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Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen - Kosten- und Leistungsrechnung

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Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen

Kosten- und Leistungsrechnung

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Inhaltsverzeichnis

Kosten- und Leistungsrechnung

Hinweis

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Die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung – insbesondere der Deckungsbeitragsrechnung – werden vorausgesetzt und nicht erneut behandelt.

Ein- und mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

Video: Kosten- und Leistungsrechnung

 

01. Wie ist das Verfahren bei der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung?

Die einstufige Deckungsbeitragsrechnung

  • erfordert eine Aufteilung der Gesamtkosten in fixe und variable Bestandteile,

  • verrechnet die variablen Kosten auf die Bezugsobjekte und

  • lässt die fixen Kosten als Block in die kurzfristige Ergebnisrechnung einfließen.

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen

Einstufige Deckungsbeitragsrechnung mit mehreren Produkten (in €)

BereicheBereich IBereich IIgesamt
GruppenErzeugnisgruppe
1
Erzeugnisgruppe
2
Erzeugnisgruppe
3
 
ProdukteProdukt
1
Produkt
2
Produkt
3
Produkt
4
Produkt
5
Produkt
6
  Umsatz-erlöse30.00028.0008.00031.00064.00052.000213.000
– variable Kosten12.00014.0006.00016.00029.00021.00098.000
= DB18.00014.0002.00015.00035.00031.000115.000
– Fixkosten84.000
= Betriebsergebnis31.000

02. Wie ist das Verfahren bei der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung?

Die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung ( Fixkostendeckungsrechnung )

  • ist eine Weiterentwicklung der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung und

  • verrechnet die variablen Kosten auf die Bezugsobjekte.

  • Die fixen Kosten werden stufenweise entsprechend ihrer Zurechenbarkeit berücksichtigt. Man unterscheidet: Eine weitere Untergliederung ist möglich.

     Erlöse
    -variable Kosten
    =Deckungsbeitrag I
    -erzeugnisfixe Kosten
    =Deckungsbeitrag II
    -erzeugnisgruppenfixe Kosten
    =Deckungsbeitrag II
    -unternehmensfixe Kosten
    =Betriebsergebnis

Demzufolge arbeitet man in der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung mit einer modifizierten Struktur von Deckungsbeiträgen. Selbstverständlich führen beide Verfahren (ein-/mehrstufige DB-Rechnung) zum gleichen Betriebserfolg.

Entscheidungsorientierte Teilkostenrechnung

Hinweis

Hier klicken zum Ausklappen

Im Rahmen der entscheidungsorientierten Teilkostenrechnung werden hier behandelt:

imported

 

01. Welche Aussagekraft hat die Ermittlung der „kritischen Menge“ im Rahmen der Kostenvergleichsrechnung?

  • Die kritische Menge

    Im Rahmen der Break-Even-Analyse ist die kritische Menge erreicht, wenn U = K. Im Gebiet der statischen Investitionsrechnung (vgl. 1.1.4) bezeichnet man als kritische Menge die Menge, bei der eine Investition gerade vorteilhaft wird.
     (auch: Grenzstückzahl) ist die Menge, bei der zwei verschiedene Verfahren mit gleichen Kosten arbeiten.
  • Allgemein gilt für die kritische Stückzahl x:

    $$K_1 \; = \; K_2$$

    $$K_{f1}\;+\;x\;\cdot\;k_1\;=\;K_{f2}\;+\;x\;\cdot\;k_2$$ 

    $$K_{f1} + x \;\cdot\; k_{1} = K_{f2} + x \;\cdot\; k_{2}$$

    $$↓$$

    $$x = \frac{K_{f1} – K_{f2}}{k_2 – k_1} = \frac{K_{f2} – K_{f1}}{k_1 – k_2}$$

     $$↓$$

    $$Grenzstückzahl = \frac{Fixkosten_1\; – \;Fixkosten_2}{variable\; Stückkosten_2 \;–\; variable\; Stückkosten_1}$$

    Betrachtet man die Formel, so lässt sich leicht erkennen, dass die Errechnung der kritischen Menge auf der Differenz der Fixkosten und der Differenz der variablen Stückkosten beruht

2. Wie ist ein Zusatzauftrag mithilfe der Deckungsbeitragsrechnung zu bewerten?

Als Zusatzauftrag bezeichnet man alle Aufträge, die zu Preisen unterhalb der derzeitigen Verkaufspreise angenommen werden. Dadurch soll erreicht werden:

  • bessere Nutzung der zur Zeit nicht ausgelasteten Kapazität
  •  Verbesserung des Periodenerfolgs

  •  zusätzliche Ausschöpfung des Marktpotenzials.

