Kursangebot | Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen | Liquiditätsplanung

Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen

Liquiditätsplanung

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Definition der Liquidität

01. Wie ist die Größe „Liquidität“ definiert?

  • Liquidität  → Zahlungsfähigkeit: Zeitpunkt + Höhe

    Unter Liquidität versteht man die Fähigkeit, zu jeder Zeit den Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Je höher die Liquidität, desto sicherer das Unternehmen.

  • Man unterscheidet folgende Liquiditätsbegriffe:

    • Als absolute Liquidität bezeichnet man die Eigenschaft von Vermögensteilen, als Zahlungsmittel verwendet oder in flüssige Mittel umgewandelt werden zu können; ein Vermögensteil hat eine um so höhere Liquidierbarkeit, je schneller es sich in Zahlungsmittel umwandeln lässt.

      1. Die natürliche (auch: ursprüngliche) Liquidität ist die Eigenschaft von Vermögensteilen, durch den betrieblichen Leistungsprozess in flüssige Mittel umgewandelt zu werden. Ein Unternehmen kauft z. B. RHB-Stoffe sowie Baugruppen am Beschaffungsmarkt, fertigt Druckluftverdichter und erhält durch den Verkauf über die Umsatzerlöse wieder liquide Mittel.

      2. Als künstliche (auch: vorzeitige) Liquidität bezeichnet man den Vorgang, dass Vermögensteile vorzeitig verkauft werden (ggf. mit Wertabschlag). Beispiel: Das Unternehmen muss aufgrund von Absatzproblemen die Fertigung der Druckluftverdichter einstellen. Durch den Verkauf von Rohstoffen und Baugruppen (unter dem Marktpreis) werden Vorräte in liquide Mittel umgewandelt.

    • Die relative Liquidität sagt aus, ob ein Unternehmen allen Zahlungsverpflichtungen fristgerecht nachkommen kann.

      1. Die statische Liquidität bezieht sich auf einen bestimmten Zeitpunkt. Unterschieden werden folgende Liquiditätsgrade:

        • Liquidität 1. Grades (auch: Barliquidität)

        • Liquidität 2. Grades (auch: Einzugsliquidität)

        • Liquidität 3. Grades (auch: Umsatzliquidität).

      2. Die dynamische Liquidität bezieht sich auf einen bestimmten Zeitraum. Sie wird sichergestellt durch den Einsatz der Instrumente „Finanzplanung“ und „Finanzdisposition“.

Statische Liquiditätskennzahlen

Video: Liquiditätsplanung

 

01. Welche Liquiditätskennzahlen werden verwendet?

1. Statische Liquiditätsanalyse, kurzfristig
Liquidität 1. Grades
auch: Barliquidität

$$\small= \frac{Flüssige\; Mittel}{Kurzfristige\; Verbindlichkeiten} \;\cdot\; 100$$

Kann unter 100 % liegen.
Liquidität 2. Grades
auch: Einzugsliquidität

$$\small= \frac{Flüssige\; Mittel + kurzfr.\; Forderungen}{Kurzfristige\; Verbindlichkeiten} \;\cdot\; 100$$

Soll ≥  100 % erreichen.
Liquidität 3. Grades
auch: Umsatzliquidität

$$\small= \frac{Flüssige\; Mittel + kurzfr.\; Ford. + Vorräte}{Kurzfristige\; Verbindlichkeiten} * 100$$

Soll 200 % erreichen.
Working Capital= Kurzfristiges Umlaufvermögen
– Kurzfristige Verbindlichkeiten
Soll positiv sein.
2. Statische Liquiditätsanalyse, langfristig
Das Prinzip der Fristenkongruenz ist zu beachten.
Goldene Bilanzregel I
Anlagendeckungsgrad I

$$\small\frac{EK}{AV} ≥ 1$$

AV soll mindestens zu 100 % durch EK gedeckt sein.
Goldene Bilanzregel II
Anlagendeckungsgrad II oder silberne Bilanzregel

$$\small\frac{EK + langfr.\; FK}{AV} ≥ 1$$

AV soll mindestens zu 100 % langfristig finanziert sein.
Goldene Bilanzregel III
Anlagendeckungsgrad III

$$\small\frac{EK + langfr.\; FK}{AV + langfr.\; UV} ≥ 1$$

AV + lfr. UV sollen mindestens zu 100 % langfristig finanziert sein.
Goldene Finanzierungsregeln

auch: Goldene Bankregeln

$$\small\frac{Kurzfr.\; Vermögen}{Kurzfr.\; Kapital} ≥ 1$$

Mittelbindung und Kapitalverfügbarkeit sollen sich entsprechen.
Langfr. VermögenLangfr. Kapital ≥ 1
3. Kennzahlen zur Anlagenfinanzierung und zur Kapitalstruktur

$$Verschuldungsgrad\; (statisch) = \frac{Fremdkapital}{Gesamtkapital} \;\cdot\; 100$$

