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Standortwahl und Standortfaktoren

→ 1.2.2, 1.2.6

01. Wie ist der Standort eines Betriebs definiert?

Der Standort ist der geografische Ort der Niederlassung eines Betriebs.

Vgl. dazu:>> 1.2.2
>> 1.2.6
Bestandteile einer Geschäftsidee
Unternehmensbewertung

02. Welcher Standort ist am günstigsten?

Der günstigste Standort ist für ein Unternehmen derjenige, bei dem auf Dauer der maximale Gewinn erwirtschaftet werden kann und der damit die größtmögliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals gewährleistet.

03. Welche Bedeutung hat die Wahl des Standorts?

Die Wahl des optimalen Standorts gehört neben der Festlegung der Rechtsform und der Frage von Zusammenschlüssen mit anderen Unternehmen zu den grundlegenden, strategischen Entscheidungen. Sie sind in der Regel auf Dauer angelegt und können meist nur schwer korrigiert werden (Zeit, Aufwand, Bekanntheitsgrad, Kundengewinnung u. Ä.).

04. Was bezeichnet man als gebundenen bzw. freien Standort?

  • Beim gebundenen Standort wird die Wahl des Standortes von vornherein festgelegt oder eingeschränkt; Beispiele: in der Nähe von Abbaubetrieben (Kohle, Salze), z. T. Energiebetriebe.

  • Beim freien Standort kann die Wahl des optimalen Standortes allein nach ökonomischen Gesichtspunkten unter Abwägung aller relevanten Standortfaktoren erfolgen.

05. In welchen Schritten ist über den Standort zu entscheiden (Ebenen der Standortwahl)?

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  1. Das Unternehmen muss entscheiden, ob der Standort im Ausland oder im Inland sein soll.

  2. Innerhalb der gewählten Volkswirtschaft ist die geeignete Region festzulegen (z. B. Bundesland in der BRD).

  3. Danach ist der lokale Standort zu ermitteln (Mikrostandort innerhalb der Region, z. B. Stadt oder ein bestimmtes Gewerbegebiet).

  4. Abschließend erfolgt die innerbetriebliche Standortwahl: Es muss über die räumliche Lage der Betriebsteile und Abteilungen eine möglichst optimale Zuordnung getroffen werden.

    Dabei sind vor allem folgende Prinzipien zu berücksichtigen:

    • Minimierung der Transportzeiten

    • zentrale Anordnung von Abteilungen/Stellen mit hoher Kommunikationsfrequenz (Kommunikationsanalyse)

    • Trennung von Arbeits- und Pauseneinrichtungen (vgl. auch: ArbStättV)

    • Einhaltung des Zusammenhangs von Betriebsbereichen.

06. Welche Faktoren sind bei der Wahl des Standortes grundsätzlich relevant?

Standortfaktoren
– ausgewählte Beispiele –
Faktoren der BeschaffungFaktoren des AbsatzesStaatliche RahmenbedingungenLandschaftsbedingungen
Rohstoffe, HilfsstoffeAbsatz, Umsatz, Nachfrage, Kaufkraft, EinzugsgebietSteuern, Zölle, Abgaben, SubventionenKlima, Umwelt
Energie, FremdleistungenKonkurrenz: Zahl, Größe, Entfernung, AttraktivitätWirtschaftspolitik, Bildungspolitikgeologische Bedingungen
Arbeitskräfte, QualifikationenObjekt: Verkaufsfläche, Lagerfläche, Raumhöhe, gute Anlieferung, BaunutzungsverordnungVerbraucherschutz
soziale Umwelt, politische Umwelt
Forschung
Verkehrsverhältnisse, TransportkostenVerkehrsverhältnisse, Parkplätze, VerkehrsanbindungUmweltschutz
Transportkosten
Absatzmittler

Der Handel wird insbesondere folgende Standortfaktoren prüfen und bewerten:

  • die Trends in der Nachfrageentwicklung

  • die Bevölkerungsentwicklung (generell oder in der Region)

  • die Einkommensentwicklung und die Einkommensverteilung im Einzugsbereich

  • Verbraucherdaten

  • die Marktanteile

  • die Konkurrenzsituation

  • die Lagermöglichkeiten

  • der Bestand an Arbeitskräften und die Möglichkeiten der Personalwerbung

  • die Lage im Hinblick auf die Verkehrsmittel

  • die Höhe der Gemeindesteuern

  • die Möglichkeiten der Inanspruchnahme öffentlicher Wirtschaftsförderung

  • die Möglichkeiten zur Bebauung des Grundstücks einschließlich notwendiger Erweiterungen

  • Parkmöglichkeiten

  • rechtliche Schwierigkeiten beim Erwerb von Grundstücken (Denkmalschutz)

  • Nachbargeschäfte (passend: Niveau, Preislagen, Warenart)

  • Grundstückspreise

  • der Werbewert des geplanten Standortes

  • Größe und Aufteilung der Verkaufsräume (passend zur Warenart/zum Sortiment) sowie Schaufenster/Frontbreite.