Die Annahme eines Zusatzauftrages ist dann vorteilhaft, wenn der Gewinn bei Annahme mindestens so hoch ist wie bei Ablehnung. Der Erlös des Zusatzauftrages muss also mindestens seine variablen Kosten decken. Die fixen Kosten sind bereits durch die Erlöse der bisherigen Fertigung gedeckt. Die Fragestellung ist mithilfe der Deckungsbeitragsrechnung zu beantworten.

03. Wie lässt sich die optimale Maschinenauswahl ermitteln?

Die optimale Maschinenauswahl (auch: optimales Fertigungsverfahren) lässt sich z. B. mithilfe der Kostenvergleichsrechnung ermitteln (vgl. Frage 01., kritische Menge):

Merke

Hier klicken zum AusklappenBei Überschreiten der kritischen Menge ist das kostengünstigere Verfahren zu wählen; es ist das Verfahren, das zwar höhere Fixkosten aber geringere variable Kosten hat.

04. Wie lässt sich kurzfristig die Maschinenbelegung mithilfe der Deckungsbeitragsrechnung optimieren?

Bedingungen:

  • Es liegt kein Engpass vor.

  • Die Anlagen sind insgesamt nicht ausgelastet.

  • Kurzfristig können oder sollen keine neuen Anlagen beschafft werden.

  • Das oder die Erzeugnisse können auf allen Anlagen gefertigt werden.

Lösung:

Es werden die Anlagen genutzt, die die geringsten variablen Stückkosten haben bzw. die den höchsten Deckungsbeitrag erwirtschaften. Die fixen Kosten je Anlage bleiben unberücksichtigt, da sie kurzfristig unveränderbar sind.

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen

Derzeit wird auf zwei Anlagen unter folgenden Bedingungen gefertigt:

  Anlage 1Anlage 2gesamt
KapazitätStück/Monat8.0004.000 
Fertigungsmenge
(= Absatzmenge)
8.0004.00012.000
Variable Kosten€/Stück2,504,50 
Fixe Kosten€/Monat10.00014.00024.000
Verkaufspreis€/Stück6,506,50 

Bedingung:

Im kommenden Monat wird mit einer Verringerung des Absatzes um 3.000 Stück gerechnet. Bei Teilkostenbetrachtung ergibt sich daher folgende Situation:

  Anlage 1Anlage 2
   Stückpreis€/Stück6,506,50
–  variable Stückkosten2,504,50
= db4,002,00

Bei dem Auswahlproblem wird auf Anlage 1 die unveränderte Menge gefertigt, da sie den höchsten Stückkostendeckungsbeitrag erwirtschaftet. Der Absatzrückgang geht zulasten der Anlage 2.

Ergebnis:

Variante 1Anlage 1: 8.000 Stk.Anlage 2: 1.000 Stk. 
Deckungsbeitrag€/Monat4 • 8.0002 • 1.000
32.0002.00034.000

Im Vergleich dazu würde der Absatzrückgang zulasten der Anlage 1 einen insgesamt geringeren Deckungsbeitrag ergeben:

Variante 2Anlage 1: 5.000 Stk.Anlage 2: 4.000 Stk. 
Deckungsbeitrag€/Monat4,00 • 5.0002,00 • 4.000
20.0008.00028.000

05. Welche Variablen entscheiden über Eigen- oder Fremdfertigung?

Die Entscheidung über Eigen- oder Fremdfertigung (Make-or-Buy-Analyse; MoB) ist abhängig von

  • qualitativen Gesichtspunkten, z. B.:

    Abhängigkeit von Lieferanten, Qualitätssicherung beim Lieferanten, Zuverlässigkeit und

  • Kostengesichtspunkten:

    kurzfristige EntscheidungKurzfristig wird die vorhandene Produktionsausstattung als Datum gesehen. Liegt kein Engpass vor, so wird eigengefertigt, wenn der Einkaufspreis pro Stück (p) über den variablen Stückkosten (kv) liegt. Die fixen Kosten werden bei der kurzfristigen Betrachtung nicht beachtet, da sie unabhängig vom Fremd- oder Eigenbezug anfallen.

    Eigenfertigung, wenn $p > k_v$
    langfristige EntscheidungHier werden die Produktionsbedingungen als veränderbar gesehen. Eigenfertigung und Fremdbezug werden meist im Wege der Kostenvergleichsrechnung (statische Investitionsrechnung) gegenübergestellt unter Einbeziehung der fixen und variablen Kosten bei der Eigenfertigung und den Bezugskosten der Fremdfertigung. Alternativ können dynamische Verfahren der Investitionsrechnung eingesetzt werden. Die Berechnung ist aufwendiger aber geeigneter.

