Kursangebot | Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen | Plankostenrechnung

Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen

Plankostenrechnung

x
Juracademy JETZT WEITER LERNEN!

Weitere Lernvideos sowie zahlreiche Materialien für deine Prüfungsvorbereitung erwarten dich:
wiwiweb.de Flatrate


1277 Lerntexte mit den besten Erklärungen

417 weitere Lernvideos von unseren erfahrenen Dozenten

3270 Übungen zum Trainieren der Inhalte

1082 informative und einprägsame Abbildungen

Video: Plankostenrechnung

01. Welche Stufen sind beim Aufbau der Plankostenrechnung erforderlich?

Der Aufbau einer Plankostenrechnung umfasst:

  • Die Kostenartenrechnung:

    Planung der Kostenarten: Erfassung aller zu erwartenden Kosten in der Planperiode (z. B. für das kommende Geschäftsjahr)

  • Die Kostenstellenrechnung:

    Zuordnung der zukünftig anfallenden Kosten auf die Kostenstellen (Festlegung der Plankosten je Kostenart und Kostenstelle)

  • Soll-Ist-Vergleich:

    Gegenüberstellung geplanter und tatsächlich entstandener Kosten als Hauptziel der Plankostenrechnung

  • Kostenträgerrechnung:

    Durchführung der Kostenträgerzeitraumrechnung bzw. der Kostenträgerstückrechnung auf der Basis von Plankosten; Ermittlung der Abweichungen bei einem Kostenträger je Periode bzw. Vergleich der Plankalkulation (auf Basis von Plankosten) mit der Nachkalkulation (auf Basis tatsächlich entstandener Istkosten).

Merke

Hier klicken zum Ausklappen

Die Istkosten der Plankostenrechnung (PKR) unterscheiden sich von den Istkosten der Istkostenrechnung (IKR):

IKRIstkostenrechnung (KIKR)

Istkosten 

= Istmenge •  Istpreis

PKRPlankostenrechnung (KPKR)

Istkosten 

= Istmenge •  Planpreis

Daher gilt:

 

imported

02. Wie ist das Verfahren bei der starren Plankostenrechnung?

  • Merkmale:

    • Sie führt keine Auflösung der Kosten in fixe und proportionale Bestandteile durch.

    • Die Vorgabe der Kosten (Planwerte) erfolgt primär auf der Basis zukünftiger Entwicklungen (Erwartungen).

  • Vorteile:

    • Das Verfahren ist relativ einfach.

  • Nachteile:

    • Der Beschäftigungsgrad wird nicht berücksichtigt.

    • Bei Beschäftigungsschwankungen ist keine exakte Kostenkontrolle möglich.

    • Abweichungen (Soll – Ist) können nur als Ganzes dargestellt werden.

Es gelten bei der starren Plankostenrechnung folgende Beziehungen:

Starre Plankostenrechnung (Formeln)
1. Plankosten=Planmenge • Planpreis
2. Istkosten=Istmenge • Planpreis
3. Plankostenver-rechnungssatz=Plankosten : Planbeschäftigung
  =Istbeschäftigung • Plankostenverrechnungssatz
4. Verrechnete Plankosten Beschäftigungsgrad • Plankosten
  =Beschäftigungsgrad = Istbeschäftigung : Planbeschäftigung • 100
5. Abweichung=Istkosten - verrechnete Plankosten

03. Wie ist das Verfahren bei der flexiblen Plankostenrechnung?

  • Merkmale:

    • Sie führt eine Auflösung der Kosten in fixe und proportionale Bestandteile durch.

    • Durch die Einführung der Sollkosten lässt sich die Gesamtabweichung differenziert in die Verbrauchsabweichung und die Beschäftigungsabweichung darstellen: Die Sollkosten enthalten die geplanten Fixkosten in voller Höhe und die geplanten variablen Kosten in Abhängigkeit vom Beschäftigungsgrad. Dadurch lassen sich Verbrauchsabweichungen ermitteln.

  • Vorteile:

    • Die Kostenkontrolle ist wirksam in der Kostenarten- und in der Kostenstellenrechnung.