Je nach der Betriebsform im Handel variiert die Bedeutung einzelner Standortfaktoren, z. B.:

  • Großhandel, z. B.: ausreichende Fläche, Anbindung an die Autobahn, Gleisnetz oder Wasserstraße, niedrige Objektkosten bzw. Grundstückspreise.

  • Einzelhandel, z. B.: Parkplätze, Parkleitsystem, U-Bahn-Anschluss, Anlieferungsmöglichkeit (Belieferungszeiten).

07. Was versteht man unter einem konkurrenzmeidenden Standort und was – im Gegensatz dazu – unter Konkurrenzagglomeration?

Bei bestimmten Artikeln, bei denen sich die Betriebe das Absatzpotenzial zu teilen haben, besteht oft das Bestreben vieler Betriebe, der Konkurrenz aus dem Wege zu gehen.

In vielen Fällen kann die Attraktivität einer Branche oder einer Einkaufsstraße durch das Hinzukommen eines neuen Betriebes gesteigert werden. Damit ergeben sich Absatz fördernde Maßnahmen aus einer Wettbewerbshäufung (Ballung, z. B. „Automeile“).

08. Welche Bedeutung haben Steuern für die Standortwahl?

Da die Gemeinden sowohl bei der Wahl der zu erhebenden Steuern als auch in der Höhe der Steuersätze bei der Gewerbe- und bei der Grundsteuer gewisse Variationsmöglichkeiten haben und die Gemeinden teilweise Steuervergünstigungen aufgrund unterschiedlicher Gesetze gewähren können, spielt die Besteuerung für die Wahl des Standortes eine nicht unwichtige Rolle.

09. Welche Faktoren sind insbesondere bei der international orientierten Standortwahl zu berücksichtigen?

Beispiel

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  • Niveau der Lohnkosten und der Lohnzusatzkosten

  • politische und soziale Stabilität des Landes

  • Verfügbarkeit von Facharbeitern

  • Steuersätze des Landes

  • Angebote nationaler und regionaler Förderung bei der Unternehmensgründung

  • Verfügbarkeit von Ressourcen, z. B. Energie, Wasser

  • Regelungen der Umweltpolitik, z. B. Kosten der Entsorgung

  • regionale Infrastruktur und Anbindung an das internationale Verkehrsnetz.

10. Wie kann eine Standortanalyse durchgeführt werden?

Die Standortbewertung und Standortwahl (auch: Standortanalyse) wird überwiegend in folgenden Schritten durchgeführt:

  1. Festlegen der für das betreffende Unternehmen relevanten Entscheidungsmerkmale

  2. Gewichten der Entscheidungsmerkmale (∑ Gewichte = 1)

  3. Ermitteln der (einfachen) Nutzwerte, das heißt, bewerten der Standortalternativen mithilfe einer Skalierung, z. B.: ordinale Skalierung: 1 = sehr gut; 2 = gut; 3 = gut – mit Einschränkungen usw.

  4. Ermitteln der gewichteten Nutzwerte (einfacher Nutzwert • Gewicht pro Merkmal)

  5. Addieren der gewichteten Nutzwerte pro Standortalternative

  6. Entscheidung für den Standort mit der höchsten Nutzwertsumme.

Das Ergebnis dieser „quasiobjektiven“ Methode (Nutzwertanalyse) darf jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich um ein subjektives Verfahren handelt. Die Entscheidung wird nur tragfähig sein, wenn die Merkmale sorgfältig bestimmt und die Bewertungen mit ausreichender Information und entsprechendem Kenntnisstand durchgeführt wurden.

Beispiel

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Ansatz einer einfachen Nutzwertanalyse im Rahmen der Entscheidung für einen internationalen Standort:

Relevante StandortfaktorenGewichtungStandort 1Standort 2
Einfacher NutzwertGewichteter NutzwertEinfacher NutzwertGewichteter Nutzwert
Logistikkosten0,130,350,5
Lohnniveau0,382,430,9
Infrastruktur0,150,550,5
Nähe zum Absatzmarkt0,372,141,2
Steuern, Abgaben0,140,440,4
Stabilität der politischen Verhältnisse0,160,660,6
1,0 6,3 4,1
Skalierung: [10 = sehr gut; …; 1 = sehr schlecht]

Nach diesem Verfahren bietet der Standort 1 den höheren Gesamtnutzen.