Absolute und relative Deckungsbeiträge

01. Wie kann kurzfristig das optimale Produktionsprogramm ermittelt werden?

Video: Kosten- und Leistungsrechnung

Beispiel

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Ein Unternehmen stellt drei Produkte her. Es existiert kein Engpass.

ProduktAbsatz
(Stück pro Monat)
Verkaufspreis
(p)
(€/Stück)
Variable Stückkosten
(kv)
(€/Stück)
Deckungsbeitrag
pro Stück
(€/Stück)
A8.000150160–10
B10.00027018090
C4.00030025050

Es ergeben sich in letzter Tabellenspalte für die Produkte A bis C die absoluten Deckungsbeiträge pro Stück: db = p – kv

Das optimale Produktionsprogramm ohne Engpass ist daher:

  • Produkt A wird nicht hergestellt (negativer db); Ausnahme: Produkt A muss aus produktionstechnischen Gründen oder Marktgesichtspunkten hergestellt werden, z. B. der Kunde ordert C häufig in Verbindung mit A).

  • Produkt B und C werden mit der Höchstmenge hergestellt.

Merke

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Kurzfristig gilt: Liegt kein Engpass vor, so sollte das Unternehmen alle Produkte herstellen, die einen positiven (absoluten) Deckungsbeitrag erwirtschaften.

Beispiel

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Ein Unternehmen stellt drei Produkte her. Es existiert ein Engpass: Die verfügbare Kapazität beträgt nur 3.000 Stunden.

ProduktFertigungs-zeit
(min/Stück)
Erwarteter Absatz
(Stück/Monat)
Verkaufs-preis
(€/Stück)
Variable Stückkosten
(€/Stück)
Deckungs-beitrag pro Stück
(€/Stück)
A408.000150160–10
B2010.00027018090
C104.00030025050

Liegt ein Engpass vor, kann nicht mit dem (absoluten) Deckungsbeitrag gearbeitet werden, da die Fertigungszeiten zu berücksichtigen sind. Man ermittelt daher den relativen Deckungsbeitrag. Er ist der Deckungsbeitrag, der pro Engpasszeiteinheit erwirtschaftet wird (im vorliegenden Fall die Fertigungszeit in min/Stück).

$$Relativer\; Stückdeckungsbeitrag = \frac{(absoluter)\; Deckungsbeitrag\; pro\; Stück}{Fertigungszeit\; pro\; Stück}$$

Im vorliegenden Fall ergibt sich für Produkt B und C:

$$Relativer\; db_{Produkt\; B} = \frac{(absoluter)\; db}{min/Stück}$$

$$= \frac{90}{20} = 4,5\; €/min = 270 \;€/Std.$$

$$Relativer\; db_{Produkt\; C} = \frac{50}{10} = 5,0 \;€/min = 300 \;€/Std.$$

Anhand der relativen Deckungsbeiträge wird das Produktionsprogramm in eine Rangfolge (Priorität) gebracht. Die begrenzte Kapazität ist entsprechend der Rangfolge zu verteilen: Von Produkt C wird die erwartete Absatzmenge hergestellt; von B können nur noch 7.000 Stück produziert werden.

Produkte
 ABC
(absoluter) db–109050
benötigte Fertigungszeit (min/Stück)402010
relativer db (€/min)–0,254,505,00
Priorität/Reihenfolge321
Erwarteter Absatz8.00010.0004.000
zugewiesene Fertigungsminuten0140.00040.000
Produktionsmenge07.0004.000
Deckungsbeitrag je Produkt0630.000200.000
Deckungsbeitrag insgesamt830.000

Merke

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Kurzfristig gilt: Liegt ein Engpass vor, so ist das Produktionsprogramm in der Rangfolge der relativen Deckungsbeiträge aufzustellen.

Normalkostenrechnung

01. Wie ist das System der Vollkostenrechnung gegliedert?

imported

 

02. Wie unterscheiden sich Istkosten, Normalkosten und Plankosten?

Istkosten:

Tatsächliche Kosten, die nachträglich, d. h. nach einer Abrechnungsperiode, festgestellt wurden.

Normalkosten:

Normalkosten werden durch die Berechnung von Durchschnittswerten (arithmetische Mittel) gebildet. Die Bezugsperiode für die Berechnung kann ein Quartal oder ein Jahr sein. Die Normalkosten sind vergangenheitsorientiert.