    • Durch die Berücksichtigung von Beschäftigungsschwankungen während der laufenden Periode wird erreicht:

      • Die Genauigkeit der Kalkulation wird verbessert.

      • Die Abweichung kann differenziert als Verbrauchs- und als Beschäftigungsabweichung ermittelt werden.

  • Nachteil:

    Die fixen Kosten haben die gleichen Bezugsgrößen wie die variablen Kosten („erzwungene Proportionalisierung“ der fixen Kosten).

  • Vorgehensweise:

    1. Errechnung der Plankosten je Kostenstelle .

    2. Aufspaltung der Plankosten in fixe und variable Bestandteile.

Es gelten bei der flexiblen Plankostenrechnung folgende Beziehungen:

Flexible Plankostenrechnung (Formeln)
1.1 Proportionaler Plankostenverrechnungssatz=Proportionale Plankosten : Planbeschäftigung
1.2 Fixer Plankostenverrechnungssatz=Fixe Plankosten : Planbeschäftigung
1.3 Plankostenverrechnungssatz
(gesamt) bei Planbeschäftigung
=Proportionaler Plankostenverrechnungssatz + Fixer Plankostenverrechnungssatz
=Plankosten : Planbeschäftigung
2. Verrechnete Plankosten=Istbeschäftigung • Plankostenverrechnungssatz
=Plankosten • Beschäftigungsgrad
3. Sollkosten=Fixe Plankosten + Prop. Plankostenverrechnungssatz • Istbeschäftigung
=Fixe Plankosten + Prop. Plankosten • Beschäftigungsgrad
4. Beschäftigungsabweichung (BA)
Hinweis: Die Definition der BA und der VA ist in der Literatur nicht einheitlich; ebenso: vgl. Olfert, 2008, S. 245 sowie Däumler/Grabe, 2009, S. 31, 321 ; anders: Schmolke/Deitermann, 2011, S. 485 (hier wird allerdings das Vorzeichen in Klammern gesetzt).
Abweichung, die auf einer Beschäftigungsänderung basiert
=Sollkosten – Verrechnete Plankosten
5. Verbrauchsabweichung (VA)
Hinweis: Die Definition der BA und der VA ist in der Literatur nicht einheitlich; ebenso: vgl. Olfert, 2008, S. 245 sowie Däumler/Grabe, 2009, S. 31, 321 ; anders: Schmolke/Deitermann, 2011, S. 485 (hier wird allerdings das Vorzeichen in Klammern gesetzt).
Abweichung, die nicht auf einer Beschäftigungsänderung basiert
=Istkosten – Sollkosten







(Istmenge • Planpreis) – (Planmenge • Planpreis)
6. Gesamtabweichung (GA)=Istkosten – Verrechnete Plankosten
=Verbrauchsabweichung + Beschäftigungsabweichung

Generell gilt:

Istbeschäftigung = PlanbeschäftigungVerrechnete Plankosten = Sollkosten

Schnittpunkt der Sollkostenfunktion mit der Funktion der verrechneten Plankosten.
Istbeschäftigung Plankosten 
Ein Teil der fixen Kosten wird nicht verrechnet.
Istbeschäftigung > PlanbeschäftigungPlankosten > Sollkosten

Es werden mehr fixe Kosten verrechnet als nach Plan anfallen sollen.

04. Was ist der Soll-Ist-Vergleich?

Der Soll-Ist-Vergleich ist der Hauptzweck der Plankostenrechnung: Den geplanten Kosten werden die tatsächlich entstandenen Kosten gegenüber gestellt. In der Praxis wird der Kostenstellenverantwortliche einen monatlichen Report erhalten, der die Istkosten und die Sollkosten – einzeln je Monat und meist auch aktuell aufgelaufen – enthält. Meist wird der Soll-Ist-Vergleich nicht nur in absoluten Werten, sondern auch in Prozentwerten ausgewiesen. In größeren Betrieben besteht für den Kostenstellenverantwortlichen eine interne Vorgabe, Abweichungen, die einen bestimmten Prozentwert überschreiten, schriftlich zu kommentieren, z. B. Abweichung in % > 5 %.