Idealerweise liegt der optimale Verschuldungsgrad bei kleiner oder gleich 50 %. Wenn jedoch als Faustformel ein Eigenkapitalanteil von 20 – 30 % gefordert wird, dann liegt der Verschuldungsgrad zwischen 70 – 80 %.

$$Verschuldungskoeffizient = \frac{Fremdkapital}{Eigenkapital} \;\cdot\; 100$$

Wenn 100 % vorliegen, dann entspricht das Fremdkapital dem Eigenkapital. Idealerweise sollte das Eigenkapital größer als das Fremdkapital sein (
4. Dynamische Liquiditätsanalyse
Cashflow-AnalyseMithilfe der Cashflow-Anayse können zusätzliche Aussagen über die Finanz- und Ertragskraft des Unternehmens getroffen werden. Der Cashflow (Kassenfluss; auch: Einzahlungsüberschuss) ist der frei verfügbare Mittelstrom einer bestimmten Periode des Unternehmens. Die Definitionund Berechnungsmethode ist nicht einheitlich. Im einfachen Fall wird der Cashflow ermittelt als Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben oder Jahresüberschussbetrag zzgl. Abschreibung.
Dynamischer VerschuldungsgradDie Kennziffer (Fremdkapital zu Cashflow) zeigt, in wie viel Jahren die Verbindlichkeiten durch den Cashflow zurückgezahlt werden können (Entschuldungsdauer).
BewegungsbilanzDie Bewegungsbilanz zeigt die Veränderung der Bilanzposten über die Zeit:
  • Mittelverwendung: Erhöhung der Aktivposten, Minderung von Passivposten
  • Mittelherkunft: Minderung von Aktivposten, Erhöhung von Passivposten.
KapitalflussrechnungDie Cashflows aus betrieblicher Tätigkeit, aus Investitions- und Finanzierungstätigkeit werden dargelegt, wobei als Ergebnis die flüssigen Mittel des Geschäftsjahres resultieren.

Dynamischer Liquiditätsplan

01. Welche Aufgaben hat die Finanz- und Liquiditätsplanung zu erfüllen?

Dies sind im Wesentlichen:

  • Zukunftsorientierte Erfassung, Kontrolle und Fortschreibung der kurzfristig zu erwartenden Zahlungsströme mit dem Ziel, das finanzielle Gleichgewicht zu erhalten.

  • Mittel- und langfristige Abstimmung von Kapitalbedarf und Kapitaldeckungsmöglichkeiten zur Realisierung der gesetzten Unternehmensziele.

02. Wie ist bei Aufstellung eines Finanzplanes vorzugehen und worauf ist zu achten?

  • Im Finanzplan werden die Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt sowie der Kapitalbedarf und die Kapitaldeckungsmöglichkeiten aufgeführt. Alle Bereiche eines Unternehmens müssen in den Finanzplan miteinbezogen werden, so z. B. der Beschaffungs- und Investitionsplan, der Forschungs- und Entwicklungsplan sowie der Produktionsplan.

  • Es muss darauf geachtet werden, dass alle Informationen vollständig und übersichtlich erfasst werden. Die Zukunftsbezogenheit verlangt, dass die Änderungen bei Löhnen, Zinsen usw. berücksichtigt werden müssen. Bereits getroffene Maßnahmen dürfen nur dann miteingerechnet werden, wenn sie Ein- oder Auszahlungen im Planungszeitraum bewirken.

  • Ebenso ist das Bruttoprinzip einzuhalten, d. h. es dürfen keine Saldierungen von Ein- und Auszahlungen vorgenommen werden. Darunter leidet die Klarheit bzw. Übersichtlichkeit. Die Planungsansätze müssen auf realistischen Annahmen basieren und Absatzerwartungen sowie Lohn- und Preissteigerungen berücksichtigen.

  • Die Termingenauigkeit verlangt, dass Ein- und Auszahlungen zu den Zeitpunkten erfasst werden, an denen sie anfallen, denn nur so können Rückschlüsse auf die Einhaltung der ständigen Zahlungsfähigkeit gezogen werden.