Plankosten:

Sie stellen zukunftsorientierte Kosten dar, die sich auf die kommenden Perioden beziehen.

Durch den Vergleich von Ist- und Normalkosten im BAB können Über- und Unterdeckungen festgestellt werden. Auch bei der Zuschlagskalkulation können Abweichungen zwischen Ist- und Normalkosten dokumentiert werden.

03. Wodurch unterscheidet sich die starre von der flexiblen Normalkostenrechnung?

Bei der starren Normalkostenrechnung geht man von einem bestimmten Beschäftigungsgrad aus, wobei die ermittelten Kosten über einen längeren Zeitraum konstant bleiben. Die Kostensätze haben nur für den gewählten Beschäftigungsgrad Bedeutung. In der Praxis kann die starre Normalkostenrechnung z. B. im Forschungsbereich eingesetzt werden, da i. d. R. keine direkte Abhängigkeit von der Auftragslage herrscht. Ein wesentlicher Nachteil der starren Normalkostenrechnung besteht in der mangelnden Anpassungsfähigkeit an veränderte Beschäftigungslagen.

Dieser Nachteil der starren Normalkostenrechnung wird durch die flexible Normalkostenrechnung behoben, weil der Beschäftigungsgrad bei der Ermittlung der Kosten berücksichtigt werden kann. Zudem ermöglicht die flexible Normalkostenrechnung eine Ermittlung der Beschäftigungsabweichung sowie der Verbrauchsabweichung.

Plankostenrechnung

Video: Kosten- und Leistungsrechnung

01. Welche Stufen sind beim Aufbau der Plankostenrechnung erforderlich?

Der Aufbau einer Plankostenrechnung umfasst:

  • Die Kostenartenrechnung:

    Planung der Kostenarten: Erfassung aller zu erwartenden Kosten in der Planperiode (z. B. für das kommende Geschäftsjahr)

  • Die Kostenstellenrechnung:

    Zuordnung der zukünftig anfallenden Kosten auf die Kostenstellen (Festlegung der Plankosten je Kostenart und Kostenstelle)

  • Soll-Ist-Vergleich:

    Gegenüberstellung geplanter und tatsächlich entstandener Kosten als Hauptziel der Plankostenrechnung

  • Kostenträgerrechnung:

    Durchführung der Kostenträgerzeitraumrechnung bzw. der Kostenträgerstückrechnung auf der Basis von Plankosten; Ermittlung der Abweichungen bei einem Kostenträger je Periode bzw. Vergleich der Plankalkulation (auf Basis von Plankosten) mit der Nachkalkulation (auf Basis tatsächlich entstandener Istkosten).

Merke

Hier klicken zum Ausklappen

Die Istkosten der Plankostenrechnung (PKR) unterscheiden sich von den Istkosten der Istkostenrechnung (IKR):

IKRIstkostenrechnung (KIKR)

Istkosten 

= Istmenge •  Istpreis

PKRPlankostenrechnung (KPKR)

Istkosten 

= Istmenge •  Planpreis

Daher gilt:

 

imported

02. Wie ist das Verfahren bei der starren Plankostenrechnung?

  • Merkmale:

    • Sie führt keine Auflösung der Kosten in fixe und proportionale Bestandteile durch.

    • Die Vorgabe der Kosten (Planwerte) erfolgt primär auf der Basis zukünftiger Entwicklungen (Erwartungen).

  • Vorteile:

    • Das Verfahren ist relativ einfach.

  • Nachteile:

    • Der Beschäftigungsgrad wird nicht berücksichtigt.

    • Bei Beschäftigungsschwankungen ist keine exakte Kostenkontrolle möglich.

    • Abweichungen (Soll – Ist) können nur als Ganzes dargestellt werden.

Es gelten bei der starren Plankostenrechnung folgende Beziehungen:

Starre Plankostenrechnung (Formeln)
1. Plankosten=Planmenge • Planpreis
2. Istkosten=Istmenge • Planpreis
3. Plankostenver-rechnungssatz=Plankosten : Planbeschäftigung
  =Istbeschäftigung • Plankostenverrechnungssatz
4. Verrechnete Plankosten Beschäftigungsgrad • Plankosten
  =Beschäftigungsgrad = Istbeschäftigung : Planbeschäftigung • 100
5. Abweichung=Istkosten - verrechnete Plankosten

03. Wie ist das Verfahren bei der flexiblen Plankostenrechnung?

  • Merkmale:

    • Sie führt eine Auflösung der Kosten in fixe und proportionale Bestandteile durch.