Eine Ausnahme bilden die Abweichungen, die durch Fehlplanungen oder durch nicht planbare Ereignisse aufgetreten sind.

Merke

Hier klicken zum Ausklappen

$$Abweichung\; absolut\; =\; Ist \; –\;  Soll$$

$$Ist – Soll \; >\;  0\; Kostenüberschreitung!$$

$$Ist – Soll \; ≤ \; 0 \; Kostenunterschreitung\; bzw.\; Einhaltung\; der\; Kostenvorgabe!$$

$$Abweichung\; in\; \% \; =\;  \frac{Ist – Soll}{Soll * 100}$$

05. Welche Abweichungen werden unterschieden?

 

imported
  • Die Preisabweichung (PA) ergibt sich als Differenz zwischen Sollkosten und Istkosten; die Differenz ergibt sich aus der Unterschiedlichkeit von Planpreis und Istpreis.

    Merke

    Hier klicken zum Ausklappen

    Es gilt:

    PA > 0 → Es sind Mehrkosten entstanden!

    PA < 0 → Es wurden zu hohe Kosten verrechnet!

    Beispiel

    Hier klicken zum Ausklappen

    $$PA = Istmenge * Istpreis – Istmenge * Planpreis$$

    $$= 1.000 * 10 – 1.000 * 12$$

    $$= – 2.000$$

    Die Istkosten der Plankostenrechnung sind höher als die Istkosten der Istkostenrechnung. Es wurden um 2.000 € höhere Kosten verrechnet als tatsächlich entstanden sind.

  • Die Verbrauchsabweichung (VA) ergibt sich als Differenz von Istkosten und Sollkosten innerhalb der flexiblen Plankostenrechnung.

    Merke

    Hier klicken zum AusklappenEs gilt:

    VA > 0 → Istkosten > Sollkosten: Verbrauch ist höher als geplant!

    VA < 0 → Istkosten < Sollkosten: Verbrauch ist niedriger als geplant!
  • Das Problem besteht darin, dass vor der Ermittlung der VA die anderen Abweichungen bekannt sein müssen. Die VA ist somit eine Restgröße, die sich aus der Gesamtabweichung minus Preis-, Beschäftigungs- und ggf. Verfahrensabweichung ergibt. Die VA kann weiter gegliedert werden in Material- und Lohnabweichungen.

    imported
  • Die Beschäftigungsabweichung (BA) ist die Differenz zwischen Sollkosten und verrechneten Plankosten innerhalb der flexiblen Plankostenrechnung.

    imported

    Die Beschäftigungsabweichung verantwortet die Geschäftsleitung.

06. Was sind Grenzkosten?

Die Grenzkosten K´ zeigen an, um welchen Betrag die Kosten steigen (bzw. fallen), wenn die Leistungsmenge sich um eine Einheit verändert. Bei linearem Verlauf der Kostenkurve gilt der Differenzenquotient:

$$K´ = \frac{Kostenzuwachs}{Mengenzuwachs} = \frac{K_2 – K_1}{x_2 – x_1} = \frac{\Delta\;  K}{\Delta\;  x}$$

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen

Bei einer Produktion von 200 Stück betragen die Kosten 800 €; bei einer Produktionsmenge von 300 Stück liegen die Kosten bei 1.000 €. Die Grenzkosten betragen daher:

$$K´ = \frac{1.000 € – 800 €}{300\; Stück – 200\; Stück} = 200 €\; :\; 100\; Stück = 2 €/Stück$$

Schneller gelangt man zur Lösung über den Differenzialquotienten: Aus dem Beispiel ergibt sich die Kostenfunktion:

$$K = x * k_{v} + K_{f}$$

$$= 2\; x + 400$$

$$K_f\;=$$Fixkosten

$$k_v\;=$$

variable Stückkosten
$$x\; =$$Menge

Daraus ergibt sich als Differenzialquotient:

$$\frac{δ K}{δ x} = 2 €/Stück$$

Merke

Hier klicken zum Ausklappen

Bei linearem Verlauf der Gesamtkostenfunktion sind also die Grenzkosten gleich den variablen Stückkosten.