Kursangebot | Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen | Eigenfinanzierung

Teil 2: Wirtschaftsfachwirte - Handlungsbezogene Qualifikationen

Eigenfinanzierung

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01. Was ist Eigenfinanzierung?

Eigenfinanzierung: Das Kapital wird durch Eigentümer aufgebracht, z. B. Unternehmer, Gesellschafter, Aktionäre.

02. Welche Möglichkeiten der Beteiligungsfinanzierung gibt es?

Die Beteiligungsfinanzierung (auch: Einlagenfinanzierung) gehört zu den Formen der Eigenfinanzierung: Dem Unternehmen wird Eigenkapital vom Eigentümer (Einzelunternehmen), Miteigentümer (Gesellschafter/Personengesellschaften) oder Anteilseigner (Kapitalgesellschaften) zur Verfügung gestellt. Man unterscheidet:

  1. Beteiligungsfinanzierung bei Einzelfirmen und Personengesellschaften, z. B.:

    • Einlagen von Geld- und Sachkapital sowie Rechten des Unternehmers bzw. der Gesellschafter

    • Neuaufnahme von Gesellschaftern

  2. Beteiligungsfinanzierung bei Kapitalgesellschaften, z. B.:

    • GmbH: Aufnahme neuer Gesellschafter oder Erhöhung der Stammeinlage bestehender Gesellschafter

    • AG: Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer (junger) Aktien

  3. Überlassung von Kapital durch

    • Einzahlung von Barmitteln

    • Einbringen von Sachwerten (z. B. Rechte, Immobilien).

03. Welche Vor- und Nachteile sind mit der Beteiligungsfinanzierung verbunden?

Beteiligungsfinanzierung
Vorteile
  • Das eingebrachte Eigenkapital erhöht die EK-Quote.
  • Sie verursacht weder Zins- noch Tilgungsbelastungen.
  • Sie erreicht eine bessere Bonität bei der Bank für evtl. Kreditierung.
Nachteile
  • Sie könnte Anteile und Ansprüche verschieben.
  • Sie verursacht Kosten, weil evtl. auf höherverzinsliche alternative Anlagen durch die Einlage verzichtet wurde.

04. Wie erfolgt die Beteiligungsfinanzierung bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften?

Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften erfolgen die Einlagen aus dem privaten Vermögen des Einzelunternehmers oder Gesellschafters. Einzelunternehmer und Gesellschafter einer Personengesellschaft haften mit dem Geschäfts- und Privatvermögen.

Beteiligungsfinanzierung bei Personengesellschaften
OHGSie erfolgt durch Einlagen alter und neuer Gesellschafter. Bei Aufnahme neuer Gesellschafter hat dies Auswirkungen auf die Geschäftsführung, die Gewinnverteilung, die Liquidationserlöse u. Ä. Jeder Gesellschafter haftet gesamtschuldnerisch (unmittelbar, unbeschränkt, solidarisch).
KGSie erfolgt in Form der Kommanditeinlage. Während Komplementäre wie die OHG-Gesellschafter haften, erfolgt die Haftung der Kommanditisten nur bis zur Höhe der geleisteten Kapitaleinlage. Kommanditisten haben keinen Geschäftsführungsanspruch, jedoch ein Kontrollrecht.
Stille GesellschaftDie Beteiligung tritt als typisch stille Beteiligung oder als atypische stille Beteiligung auf.
  • Der typische stille Gesellschafter ist am Gewinn beteiligt und besitzt ein Kontrollrecht. Ein Rückzahlungsanspruch lässt auf einen Fremdkapitalcharakter der Einlage schließen.
  • Der atypische stille Gesellschafter gilt als Mitunternehmer mit den sich daraus ergebenen Mitsprache- und Kontrollrechten und ist mit den stillen Reserven beteiligt. Verluste werden bis zur Höhe der Einlage übernommen.

05. Welche Folgen hat die Beteiligungsfinanzierung bei Kapitalgesellschaften?

Beteiligungsfinanzierung bei Kapitalgesellschaften
GmbHSie erfolgt durch Aufnahme neuer Gesellschafter oder durch Erhöhung der Einlagen bereits zur Gesellschaft gehörender Gesellschafter. Die Gesellschafter haben z. B. ein Auskunftsrecht, einen Anspruch auf den Bilanzgewinn (Aufteilung nach Geschäftsanteilen, Gesellschaftsvertrag).
AGJede Kapitalerhöhung erfordert die Zustimmung der Hauptversammlung (vertretene Grundkapital) mit mindestens einer ¾-Mehrheit. Die bisherigen Aktionäre erhalten ein gesetzliches Bezugsrecht (vgl. Frage 08.), damit Vermögensnachteile ausgeglichen werden. Zudem entstehen im Rahmen der Kapitalerhöhung verschiedene Emissionskosten (z. B. Druckkosten, Börsenprospekt, Provision für emittierende Bank usw.).