    • Durch die Einführung der Sollkosten lässt sich die Gesamtabweichung differenziert in die Verbrauchsabweichung und die Beschäftigungsabweichung darstellen: Die Sollkosten enthalten die geplanten Fixkosten in voller Höhe und die geplanten variablen Kosten in Abhängigkeit vom Beschäftigungsgrad. Dadurch lassen sich Verbrauchsabweichungen ermitteln.

  • Vorteile:

    • Die Kostenkontrolle ist wirksam in der Kostenarten- und in der Kostenstellenrechnung.

    • Durch die Berücksichtigung von Beschäftigungsschwankungen während der laufenden Periode wird erreicht:

      • Die Genauigkeit der Kalkulation wird verbessert.

      • Die Abweichung kann differenziert als Verbrauchs- und als Beschäftigungsabweichung ermittelt werden.

  • Nachteil:

    Die fixen Kosten haben die gleichen Bezugsgrößen wie die variablen Kosten („erzwungene Proportionalisierung“ der fixen Kosten).

  • Vorgehensweise:

    1. Errechnung der Plankosten je Kostenstelle .

    2. Aufspaltung der Plankosten in fixe und variable Bestandteile.

Es gelten bei der flexiblen Plankostenrechnung folgende Beziehungen:

Flexible Plankostenrechnung (Formeln)
1.1 Proportionaler Plankostenverrechnungssatz=Proportionale Plankosten : Planbeschäftigung
1.2 Fixer Plankostenverrechnungssatz=Fixe Plankosten : Planbeschäftigung
1.3 Plankostenverrechnungssatz
(gesamt) bei Planbeschäftigung
=Proportionaler Plankostenverrechnungssatz + Fixer Plankostenverrechnungssatz
=Plankosten : Planbeschäftigung
2. Verrechnete Plankosten=Istbeschäftigung • Plankostenverrechnungssatz
=Plankosten • Beschäftigungsgrad
3. Sollkosten=Fixe Plankosten + Prop. Plankostenverrechnungssatz • Istbeschäftigung
=Fixe Plankosten + Prop. Plankosten • Beschäftigungsgrad
4. Beschäftigungsabweichung (BA)
Hinweis: Die Definition der BA und der VA ist in der Literatur nicht einheitlich; ebenso: vgl. Olfert, 2008, S. 245 sowie Däumler/Grabe, 2009, S. 31, 321 ; anders: Schmolke/Deitermann, 2011, S. 485 (hier wird allerdings das Vorzeichen in Klammern gesetzt).
Abweichung, die auf einer Beschäftigungsänderung basiert
=Sollkosten – Verrechnete Plankosten
5. Verbrauchsabweichung (VA)
Hinweis: Die Definition der BA und der VA ist in der Literatur nicht einheitlich; ebenso: vgl. Olfert, 2008, S. 245 sowie Däumler/Grabe, 2009, S. 31, 321 ; anders: Schmolke/Deitermann, 2011, S. 485 (hier wird allerdings das Vorzeichen in Klammern gesetzt).
Abweichung, die nicht auf einer Beschäftigungsänderung basiert
=Istkosten – Sollkosten







(Istmenge • Planpreis) – (Planmenge • Planpreis)
6. Gesamtabweichung (GA)=Istkosten – Verrechnete Plankosten
=Verbrauchsabweichung + Beschäftigungsabweichung

Generell gilt:

Istbeschäftigung = PlanbeschäftigungVerrechnete Plankosten = Sollkosten

Schnittpunkt der Sollkostenfunktion mit der Funktion der verrechneten Plankosten.
Istbeschäftigung Plankosten 
Ein Teil der fixen Kosten wird nicht verrechnet.
Istbeschäftigung > PlanbeschäftigungPlankosten > Sollkosten

Es werden mehr fixe Kosten verrechnet als nach Plan anfallen sollen.

04. Was ist der Soll-Ist-Vergleich?

Der Soll-Ist-Vergleich ist der Hauptzweck der Plankostenrechnung: Den geplanten Kosten werden die tatsächlich entstandenen Kosten gegenüber gestellt. In der Praxis wird der Kostenstellenverantwortliche einen monatlichen Report erhalten, der die Istkosten und die Sollkosten – einzeln je Monat und meist auch aktuell aufgelaufen – enthält. Meist wird der Soll-Ist-Vergleich nicht nur in absoluten Werten, sondern auch in Prozentwerten ausgewiesen. In größeren Betrieben besteht für den Kostenstellenverantwortlichen eine interne Vorgabe, Abweichungen, die einen bestimmten Prozentwert überschreiten, schriftlich zu kommentieren, z. B. Abweichung in % > 5 %.

