Kursangebot | Rechnungswesen (Fachwirte) | Grundsätze der Finanzbuchhaltung

Rechnungswesen (Fachwirte)

Grundsätze der Finanzbuchhaltung

wiwiweb JETZT WEITER LERNEN!

Weitere Lernvideos sowie zahlreiche Materialien erwarten dich:
Komplettpaket für wiwi-Studenten


1676 Lerntexte mit den besten Erklärungen

338 weitere Lernvideos von unseren erfahrenen Dozenten

3840 Übungen zum Trainieren der Inhalte

2132 informative und einprägsame Abbildungen

Buchführungspflichten

Wir unterscheiden die Buchführungspflicht

  • nach Handelsrecht und

  • nach Steuerrecht.

Hinweis: Die Grenzen des §241a HGB haben nach Rechtsstand 2016 verändert (s.u.)!

Buchführungspflicht nach Handelsrecht

Nach dem Handelsrecht ist jeder Kaufmann verpflichtet, Bücher zu führen und die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßige Buchführung ersichtlich zu machen (§ 238 I 1 HGB).

Allerdings ist zu beachten, dass kleine Einzelkaufleute von der Buchführungspflicht befreit sind (§ 241a HGB). Ein Einzelkaufmann gilt hierbei als klein, wenn an zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren

  • die Umsatzerlöse höchstens 600.000 € und

  • die Jahresüberschüsse höchstens 60.000 €

betrugen (§ 241a S. 1 HGB).

Buchführungspflicht nach Steuerrecht

Die steuerrechtliche Buchführungspflicht gliedert sich auf in die

  • derivative und die

  • originäre

Buchführungspflicht.

Derivative Buchführungspflicht heißt hierbei, dass man steuerrechtlich zur Buchführung verpflichtet ist, wenn man bereits nach anderen Gesetzen (also insb. nach dem Handelsrecht) als den Steuergesetzen Bücher und Aufzeichnungen zu führen hat (§ 140 AO).

Die originäre Buchführungspflicht bedeutet, dass man

  • mit einem Umsatz von mehr als 600.000 € im Kalenderjahr oder

  • mit einem Gewinn aus Gewerbebetrieb von mehr als 60.000 € im Wirtschaftsjahr oder

  • mit einem Gewinn aus Land und Forstwirtschaft von mehr als 60.000 € im Kalenderjahr

buchführungspflichtig ist (§ 141 AO).

Bilanzierungsgrundsätze

Merke

Hier klicken zum Ausklappen

LAMBERT-REGEL:

Wir unterscheiden Ansatz (= Bilanzierung), Bewertung und Ausweis.

Bilanzierung fragt, ob etwas in der Bilanz angesetzt wird. Bewertung hingegen, in welcher Höhe es angesetzt wird. Ausweis wiederum beantwortet die Frage, wo (also an welcher Stelle in der Bilanz) etwas angesetzt wird. 

Wir reden über

  • materielle Grundsätze,

    • Vollständigkeit,

    • Richtigkeit und

    • Willkürfreiheit

  • Ansatzgrundsätze,

    • Verrechnungsverbot,

    • Ansatzstetigkeit,

    • Bilanzidentität

  • Bewertungsgrundsätze

    • Going-Concern-Prinzip,

    • Einzelbewertung,

    • Bewertungstetigkeit,

    • Bilanzidentität.

  • das Vorsichtsprinzip

    • Realisationsprinzip,

    • Imparitätsprinzip,

    • Niederstwertprinzip,

    • Höchstwertprinzip,

    • Anschaffungswertprinzip,

    • Wertaufholungsgebot

  • die Periodisierung.

    • sachliche Abgrenzung als auch

    • zeitliche Abgrenzung.

Das Vollständigkeitsprinzip nach § 246 I HGB besagt, dass

  • in der Bilanz

    • alle Vermögensgegenstände,

    • alle Schulden,

    • alle Rechnungsabgrenzungsposten und

  • in der GuV

    • alle Aufwendungen und

    • alle Erträge

im Jahresabschluss einer Unternehmung anzusetzen sind.

Going Concern besagt, dass die Positionen im Jahresabschluss so anzusetzen sind, dass man davon ausgeht, dass das Unternehmen fortgeführt und nicht etwa morgen beendet wird.

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen

Eine Maschine wurde für 1000 € angeschafft und hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Am Ende des zweiten Jahres würde man sie, wenn man das Unternehmen zerschlagen würde, noch für 100 € verkaufen können.

Die Maschine ist mit fortgeführten Anschaffungskosten, also mit um die planmäßigen Abschreibungen verminderten Anschaffungskosten, anzusetzen, wenn man davon ausgeht, dass die Unternehmung fortgeführt wird.Wir rechnen also

AK = Anschaffungskosten - planmäßige Abschreibung

= 1.000 - 200 - 200

= 600 €.

Mit dem Grundsatz von Going Concern bewerten wir die Maschine zu 600 €, mit einer Zerschlagungsstatik hingegen zu 100 €. Relevant ist damit die Bewertung zu 600 €. 

Das Realisationsprinzip besagt, dass Erträge (und damit Gewinne) erst dann angesetzt werden dürfen, wenn sie realisiert sind. (§ 252 I Nr. 4 HGB). Konkret bedeutet dies, dass erst bei Gefahrenübergang ein Ertrag angesetzt werden darf.


Das Imparitätsprinzip hingegen führt zu einer Ungleichbehandlung von Erträgen und Aufwendungen. Erträge dürfen nicht antizipiert werden (sondern dürfen erst bei Realisierung angesetzt werden, siehe Realisationsprinzip), Aufwendungen hingegen müssen antizipert werden. Wenn sie also bereits drohen, aber noch nicht sicher sind, müssen sie angesetzt werden (siehe den Ansatz von Rückstellungen und das Niederstwertprinzip).


Das Höchstwertprinzip betrifft die Erstbewertung. Vermögensgegenstände dürfen höchstens zu Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten angesetzt werden (§ 253 I 1 HGB). Nach dem Niederstwertprinzip sind außerplanmäßige Abschreibungen anzusetzen (§ 253 III 3, IV 1 HGB).
Diese sind allerdings nach dem Prinzip der Wertaufholung wieder zurückzunehmen (in Form von Zuschreibungen), wenn der Grund für die vorhergehende außerplanmäßige Abschreibung entfallen sein sollte.

§256a HGB: Währungsumrechnung