11. Wie wird die Kaufkraftkennziffer einer Region ermittelt?

Vom Nettoeinkommen der Haushalte einer Region wird die Sparquote abgezogen. Dadurch erhält man das ausgabefähige Einkommen. Davon sind die Ausgaben abzuziehen, die nicht dem Einzelhandel zukommen (Miete, Energiekosten usw.). Derzeit werden nur noch ca. 27 % des ausgabefähigen Einkommens für den Einzelhandel ausgegeben. Kaufkraftkennziffern werden regelmäßig von Marktforschungsinstituten wie z. B. der GfK in Nürnberg (Gesellschaft für Konsumforschung) ermittelt und zeigen für eine bestimmte Region an, ob sie über oder unter dem Bundesdurchschnitt liegt.

12. Welche Bedeutung hat die Attraktivität der Innenstädte?

Der Einzelhandel lebt oder stirbt mit der Stadtentwicklung. Veröden die Innenstädte und wird der Einzelhandel zur reinen Versorgungsfunktion degradiert und in die Randgebiete der Stadt bzw. auf die grüne Wiese abgedrängt, so kann der Handel seiner eigentlichen Aufgabe, nämlich der optimalen Versorgung der Bevölkerung mit allen Artikeln des täglichen und des gehobenen Bedarfs nicht mehr entsprechen. Eine Stadt muss als Ganzes begriffen werden. Eine attraktive Vielfalt wird durch ein breites und tiefes Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot der verschiedensten Art einschließlich der Banken und gastronomischer Betriebe erreicht. Alle Betriebstypen müssen in einer Stadt in entsprechender Zahl verbraucherfreundlich vorhanden sein. Das führt zum Beispiel aufgrund steigender Personalkosten zu großflächigeren Ladengeschäften. Allerdings werden als Folge steigender Mietpreise nicht alle Branchen in den Innenstädten vertreten sein können. Die Attraktivität der Innenstädte ist Voraussetzung für entsprechende Einkaufsmöglichkeiten. Eine Innenstadt, in der zunehmend mehr Geschäfte schließen und zum Teil Platz machen für „schrille“ Warenangebote wird der Kunde meiden.

Die Problematik ist von den Kommunen und vom Handel erkannt worden. Es wurden Kooperationen und Standortgemeinschaften entwickelt (Öffnungszeiten, Erscheinungsbild/Farbgebung, Werbeaktionen, Beleuchtung, Sicherheit, Bepflanzung u. Ä.). Bürgermeister, Makler und Ladeninhaber verständigen sich auf gemeinsame Maßnahmen (Events, Tourismus, Flächenrückbau). Einige Städte haben die Funktion eines Center-Managers geschaffen.

13. Warum muss die Attraktivität des Standorts beobachtet werden?

Die Standortfaktoren unterliegen einer Veränderung, z. B.:

  • bauliche Maßnahmen der Stadt können zu einer Verbesserung oder Verschlechterung der Attraktivität des Standortes führen (Fußgängerzone, geänderte Verkehrsführung, Straßenbaumaßnahmen über viele Monate usw.)

  • Verringerung/Erhöhung der Anzahl der Wettbewerber

  • Veränderungen im Straßenbild (Leerstand, Verfall, Wechsel in der Bevölkerungsschicht, für den Standort wichtige Betriebsformen schließen)

  • strukturelle Veränderungen der Region, die positive oder negative Auswirkungen auf die Kaufkraft haben (z. B. Bremen: Schließung der Werften und großer Teile des Hafens und der damit angrenzenden Industrie).

Dies bedeutet, dass der gewählte Standort sorgfältig in seiner Entwicklung zu beobachten ist. Auf Veränderungen muss reagiert werden – bis hin zu der gravierenden Maßnahme, den Standort zu wechseln.

14. Was versteht man unter Store-Erosion?

Store Erosion (Ladenverschleiß) ist der Verschleiß der Leistungskomponenten einer Handelseinrichtung, z. B. unmoderne, abgenutzte Ladeneinrichtung, veraltete Warenpräsentation, altmodisches Sortiment, unzeitgemäße Ansprache des Kunden durch das Verkaufspersonal, fehlende Weiterbildung.