  • Der Finanzplan beruht auf den Einzahlungen und Auszahlungen bzw. den Einnahmen und Ausgaben, wobei bei dem ersten Begriffspaar nur die Kassenbestände und jederzeit verfügbaren Bankguthaben enthalten sind, während bei dem zweiten auch die Kreditvorgänge enthalten sind.

03. Welche Liquiditätszustände werden unterschieden und welche Anpassungsmaßnahmen sind grundsätzlich möglich?

 

Liquiditätszustände

 

 

04. Wie ist die Finanzplanung strukturiert?

Finanzpläne
Kurzfristig Liquiditätsstatus:
Bei KMU werden Tagesdispositionen vorgenommen, um Kontoüberziehungen und Fristenüberschreitungen bei Zahlungen zu vermeiden bzw. um Tagesgelder anzulegen. Bei Großunternehmen und Banken hat die tagesgenaue Überwachung der Zahlungsströme eine hohe Bedeutung (globale Finanztransaktionen in erheblichem Ausmaß bzw. Finanzdispositionen zwischen den Tochtergesellschaften und der Holding).
Zeitraum: 1 – 2 WochenEinheit: Tage
Kurzfristiger Finanzplan:
Detaillierter Vorschauplan zur Sicherung der Liquidität mit Angabe möglicher Anpassungsmaßnahmen bei Über-/Unterliquidität.
Zeitraum: 1 – 2 WochenEinheit: Woche
Mittelfristig Mittelfristiger Finanzplan:
Rahmenplan als Vorgabe für die kurzfristige Detailplanung; Teilziele der strategischen Unternehmensplanung werden erfasst, z. B. Vorschauplan für Kapitalbedarfe und Kapitaldeckungsmöglichkeiten.
Zeitraum: 6 Monate – 4 JahreEinheit: Monate/Quartale
Langfristig Langfristiger Finanzplan:
Grobplanung zur Umsetzung von Unternehmensstrategien, z. B. langfristige Kreditsicherung, langfristige Planung der Kapitalstruktur und Vorbereitung großer Investitionsvorhaben.
Zeitraum: bis zu 10 JahrenEinheit: Halbjahre/Jahre

05. Welche Größen müssen in der kurzfristigen Finanzplanung berücksichtigt werden?

  1. Anfangsbestand an Zahlungsmitteln und den liquiden Mitteln. Hierzu zählen:

    • Bargeld

    • sofort fällige Forderungen

    • evtl. Kreditlinien.

  2. Einzahlungen, gegliedert nach

    • Einzahlungen aus Umsätzen

    • Finanzvorgängen

    • sonstigen, außerhalb des Geschäftsbetriebs liegenden Vorgängen.

  3. Auszahlungen, gegliedert nach Auszahlungen

    • für den laufenden Geschäftsbetrieb

    • für Finanzvorgänge

    • sonstige, außerhalb des Geschäftsbetriebs anfallende Vorgänge.

  4. Eine festgestellte Überdeckung (Liquiditätsreserve) kann z. B. wie folgt verwendet werden:

    • Anlage intern (z. B. für ein Investitionsobjekt)

    • Vergabe von Krediten

    • Erwerb von Beteiligungen

    • vorzeitige Rückführung von Krediten

    • kurzfristige Geldanlage als Festgeld oder Termingeld.

    Eine festgestellte Unterdeckung ist auszugleichen. Je nach Umfang und Zeitraum kommen z. B. infrage:

    • Aufnahme von zusätzlichem Kapital

    • Verlagerung von flexiblen und disponiblen Auszahlungen und Einzahlungen.

06. Welche Risiken sind bei der Finanzplanung zu beachten?

  • Beim Ausgleich von Unterdeckungen durch zusätzliche Aufnahme von Fremdkapital ist die Entwicklung des Verschuldungsgrades (Stichworte: Bonität, Rating) und der Rentabilitäten zu beachten (Stichwort: positiver/negativer Leverage-Effekt).

  • Fehlplanungen bezüglich der Vermögenstruktur (vgl. Finanz-/Bilanzregeln)

  • Abweichungen der Zeitpunkte von Kapitalbedarf und Kapitalbereitstellung

  • Missachtung der Fristenkongruenz

  • Fehleinschätzungen, z. B. Zeitpunkt und Höhe der Ein- und Auszahlungen

  • Auswahl des Kreditgebers (Zeitpunkt, Konditionen, Stellung des Kreditgebers).