Kursangebot | Steuerrechtliche Grundlagen | Niederstwertprinzip

Steuerrechtliche Grundlagen

Niederstwertprinzip

Das Niederstwertprinzip wird immer dann angewendet, wenn es um die Wertfestsetzung von Vermögensgegenständen in der Bilanz geht und es es mehrere Möglichkeiten für deren Bewertung gibt.

Gemildertes und Strenges Niederstwertprinzip

  • für das Anlagevermögen (gemildertes Niederstwertprinzip)
  • für das Umlaufvermögen (strenges Niederstwertprinzip)
    • auf den niedrigeren der beiden Werte aus Börsen- oder Marktpreis und fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten (außerplanmäßig) abzuschreiben ist auch bei einer nur vorübergehenden Wertminderung (§ 253 IV 1 HGB).

Niederstwertprinzip in der Steuerbilanz

In der Steuerbilanz gelten folgende Regelungen:

für das Anlagevermögen

  • ist der Teilwert wegen einer voraussichtlich dauernden (!) Wertminderung niedriger als die fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten, so kann (!) dieser angesetzt werden (§ 6 I Nr. 1 S. 2 EStG)
  • die Wertminderung ist voraussichtlich dauernd, wenn der Teilwert in mindestens der Hälfte der Restnutzungsdauer unterhalb des Restbuchwerts liegt

für das Umlaufvermögen

  • ist der Teilwert wegen einer voraussichtlich dauernden Wertminderung niedriger, so kann dieser angesetzt werden
  • die Wertminderung ist voraussichtlich dauernd, wenn sie bis zum Bilanzerstellungstag besteht.

Beispiele zum Niederstwertprinzip

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen Beispiel:
Der Steuerpflichtige schafft am 2.1.01 eine Maschine für 80.000 € an, die eine Nutzungsdauer von zehn Jahren hat. Am Ende des zweiten Jahres wird festgestellt, dass der Teilwert bei 23.000 € liegt. Muss am Ende des zweiten Jahres eine außerplanmäßige Abschreibung erfolgen? Erstelle den Abschreibungsplan.

Die Maschine ist Teil des Anlagevermögens, denn sie dient dauernd dem Geschäftsbetrieb (§ 247 II HGB). Es gilt folgendes:

Jahr Abschreibung Restbuchwert Vgl. mit Teilwert
18.000 €72.000 € 
28.000 €64.000 € 
38.000 €56.000 €> 23.000 €
48.000 €48.000 €> 23.000 €
58.000 €40.000 €> 23.000 €
68.000 €32.000 €> 23.000 €
78.000 €24.000 €> 23.000 €
88.000 €16.000 €
98.000 €8.000 €
108.000 €0 €


Tab. 4: Abschreibungsplan und Vergleich mit Teilwert

Am Ende des zweiten Jahres hat die Maschine also noch eine Restnutzungsdauer von acht Jahren. Der Teilwert liegt mit 23.000 € in fünf Jahren (und damit mehr als der Hälfte der Restnutzungsdauer) unterhalb des Restbuchwerts. Deshalb kann steuerlich eine außerplanmäßige Abschreibung auf den Teilwert am Ende des zweiten Jahres erfolgen.

Expertentipp

Hier klicken zum Ausklappen Beachte nun allerdings die Spielregel in vielen Klausuren, nämlich jene der Erstellung einer Einheitsbilanz.
  • Handelsrechtlich muss abgeschrieben werden (weil die Wertminderung von Dauer ist),
  • steuerrechtlich darf abgeschrieben werden (weil die Wertminderung von Dauer ist).

Insgesamt heißt dies, dass das Wahlrecht der Abschreibung in der Steuerbilanz vom Prüfling ausgenutzt werden muss! Man rechnet also

Jahr AfA (= planmäßige Abschreibung) Teilwertabschreibung Restbuchwert
18.000 € 72.000 €
28.000 €4100023.000 €
32.875 € 20.125 €
42.875 € 17.250 €
52.875 € 14.375 €
62.875 € 11.500 €
72.875 € 8.625 €
82.875 € 5.750 €
92.875 € 2.875 €
102.875 € 0 €


Tab. 5: Abschreibungsplan

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen Beispiel:
Der Steuerpflichtige aus Beispiel 28 schafft am 2.1.01 eine Maschine für 80.000 € an, die eine Nutzungsdauer von zehn Jahren hat. Am Ende des zweiten Jahres wird festgestellt, dass der Teilwert bei 35.000 € liegt. Muss am Ende des zweiten Jahres eine außerplanmäßige Abschreibung erfolgen? Erstelle den Abschreibungsplan.

Wir stellen folgendes fest:

Jahr Abschreibung Restbuchwert Vgl. mit Teilwert
18.000 €72000 
28.000 €64000 
38.000 €56000> 35.000 €
48.000 €48000> 35.000 €
58.000 €40000> 35.000 €
68.000 €32000
78.000 €24000
88.000 €16000
98.000 €8000
108.000 €0


Tab. 6: Abschreibungsplan und Vergleich mit Teilwert

Am Ende des zweiten Jahres hat die Maschine also noch eine Restnutzungsdauer von acht Jahren. Der Teilwert liegt mit 35.000 € in lediglich drei Jahren (und damit weniger als der Hälfte der Restnutzungsdauer) unterhalb des Restbuchwerts. Deshalb darf keine außerplanmäßige Abschreibung auf den Teilwert am Ende des zweiten Jahres erfolgen:

Jahr AfA (= planmäßige Abschreibung) Teilwertabschreibung Restbuchwert
18.000 € 72.000 €
28.000 € 23.000 €


Tab. 7: Abschreibungsplan

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen Beispiel:
Der Steuerpflichtige Felix aus Essen schafft am 2.1.01 Vorräte für 70.000 € an. Diese haben am Ende des Jahres einen Wert von 60.000 €. Bis zur Bilanzerstellung konnten sie sich wertmäßig wieder erholen und liegen bei 75.000 €.

Vorräte gehören zum Umlaufvermögen (§ 247 II HGB Umkehrschluss), denn sie dienen nicht dauernd dem Geschäftsbetrieb. Für die Frage, ob also die Wertminderung am Bilanzstichtag dauerhaft ist, muss auf den Bilanzerstellungstag geschaut werden. Im vorliegenden Beispiel 30 ist die Wertminderung nicht dauerhaft, denn die Wertminderung auf 60.000 € hält nicht bis zum Bilanzerstellungstag an.

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen Beispiel:
Der Steuerpflichtige Felix aus Essen aus Beispiel 30 schafft am 2.1.01 Vorräte für 70.000 € an. Diese haben am Ende des Jahres einen Wert von 60.000 €. Bis zur Bilanzerstellung konnten sie sich wertmäßig wieder erholen, liegen allerdings lediglich bei 62.000 €.

Im vorliegenden Beispiel 31 ist die Wertminderung auf 60.000 € nicht dauerhaft - allerdings jene auf 62.000 €. Der Posten Vorräte liegt damit am Bilanzerstellungstag bei 62.000 €.