06. Welche Formen der Erhöhung des Grundkapitals einer Aktiengesellschaft gibt es?

Video: Eigenfinanzierung

 

 

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Video: Eigenfinanzierung

Kapitalerhöhung gegen EinlageSie erfolgt durch die Erhöhung der Einlagen der Aktionäre oder durch Ausgabe neuer Aktien. Diese Kapitalerhöhung bedarf der direkten Zustimmung der Hauptversammlung und ist daher eine direkte Kapitalerhöhung .
Bedingte KapitalerhöhungHier handelt es sich um eine indirekte Kapitalerhöhung . Sie setzt die Zustimmung der Hauptversammlung voraus. Der Vorstand ist jedoch mit Zustimmung des Aufsichtsrates nur berechtigt sie für bestimmte (bedingte) Zwecke, wie
  • Vorbereitung einer Fusion,
  • Ausgabe von Belegschaftsaktien,
  • Umtauschrechte für Inhaber von Wandelobligationen oder Optionsanleihen,

vorzunehmen. Der Nennbetrag der Aktien darf dabei die Hälfte des gezeichneten Kapitals nicht übersteigen (außer für den Fall von Belegschaftsaktion: 10 % des Grundkapitals, § 192 AktG).
Genehmigte KapitalerhöhungEs handelt sich um eine indirekte Kapitalerhöhung . Bei der genehmigten Kapitalerhöhung liegt ebenfalls die Zustimmung der Hauptversammlung vor und die Genehmigung für den Vorstand mit Zustimmung des Aufsichtsrates diese in den nächsten fünf Jahren vorzunehmen. Auch hier darf der Nennwert höchstens 50 % des Grundkapitals betragen.
Kapitalerhöhung aus GeselschaftsmittelnIn dieser Kapitalerhöhungsart wird kein neues Eigenkapital zugeführt. Der Zuwachs ergibt sich aus einer Umwandlung von Kapital- oder Gewinnrücklagen in gezeichnetes Kapital. Im Ergebnis sinkt der Wert der Stückaktie, was i. d. R. zu einer beabsichtigten Absenkung des Aktienkursniveaus führt, um die Nachfrage nach Aktien durch die große Masse von Kleinanlegern zu impulsieren.

07. Welche Aktienarten unterscheidet man?

Aktienarten
UnterscheidungBezeichnungBeschreibung
Übertragungsart InhaberaktieDie Aktie gehört dem jeweiligen Besitzer. Sie wird frei an der Börse gehandelt. Nur die verkaufende Bank kennt den Namen des Inhabers.
NamensaktieDie Aktie ist namentlich auf den Inhaber ausgestellt (Eintragung im Aktienregister); Weitergabe ist nur durch Indossament (Übertragungsvermerk) möglich.
Vinkulierte NamensaktieDie Indossierung ist nur mit Zustimmung der AG möglich (Vinkulus, lat: Fessel).
Umfang der Rechte StammaktieStarke Verbreitung in Deutschland, z. B. mit gleichem Stimmrecht, gleichem Recht auf Dividende usw.
VorzugsaktieBesondere Rechte, z. B. Bevorzugung bei der Gewinnverteilung, erhöhter Liquidationsanteil bei Insolvenz; häufig ist das Stimmrecht ausgeschlossen.
Ausgabezeitpunkt Alte AktieAusgabe bei der Unternehmensgründung
Junge AktieAusgabe bei Kapitalerhöhungen
Nennwert NennwertaktieGrundkapital = Summe der Aktiennennwerte. Die Nennwertaktien dürfen nur zu einem Betrag, der gleich oder über dem Nennwert liegt („über pari“), ausgegeben werden. Der Mindestnennbetrag einer Nennwertaktie beträgt 1 €.
StückaktieNach § 8 AktG lauten Stückaktien auf keinen Nennbetrag. Der Anteil am Grundkapital bestimmt sich bei Stückaktien nach der Zahl der Aktien: Wert = Grundkapital dividiert durch Anzahl der Aktien.

08. Was ist das Bezugsrecht?

Das Bezugsrecht ist das Recht eines Aktionärs auf Bezug neuer Aktien bei einer ordentlichen Kapitalerhöhung. Das Bezugsrecht ist ein Geldwert, der an der Börse gehandelt wird; der tatsächliche Geldwert ergibt sich durch Angebot und Nachfrage. Der Bezugswert kann rein rechnerisch ermittelt werden.

 $$\Large Bezugsrecht\;=\; \frac {Kurs_{\;alte\;Aktien}\;-\;Kurs_{\;neue\;Aktien}} {\frac{\;Anzahl_{\;Aktien\;alt}}{Anzahl_{\;Aktien\;neu}}\;+1} $$