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Kosten- und Erlösrechnung - Differenzierende Zuschlagskalkulation

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Kosten- und Erlösrechnung

Differenzierende Zuschlagskalkulation

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Bei der differenzierenden Zuschlagskalkulation werden unterschiedliche Arten von Gemeinkosten unterschiedlich zugeschlagen. Man ermittelt z.B. für die Materialkosten einen anderen Zuschlagsatz als für die Fertigungskosten. Die differenzierende Zuschlagskalkulation wird nach folgendem Schema gerechnet:

Methode

Differenzierende Zuschlagskalkulation Schema

Materialeinzelkosten MEK
+ Materialgemeinkosten +MGK
(=ZS MK ·MEK)
+ Fertigungseinzelkosten +FEK
+ Fertigungsgemeinkosten + FGK
(=ZS FK ·FEK)
+ Sondereinzelkosten der Fertigung + SEKF
= Herstellkosten = HK
+ Verwaltungsgemeinkosten +VwGK
(=ZS VW ·HK)
+ Vertriebsgemeinkosten + VtGK
(=ZS VT ·HK)
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs + SEKV
= Selbstkosten =SK

Was versteht man genau unter den Sondereinzelkosten der Fertigung?

Merke

Bei den Sondereinzelkosten der Fertigung handelt es sich um Fertigungskosten, die auftragsbezogen sind. Sie lassen sich damit, bezogen auf den Auftrag, einzeln der Fertigung zuordnen, nicht jedoch dem einzelnen Stück des zu verrechnenden Produkts.

Beispiel

Beispiel 38:
Spezialwerkzeuge lassen sich als Standardbeispiel für Sondereinzelkosten der Fertigung anführen.

Merke

Oftmals werden die Verwaltungsgemeinkosten und Vertriebsgemeinkosten nach ein und demselben Zuschlagssatz verrechnet, d.h. oft gilt ZS VW = ZS VT. Die Verwaltungs- und Vertriebskosten werden dann als einheitlicher Zuschlagssatz auf die Herstellkosten bezogen.

Problematisch ist an der differenzierenden Zuschlagskalkulation gerade die prozentuale Zuordnung der Gemeinkosten auf Einzelkosten. Hierbei wird gewissermaßen unterstellt, dass die Einzelkosten die Gemeinkosten verursachen. Problematisch ist darüber hinaus, dass oftmals sehr hohe Zuschlagssätze auf die Einzelkosten verrechnet werden. Zuschlagssätze von 200 %, 300 % oder mehr sind in der Praxis keine Seltenheit. Dieses Problem der Zuschlagskalkulation wird durch die Prozesskostenrechnung aufgegriffen. Hierbei erfolgt keine Verrechnung von Gemeinkosten bezogen auf die Einzelkosten, sondern vielmehr eine Verrechnung von Gemeinkosten in Bezug auf sog. Prozesse und Prozessmengen.

Verwechsle niemals Herstellkosten und Herstellungskosten. Der Begriff der Herstellkosten entstammt dem internen Rechnungswesen (= Kosten- und Leistungsrechnung), die Herstellungskosten hingegen gehören zum externen Rechnungswesen (= Jahresabschluss).

Beispiel zur differenzierenden Zuschlagskalkulation

Beispiel

Beispiel 39:
Wir betrachten die Unternehmung aus Beispiel 31, deren BAB wir ausgerechnet hatten. Die Materialeinzelkosten des Produkts liegen bei 6 €, die Fertigungseinzelkosten bei 5 €. Es mögen Sondereinzelkosten der Fertigung auftreten von 3 €. Schließlich fallen Sondereinzelkosten des Vertriebs an von 1 €.
Berechne die Herstellkosten und die Selbstkosten.

Zur Wiederholung: die errechneten Zuschlagsätze aus dem BAB ergaben

Zuschlagsatz Materialkosten: 25 %,
Zuschlagsatz Fertigungskosten: 200 %,
Zuschlagsatz Verwaltungskosten: 9,39 %.

Hiermit lassen sich die Herstellkosten und die Selbstkosten nach dem o.g. Schema kalkulieren.

Man setzt die Einzelkosten ein und multipliziert die jeweiligen Einzelkosten mit dem entsprechenden Zuschlagsatz. So sind die Materialeinzelkosten von 6 € mit 25 % zu multiplizieren, um die auf das Produkt zuzuordnenden Materialgemeinkosten in Höhe von $\ 0,25 \cdot 6 = 1,50\ € $ zu erhalten:

Positionen Produkt
Materialeinzelkosten 6
+ Materialgemeinkosten (= $\ ZS_{MK} \cdot MEK = 0,25 \cdot 6 $) 1,5
+ Fertigungseinzelkosten 5
+ Fertigungsgemeinkosten (= $\ ZS_{FK} \cdot FEK = 2 \cdot 5 $) 10
+ Sondereinzelkosten der Fertigung 3
= Herstellkosten 25,5
+ Verwaltungskosten ( = $\ ZS_{VW} \cdot HK = 0,0939 \cdot 25,5 $) 2,39
+ Vertriebskosten (= $\ ZS_{VK} \cdot HK $) --
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs 1
= Selbstkosten 28,89


Tab. 35: Selbstkosten in differenzierender Zuschlagskalkulation


Zuschlagskalkulation Kritik

Problematisch an der Zuschlagskalkulation ist aber eben diese Aktion des Zuschlagens.

Man tut bei der Zuschlagskalkulation so, als würden die Einzelkosten die Gemeinkosten verursachen, was nicht der Fall ist. Im vorliegenden Beispiel 39 werden auf die 5 € Materialeinzelkosten einfach 25 % drauf geschlagen, so dass die Einzelkosten die Gemeinkosten in ihrer Höhe beeinflussen, gewissermassen verursachen.

Dieses Problem geht man mit der Prozesskostenrechnung an, bei der die Gemeinkosten nicht nach Maßgabe der Einzelkosten, sondern vielmehr nach Maßgabe sog. Prozesse zugeordnet werden. Man erreicht hierdurch klarerweise auch keine Verursachungsgerechtigkeit – weil Gemeinkosten definitionsgemäß nicht verursachungsgemäß zuordenbar sind – wohl aber eine Beanspruchungsgerechtigkeit.

Zuschlagskalkulation Video

Video: Differenzierende Zuschlagskalkulation