Habenseite; befinden sich auf der rechten Seite der Bilanz.

  • Erfolgskonten

    Es gibt Geschäftsfälle, bei denen neben der Umschichtung der Vermögens- und/oder Schuldenstruktur auch eine betragsmäßige Änderung des Eigenkapitals eintritt. Solche Geschäftsfälle beeinflussen unmittelbar den Erfolg eines Unternehmens. Zum Beispiel Zinsgutschrift, Barzahlung von Löhnen, Verkauf von Waren usw. Aus Gründen der Transparenz der Buchhaltungsvorgänge und zur Erhöhung der Transparenz der Erfolgsquellen eines Unternehmens werden für derartige Buchungen eigene Erfolgskonten als Unterkonten des Eigenkapitalkontos angelegt, z. B. Erlösen, Mietaufwendungen.

    • Aufwandskonten

      Aufwandskonten werden wie Aktivkonten behandelt: Ein Aufwand vermindert das Eigenkapital und muss daher im Soll gebucht werden.

    • Ertragskonten

      Ertragskonten werden wie Passivkonten behandelt: Ein Ertrag vermehrt das Eigenkapital und muss daher im Haben gebucht werden.

Im Überblick:

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04. Wie gelangt man von der Eröffnungsbilanz zur Schlussbilanz?

Zu Beginn des Jahres werden aus der Eröffnungsbilanz alle Aktiv- und Passivkonten übernommen. Die Geschäftsfälle während des laufenden Jahres verursachen sowohl auf diesen Konten Bewegungen als auch auf den jeweils zu eröffnenden Aufwands- und Ertragskonten. Am Ende eines jeden Monats bzw. am Jahresende werden alle Aufwands- und Ertragskonten über das Gewinn- und Verlustkonto abgeschlossen, dieses über das Eigenkapitalkonto und alle Aktiv- und Passivkonten über die Schlussbilanz. Das Schlussbilanzkonto bzw. die Schlussbilanz ergibt sich also aus der Eröffnungsbilanz unter Berücksichtigung aller in der Geschäftsperiode anfallenden Buchungsvorgänge.

1. Schritt:

Erstellung der Eröffnungsbilanz (Beispiel „Handel“).

2. Schritt:

Auflösung der Bilanz in Konten; jede Bilanzposition erhält ein Konto:

  • Bei den Aktivkonten (= linke Seite der Bilanz) steht

    • der Anfangsbestand im Soll,

    • Zunahmen im Soll und

    • Abnahmen im Haben.

  • Bei den Passivkonten (rechte Seite der Bilanz) steht

    • der Anfangsbestand im Haben,

    • Abgänge im Soll und

    • Zugänge im Haben.

3. Schritt: Buchen der Geschäftsfälle (hier ohne USt)

Aus Gründen der Übersichtlichkeit beschränken wir uns auf einige wenige Geschäftsfälle:

(1) Kauf von Waren in bar: 5.000 €    
  Konto „Waren“: + Zunahme im Soll
  Konto „Kasse“: Abnahme im Haben
(2) Kunde bezahlt Rechnung in bar: 20.000 €    
  Konto „Ford. a. LL“: Abnahme im Haben
  Konto „Kasse“: + Zunahme im Soll
(3) Bezahlung einer offenen Eingangsrechnung per Überweisung: 4.000 €    
  Konto „Bank“: Abnahme im Haben
  Konto „Verb. a. LL“ Abgang im Soll

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Überträgt man die o. g. Geschäftsfälle auf die entsprechenden Konten, so ergibt sich folgendes Bild (es werden nur die Konten dargestellt, auf denen sich Veränderungen ergeben haben):

S Waren H
AB 125.000,00    
(1) 5.000,00    
 
S Verbindl. a. LL. H
(3) 4.000,00 AB 85.000,00
 
S Ford. a. LL. H
AB 38.000,00 (2) 20.000,00
 
S Ford. a. LL. H
AB 4.000,00 (1) 5.000,00
(2) 20.000,00    
 
S Guthaben/Banken H
AB 20.000,00 (3) 4.000,00

4. Schritt:

Abschluss der Konten (dargestellt am Beispiel des Kontos „Kasse“):

4.1 Addition der wertmäßig größeren Seite (hier Soll: 24.000):

S Kasse H
AB 4.000,00 (1) 5.000,00
(2) 20.000,00    
  24.000,00    

4.2 Übertragung der Summe (= 24.000) auf die wertmäßig kleinere Seite:

S Kasse H
AB 4.000,00 (1) 5.000,00
(2) 20.000,00   24.000,00
  24.000,00    

4.3 Ermittlung des Saldos auf der wertmäßig schwächeren Seite ; der Saldo = Schlussbestand (SB) wird in die Schlussbilanz übernommen:

S Kasse H
AB 4.000,00 (1) 5.000,00
(2) 20.000,00 SB 19.000,00
  24.000,00   24.000,00

5. Schritt:

Erstellung der Schlussbilanz:

Nach Abschluss aller Konten wird die Schlussbilanz erstellt, indem die Schlussbestände der Aktivkonten auf der Aktivseite und die Schlussbestände der Passivkonten auf der Passivseite übertragen werden.