Eine Ausnahme bilden die Abweichungen, die durch Fehlplanungen oder durch nicht planbare Ereignisse aufgetreten sind.

Merke

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$$Abweichung\; absolut\; =\; Ist \; –\;  Soll$$

$$Ist – Soll \; >\;  0\; Kostenüberschreitung!$$

$$Ist – Soll \; ≤ \; 0 \; Kostenunterschreitung\; bzw.\; Einhaltung\; der\; Kostenvorgabe!$$

$$Abweichung\; in\; \% \; =\;  \frac{Ist – Soll}{Soll * 100}$$

05. Welche Abweichungen werden unterschieden?

 

imported
  • Die Preisabweichung (PA) ergibt sich als Differenz zwischen Sollkosten und Istkosten; die Differenz ergibt sich aus der Unterschiedlichkeit von Planpreis und Istpreis.

    Merke

    Hier klicken zum Ausklappen

    Es gilt:

    PA > 0 → Es sind Mehrkosten entstanden!

    PA < 0 → Es wurden zu hohe Kosten verrechnet!

    Beispiel

    Hier klicken zum Ausklappen

    $$PA = Istmenge * Istpreis – Istmenge * Planpreis$$

    $$= 1.000 * 10 – 1.000 * 12$$

    $$= – 2.000$$

    Die Istkosten der Plankostenrechnung sind höher als die Istkosten der Istkostenrechnung. Es wurden um 2.000 € höhere Kosten verrechnet als tatsächlich entstanden sind.

  • Die Verbrauchsabweichung (VA) ergibt sich als Differenz von Istkosten und Sollkosten innerhalb der flexiblen Plankostenrechnung.

    Merke

    Hier klicken zum AusklappenEs gilt:

    VA > 0 → Istkosten > Sollkosten: Verbrauch ist höher als geplant!

    VA < 0 → Istkosten < Sollkosten: Verbrauch ist niedriger als geplant!
  • Das Problem besteht darin, dass vor der Ermittlung der VA die anderen Abweichungen bekannt sein müssen. Die VA ist somit eine Restgröße, die sich aus der Gesamtabweichung minus Preis-, Beschäftigungs- und ggf. Verfahrensabweichung ergibt. Die VA kann weiter gegliedert werden in Material- und Lohnabweichungen.

    imported
  • Die Beschäftigungsabweichung (BA) ist die Differenz zwischen Sollkosten und verrechneten Plankosten innerhalb der flexiblen Plankostenrechnung.

    imported

    Die Beschäftigungsabweichung verantwortet die Geschäftsleitung.

06. Was sind Grenzkosten?

Die Grenzkosten K´ zeigen an, um welchen Betrag die Kosten steigen (bzw. fallen), wenn die Leistungsmenge sich um eine Einheit verändert. Bei linearem Verlauf der Kostenkurve gilt der Differenzenquotient:

$$K´ = \frac{Kostenzuwachs}{Mengenzuwachs} = \frac{K_2 – K_1}{x_2 – x_1} = \frac{\Delta\;  K}{\Delta\;  x}$$

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen

Bei einer Produktion von 200 Stück betragen die Kosten 800 €; bei einer Produktionsmenge von 300 Stück liegen die Kosten bei 1.000 €. Die Grenzkosten betragen daher:

$$K´ = \frac{1.000 € – 800 €}{300\; Stück – 200\; Stück} = 200 €\; :\; 100\; Stück = 2 €/Stück$$

Schneller gelangt man zur Lösung über den Differenzialquotienten: Aus dem Beispiel ergibt sich die Kostenfunktion:

$$K = x * k_{v} + K_{f}$$

$$= 2\; x + 400$$

$$K_f\;=$$Fixkosten

$$k_v\;=$$

variable Stückkosten
$$x\; =$$Menge

Daraus ergibt sich als Differenzialquotient:

$$\frac{δ K}{δ x} = 2 €/Stück$$

Merke

Hier klicken zum Ausklappen

Bei linearem Verlauf der Gesamtkostenfunktion sind also die Grenzkosten gleich den variablen Stückkosten.

