Kursangebot | Kosten- und Erlösrechnung | Allokationseffekt

Kosten- und Erlösrechnung

Allokationseffekt

x
Juracademy JETZT WEITER LERNEN!

Weitere Lernvideos sowie zahlreiche Materialien für deine Prüfungsvorbereitung erwarten dich:
Kurspaket Bilanzbuchhalter Abo (alte PO)


1959 Lerntexte mit den besten Erklärungen

305 weitere Lernvideos von unseren erfahrenen Dozenten

2008 Übungen zum Trainieren der Inhalte

55 informative und einprägsame Abbildungen

Der Allokationseffekt rührt her aus der unterschiedlichen Verteilung (= Allokation) von Gemeinkosten zwischen Zuschlagskalkulation und Prozesskostenrechnung.

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen Beispiel 47:
Der BWL-Student D. aus D. kauft bekanntlich gerne gefälschte Uhren in Tsim Sha-Tsui, Hongkong, um sie in Europa weiterzuverkaufen. Da er gerade sein Examen hinter sich gebracht hat, berät er den Verkäufer gerne über dessen Kostenstruktur und klärt ihn über die Vorzüge der Prozesskostenrechnung auf.

Folgende Daten gibt ihm der Verkäufer:
Informationen Typ A Typ B
Materialpreis520
Lohnkosten1030
Gemeinkosten
für bestellen, einlagern, ...
12.000
Menge200300
a) Zu welchen Gesamtkosten pro Stück kommt D. nach der einfachen Zuschlagskalkulation mit der Zuschlagsbasis Materialkosten?
b) Unter der Annahme, dass durch jede Uhr gleich hohe Prozesskostensätze für die betrieblichen Prozesse verursacht werden, soll dazu im Vergleich eine Prozesskostenkalkulation durchgeführt werden.
c) Wie kommen die unterschiedlichen Ergebnisse zustande? Erläutere den Begriff des Allokationseffekts.

Berechnung der Selbstkosten nach der Zuschlagskalkulation

a)Die Prinzipien der Prozesskostenrechnung und der Zuschlagskalkulation lassen sich sehr schön am vorliegenden Beispiel 47 erläutern. Nach der Zuschlagskalkulation muss man den Zuschlagsatz für die Gemeinkosten bestimmen. Ein Zuschlagsatz der Materialkosten berechnet sich grundsätzlich als

$$\ Zuschlagsatz = {Materialgemeinkosten \over Materialeinzelkosten} $$
Also kalkuliert man
$$\ ZS_{MK} = {12.000 \over 5 \cdot 200 + 20 \cdot 300} = {12.000 \over 7.000} = 171,429\ \% $$ Damit rechnet man

Positionen A B
Materialeinzelkosten520
Materialgemeinkosten
($\ = Zuschlagssatz\ Materialkosten \cdot MEK $)
8,5734,29
Fertigungseinzelkosten1030
Fertigungsgemeinkosten
($\ = Zuschlagssatz \cdot Fertigung\ FEK $)
--
Sondereinzelkosten der Fertigung--
Herstellkosten23,5784,29
Verwaltungskosten
($\ =Zuschlagssatz\ Verwaltungskosten \cdot Herstellkosten $)
--
Vertriebskosten
($\ = Zuschlagssatz\ Vertriebskosten \cdot HK $)
--
Sondereinzelkosten des Vertriebs--
Selbstkosten23,5784,29


Tab. 58: Selbstkosten nach differenzierender Zuschlagskalkulation

Wichtig ist also, dass bei der Zuschlagskalkulation die Gemeinkosten in Höhe von 12.000 € nach Maßgabe der Einzelkosten zugeordnet werden. Die Höhe stimmt, denn $\ 8,57 \cdot 200 + 34,29 \cdot 300 = 12.000\ € $, d.h. jeder einzelne Euro an Gemeinkosten wird zugeordnet.

Berechnung der Selbstkosten im Rahmen der Prozesskostenrechnung

b) Bei der Prozesskostenrechnung werden die Gemeinkosten nach Maßgabe der Prozesse zugeordnet. Wenn jeder Prozess gleich stark ins Gewicht fällt (wie nach Aufgabenstellung vorgegeben), dann kann man von $\ 200 + 300 = 500 $ Prozessen sprechen. Die 12.000 € Gemeinkosten sind daher auf diese 500 Prozesse zu verteilen, was einen Prozesskostensatz PK-Satz von 

$$\ PK_{Satz}= {Gemeinkosten \over Anzahl Prozesse} = {12.000 \over 500} = 24\ {€ \over Prozess} $$ ergibt. Daher kostet jeder Prozess 24 €, man rechnet

Positionen A B
Materialeinzelkosten520
Materialgemeinkosten
($\ = Zuschlagssatz\ Materialkosten \cdot MEK $)
2424
Fertigungseinzelkosten1030
Fertigungsgemeinkosten
($\ = Zuschlagssatz \cdot Fertigung\ FEK $)
--
Sondereinzelkosten der Fertigung--
Herstellkosten3974
Verwaltungskosten
($\ =Zuschlagssatz\ Verwaltungskosten \cdot Herstellkosten $)
--
Vertriebskosten
($\ = Zuschlagssatz\ Vertriebskosten \cdot HK $)
--
Sondereinzelkosten des Vertriebs--
Selbstkosten3974


Tab. 59: Ermittlung Selbstkosten mithilfe Prozesskostenrechnung

Wieder werden die Gemeinkosten wegen $\ 24 \cdot 200 + 24 \cdot 300 = 12.000\ € $ komplett auf die beiden Produkte verteilt, kein Euro geht verloren. Der Unterschied ist darin zu sehen, dass nun nach Maßgabe eines Prozesses die Gemeinkosten zugeordnet worden sind, nicht mehr in Abhängigkeit von Einzelkosten.

Merke

Hier klicken zum Ausklappen Dies ist insofern beanspruchungsgerecht, weil die Prozesskostensätze das Ausmaß der Beanspruchung der Gemeinkosten durch die Produkte ausdrücken.

Wir vergleichen die Selbstkosten nach den beiden Verfahren:

Selbstkosten A B
nach Zuschlagskalkulation23,5784,29
nach Prozesskostenrechnung3974


Tab. 60: Vergleich der Verteilung von Gemeinkosten

Allokation der Gemeinkosten

c) Die Prozesskostenrechnung kalkuliert also für A mehr an Kosten, bei B weniger. Der Unterschied resultiert aus der unterschiedlichen Verteilung (= Allokation) der Gemeinkosten, man nennt dies den Allokationseffekt:

Merke

Hier klicken zum Ausklappen Allokationseffekt = Selbstkosten nach Zuschlagskalkulation
–  Selbstkosten nach Prozesskostenkalkulation

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen Beispiel 48:
Berechne den Allokationseffekt bei der Hubert KG aus Beispiel 47.

Vergleich von Prozesskostenrechnung und Zuschlagskalkulation

Man schreibt die Selbstkosten nach der Zuschlagskalkulation und nach der Prozesskostenrechnung auf und berechnet die Differenz:

Selbstkosten A B
nach Zuschlagskalkulation23,5784,29
nach Prozesskostenrechnung3974
Allokationseffekt -15,43 10,29

Tab. 61: Allokationseffekt wg. unterschiedlicher Vtlg. Gemeink.

Video zum Allokationseffekt

Abschließend noch ein Video zum Allokationseffekt:

Video: Allokationseffekt