In der Praxis muss allerdings vorher noch der Vergleich der Buchbestände (= SB) mit den Istbeständen (lt. Inventur) durchgeführt werden.

AKTIVA Schlussbilanz PASSIVA
       
   
Grundstücke,, Bauten 340.000,00 Eigenkapital 72.000,00
BGA 111.000,00 Verbindlichkeiten/Banken 670.000,00
Fahrzeuge 234.000,00 Verbindlichkeiten a. LL 81.000,00
Waren 130.000,00 Sonst. Verbindlichkeiten 45.000,00
Forderungen a. LL 18.000,00    
Kassenbestand 19.000,00    
Guthaben/Banken 16.000,00        
  868.000,00   868.000,00

05. Welchen Inhalt hat die Gewinn- und Verlustrechnung einer Kapitalgesellschaft?

Die GuV-Rechnung ist im Gegensatz zur Bilanz eine Zeitraumrechnung , die für Kapitalgesellschaften in § 275 Abs. 2 HGB gesetzlich vorgeschrieben ist. Sie zeigt, wie der Unternehmenserfolg zustande gekommen ist (Gegenüberstellung von Aufwendungen und Erträgen).

06. Wie ist die GuV-Rechnung einer Kapitalgesellschaft gegliedert?

Die Gliederung nach dem Gesamtkostenverfahren ist nach BilRUG zwingend vorgegeben:

  1. Umsatzerlöse
+/– 2. Erhöhung oder Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnis
+ 3. andere aktivierte Eigenleistungen
+ 4. sonstige betriebliche Erträge
5. Materialaufwand
6. Personalaufwand
7. Abschreibungen
8. sonstige betriebliche Aufwendungen
+/– 9. Erträge aus Beteiligungen, davon aus verbundenen Unternehmen
+ 10. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens, davon aus verbundenen Unternehmen
+ 11. sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, davon aus verbundenen Unternehmen
12. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens
13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen, davon an verbundene Unternehmen
14. Steuern vom Einkommen und vom Ertragt
=

15.

Ergebnis nach Steuern
16. sonstige Steuern
=

17.

Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag

Der Absatz 5 regelt die Darstellung für die Kleinstkapitalgesellschaften, die wie folgt anstelle der Staffelungen ausreicht:

  • Umsatzerlöse

  • sonstige Erträge

  • Materialaufwand

  • Personalaufwand

  • Abschreibungen

  • sonstige Aufwendungen

  • Steuern

  • Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag.

07. Wie wird auf Erfolgskonten gebucht und wie erfolgt der Abschluss über das Gewinn- und Verlustkonto?

Erfolgskonten sind Unterkonten des Kontos Eigenkapital . Erfolgskonten haben daher keinen Anfangsbestand und verändern sich in gleicher Weise wie das Eigenkapitalkonto. Aufwendungen vermindern das Eigenkapital (Buchung im Soll). Erträge vermehren das Eigenkapital (Buchung im Haben).

S GuV H
  Minderungen Anfangsbestand  
  Schlussbestand Mehrungen  
   
  Aufwandskonten Ertragskonten  
← Erfolgskonten →
Beispiele für Erfolgskonten:
  • Warenaufwendungen
  • Gehälter
  • Löhne
  • Mietaufwendungen
  • Zinsaufwendungen
  • Warenverkauf (Erlöse)
  • Mieteinnahmen
  • Zinserträge
  • Provisionserträge

Alle Aufwandskonten werden über das Gewinn- und Verlustkonto (GuV-Konto) mit folgenden Buchungssätzen abgeschlossen:

GuV-Konto an Aufwandskonten
Ertragskonten an GuV-Konto

Im GuV-Konto werden die Aufwendungen auf der Sollseite und die Erträge auf der Habenseite ausgewiesen. Der Saldo der GuV-Kontos zeigt den Erfolg des Unternehmens (Gewinn: Aufwendungen < Erträge; Verlust: Aufwendungen > Erträge):

S GuV-Konto H   S GuV-Konto H
Aufwendungen   Erträge     Aufwendungen   Erträge  
Gewinn             Verlust  

Das GuV-Konto wird über das Eigenkapitalkonto abgeschlossen:

bei Gewinn:

GuV-Konto an Eigenkapitalkonto

bei Verlust:

Eigenkapitalkonto an GuV-Konto

S Eigenkapital H   S Eigenkapital H
  Schlusskapital Anfangskapital       Verlust Anfangskapital  
    Gewinn       Schlusskapital    
             
    Kapitalerhöhung       Kapitalminderung