Target Costing

01. Wie ist der Ansatz bei der Zielkostenrechnung?

Beim Target Costing (Zielkostenrechnung) wird für ein geplantes Produkt der auf dem Markt zu realisierende Preis ermittelt (Schätzung bzw. Marktstudien). Die Fragestellung lautet also nicht „Was kostet das Produkt?“, sondern „Was darf das Produkt kosten?“ Von der Zielgröße (Marktpreis • Planmenge) wird der gesamte Aufwand subtrahiert. Der traditionelle Bottom-up-Ansatz wird zu einem Top-down-Vorgehen umgekehrt: Forschung & Entwicklung, Fertigung und Vertrieb müssen sich an der Preisbereitschaft der Kunden orientieren. Damit werden die maximal zulässigen Fertigungskosten aus dem möglichen Marktpreis retrograd ermittelt.

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen
Möglicher Marktpreis pro Stück200 €
Planabsatz500 Stück

Zielkostenermittlung

 Planumsatz 100.000
Mindestgewinn15 %– 15.000
=Zwischensumme 85.000
Vertriebskosten – 10.000
Verwaltungskosten – 9.600
=Zwischensumme 65.400
Konstruktion – 20.000
Arbeitsvorbereitung – 4.000
Werkzeuge – 10.000
=Zwischensumme 31.400
Materialkosten – 7.150
= Zulässige Fertigungskosten  24.250

Da der Marktpreis bei stärkerem Wettbewerb häufig ein Datum darstellt, können die Unternehmen die Gewinnziele nur durch Kostensenkungen (Lean Management, Outsourcing usw.) erreichen.

Prozesskostenrechnung

01. Was ist ein Prozess?

1. Definition:

Ein Prozess ist eine strukturierte Abfolge von Aktivitäten zwischen einer Ausgangssituation und einer Ergebnissituation. Alternativ: Ein Prozess ist gekennzeichnet durch Anfang und Ende, sachlich und zeitlich zusammenhängende Aufgaben, gemeinsame Informationsbasis.

Ein Prozess hat einen Input (Arbeit, Betriebsmittel usw.), eine Leistungserstellung (Aktivitäten) und einen Output (Produkt, Dienstleistung usw.).

imported

Prozesse haben einen hohen Wiederholungscharakter.

2. Definition:

Ein Prozess ist gekennzeichnet durch

  • Anfang und Ende,

  • sachlich und zeitlich zusammenhängende Aufgaben und

  • gemeinsame Informationsbasis.

02. Welche Prozessarten werden unterschieden?

Prozessarten
nach dem Inhaltnach der Bedeutungnach der Hierarchie
  • Geschäftsprozesse
  • Logistikprozesse
  • Fertigungsprozesse
  • Kernprozesse (wertschöpfend)
  • Supportprozesse (unterstützend)
  • Nicht wertschöpfende Prozesse
  • Hauptprozesse
  • Teilprozesse

03. Von welchem gedanklichen Ansatz geht die Prozesskostenrechnung aus?

Die Prozesskostenrechnung (PKR) sieht das gesamte betriebliche Geschehen als eine Folge von Prozessen (Aktivitäten). Zusammengehörige Teilprozesse werden kostenstellenübergreifend zu Hauptprozessen zusammengefasst.

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen

Zusammenfassung von Teilprozessen zu Hauptprozessen (Ausschnitt)

TeilprozesseHauptprozesse
  • Material disponieren
  • Material bestellen
  • Material annehmen, prüfen und lagern
1 Material beschaffen
  • Fertigung planen
  • Fertigung veranlassen
  • Fertigung steuern
  • Teile/Baugruppen zwischenlagern
  • Baugruppen montieren
  • Versand vorbereiten
  • Versand ausführen (Transport)
2 Fertigungsaufträge ausführen
  • Fertigungsauftrag fakturieren
  • Rechnung versenden
  • Zahlungseingang überprüfen
  • außergerichtliches Mahnwesen steuern
  • ggf. gerichtliche Mahnung veranlassen
3 Debitorenbuchhaltung steuern

Bei der Prozesskostenrechnung steht also der Prozess im Vordergrund der Betrachtung und nicht mehr die einzelne Kostenstelle – wie bei der Zuschlagskalkulation.

04. Welche Bezugsgrößen wählt die Prozesskostenrechnung (PKR) zur Verteilung der Gemeinkosten?

Die PKR ist eine Vollkostenrechnung und gliedert die Prozesse in

1. leistungsmengeninduzierte Aktivitäten (lmi)
z. B. Materialbeschaffung: Bestellvorgang, Transport, Ware prüfen
mengenvariabel zum Output
2. leistungsmengenneutrale Aktivitäten (lmn)
z. B. Materialwirtschaft: Leitung der Abteilung
mengenfix zum Output
3. prozessunabhängige Aktivitäten (pua)
z. B. Kantine, Arbeit des Betriebsrates
unabhängig vom Output

Primäre Aufgabe der PKR ist die Ermittlung der sog. „ Kostentreiber “ (Cost Driver) je leistungsmengeninduzierter Aktivität .

Typische Beispiele für Kostentreiber sind:

TeilprozesseKostentreiber – Beispiele
  • Material bestellen
Anzahl der Bestellungen
Anzahl der Fertigungsaufträge
  • Fertigung planen
  • Fertigung veranlassen
  • Fertigung steuern
  • Fertigungsabteilung leiten
kein Kostentreiber (lmn)
  • Teile/Baugruppen zwischenlagern
Anzahl der Transportbewegungen
Anzahl der Teile
  • Baugruppen montieren
Anzahl der Baugruppen
Anzahl der Verrichtungen je Montagevorgang
  • Versand vorbereiten
Anzahl der Versandstücke
Anzahl der Verrichtungen je Versandvorgang
  • Fertigungsauftrag fakturieren
Anzahl der Rechnungen
  • Rechnung versenden
  • Zahlungseingang überprüfen
Anzahl der Kunden

05. Wie wird der Prozesskostensatz ermittelt?

Für die lmi-Teilprozesse ist der Teilprozesskostensatz:

 

$$Teilprozesskostensatz = \frac{lmi-Teilprozesskosten}{Teilprozessmenge}$$

Beispiel

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Datenbasis in Auszügen; geschätzt für eine Periode

TeilprozessKostentreiberlmi-Prozessmenge
(Stück)
Teilprozesskosten
(in €)
lmilmn
1Angebote einholenAnzahl der Angebote3004.000 
2Material bestellenAnzahl der Bestellungen5007.500 
3Abteilung Einkauf leiten40.000
4Auftrag fakturierenAnzahl der Rechnungen90010.800
Summe der Kosten 22.30040.000

Berechnung der Teilprozesskostensätze:

TeilprozessBerechnungTeilprozesskostensatz
14.000 € : 300= 13,33 €/Angebot
27.500 € : 500= 15 €/Bestellung
410.800 € : 900= 12 €/Bestellung

 

$$Umlagesatz = \frac{lmn-Prozesskosten}{Summe\; Prozesskosten} \;\cdot\; Teilprozesskostensatz$$

TeilprozessUmlagesatzGesamter Teilprozess-kostensatz = Teilprozesskostensatz + Umlagesatz
1(40.000 € : 22.300 €) • 13,33 €/Angebot = 23,91 €/Angebot13,33 €/Angebot + 23,91 €/Angebot = 37,24 €/Angebot
2(40.000 € : 22.300 €) • 15 €/Bestellung = 26,91 €/Bestellung15 €/Bestellung + 26,91 €/Bestellung = 41,91 €/Bestellung
4(40.000 € : 22.300 €) • 12 €/Rechnung = 21,52 €/Rechnung12 €/Rechnung + 21,52 €/Rechnung = 33,52 €/Rechnung

06. Wie werden die Hauptprozesskostensätze ermittelt?

In der Regel wird nicht mit Teilprozesskostensätzen kalkuliert sondern mit Hauptprozesskostensätzen ; dazu werden die Teilprozesskostensätze je Hauptprozess addiert.

Beispiel

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Schematische Darstellung

HauptprozessTeilprozessTeilprozesskostensatz
  1.167
  1.212
  1.315
1 Hauptprozesskostensatz 94
 2.120
2.210
2.330
2.430
2 Hauptprozesskostensatz 90

07. Wie ist das Grundschema bei der Kalkulation mit Hauptprozesskostensätzen?

Die Hauptprozesskostensätze werden in die Kostenträgerrechnung übertragen.

Grundschema einer Prozesskostenkalkulation
 Materialeinzelkosten
+MaterialprozesskostenMenge/Cost DriverHauptprozesskostensatz
+Rest-Materialgemeinkosten Zuschlagssatz
= Materialkosten
 Fertigungseinzelkosten  
+FertigungsprozesskostenMenge/Cost DriverHauptprozesskostensatz
+Rest-Fertigungsgemeinkosten Zuschlagssatz
+Sondereinzelkosten der Fertigung  
= Fertigungskosten
= Herstellkosten
 Verwaltungsgemeinkosten Zuschlagssatz
+VertriebsprozesskostenMenge/Cost DriverHauptprozesskostensatz
+Rest-Vertriebsgemeinkosten Zuschlagssatz
+Sondereinzelkosten des Vertriebs
= Selbstkosten (pro Stück/pro Auftrag)